NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) neben olympischen Fackeln im Deutschen Sport und Olympia-Muesum in Köln

Viele Fragezeichen zu den Olympischen Spielen an Rhein und Ruhr

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Kommt Olympia nach NRW? Die Politik will es - zumindest vordergründig. Schaut man genauer hin, bröckelt die Fassade der Bewerbung. Die Hintergründe.

Fragt man ChatGPT nach einer Satire über Olympia an Rhein und Ruhr, ist die Antwort eindeutig. "Was wäre inspirierender als Weltklasse-Sport in einem Bundesland, das aussieht wie der Endgegner eines Verwaltungsplanspiels?", antwortet die Künstliche Intelligenz. Und es stimmt schon - die ganze Vielfalt der kommunalen Zergliederung findet sich in der Bewerbung wieder.

Ganz nördlich im Kreis Steinfurt liegt die Gemeinde Hopsten mit etwas über 7.700 Einwohnern. Die dazugehörige Ortschaft Schale beherbergt den Bundesstützpunkt für Wurfscheibenschießen, was sie auf die Landkarte der olympischen Orte für 2036, 2040 oder gar 2044 bringt - ganz so genau weiß man es noch nicht, für welches Jahr die Bewerbung sein wird.

Die kleine Gemeinde reiht sich ein in die 19 Kommunen, die Teil der Rhein-Ruhr-Bewerbung sind. Fast alle Wegmarken der Strecke zwischen Aachen, Köln und Dortmund sind mit dabei. Das stellt die Bewerbung vor große Herausforderungen. Insgesamt sind rund 5,7 Millionen Menschen der rund 18 Millionen in NRW irgendwie von Olympia betroffen. Bezieht man sogar die zugehörigen Kreise mit ein, in denen Wettkampforte wie Herten (Mountainbike), Pulheim (Golf) oder eben Hopsten liegen, dann sind es noch mehr Menschen.

Diese Zahl ist nicht unwichtig - sie alle wären potenzielle Wähler und Wählerinnen eines Bürgerentscheides oder einer ähnlichen Beteiligung. Dass die Menschen nämlich (irgendwie) mit ins Boot geholt werden sollen, ob sie Olympia überhaupt wollen, ist sicher im Sinne des Deutsche nOlympische Sportbundes (DOSB). So sollen erneute Peinlichkeiten vermieden werden. Zweimal bereits scheiterten Bewerbungen an solchen Abstimmungen, während man sich schon beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Stellung gebracht hatte. Das weltweite Ansehen des Sportstandortes Deutschland ist bis heute lädiert.

Kleine Landtagswahl wegen Olympia?

München - aktuell ein Favorit im Rennen - hat seinen Bürgerentscheid schon für den 26.Oktober dieses Jahres terminiert. Von einer solch konkreten Umsetzung ist man in NRW noch weit entfernt. Es gibt sogar Stimmen aus dem Umfeld der Rhein-Ruhr-Bewerbung, die vor einem Bürgerentscheid warnen. Die Kosten wären immens, bei der Zahl an Kommunen gleicht diese Abstimmung einer kleinen Landtagswahl. Warum setze man nicht auf Umfragen als Stimmungstest? Hört man zumindest immer wieder.

"Bei Umfragen wird es nicht bleiben", sagt jedoch der, auf den es ankommt. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erklärte deutlich, man werde jetzt rechtlich gucken, wer gefragt werden müsse. "Wir werden dann im nächsten Jahr die Entscheidung getroffen haben, wie wir das dann machen", kündigte Wüst bei der Vorstellung der Bewerbung an. Es sieht also nach Bürgerbefragung aus - ohne jetzt zu wissen, wen man überhaupt fragen will und muss.

Aber nicht nur wer abstimmen soll, ist unklar, auch das worüber. So gibt es zwar für alle Sportarten schon Spielorte und -stätten. Aber auch immer wieder werden Alternativen genannt, falls es doch nicht klappt. Der Grund ist simpel: "Die vorliegende Planung stellt eine Grobplanung der jeweiligen Sportstätten dar", schreibt es eine Sprecherin von D.Sports. Die Vermarktungsagentur der Stadt Düsseldorf betreut im Auftrag des Landes die Bewerbung. Bisher sei - sicher auch aus Kostengründen - die Durchführung auf Basis von technischen Zeichnungen erfolgt.

Wanken Wüsts Wasserspiele?

Dass dies zu Problemen führen kann, zeigt das Beispiel Gelsenkirchen. Dort wolle man Schwimmen anbieten, vor 60.000 Menschen, sagt Wüst. "Hat es so noch nie gegeben!". Doch eigentlich war der Plan längst vom Tisch. Als für die Spiele 2032 eine Privatinitiative um den Event-Manager Michael Mronz das letzte Mal versuchte, mit einem Rhein-Ruhr-Konzept das IOC zu überzeugen, war Gelsenkirchen für die Schwimmwettbewerbe vorgesehen. In den kommunalpolitischen Gremien war man aber - das ergeben WDR-Recherchen - damals skeptisch. "Es gab Fragezeichen und die konnten nicht ausgeräumt werden", erklärt ein Kommunalpolitiker, der nicht genannt werden will.

Jetzt wieder die Rolle zurück. Weil das Eröffnungsspiel der Handball-EM 2024 vor Rekordkulisse am Rhein gespielt wurde, mache es Sinn, Düsseldorf wieder den Vorzug für Handball und Co zu geben und das Schwimmen doch auf Schalke auszutragen, räumt D.Sports ein. Nur: An den ursprünglichen Debatten und Planungen hat sich nichts geändert. Die (wenn auch kleinen) Fragezeichen für 'Wüsts Wasserspiele auf Schalke' sind geblieben.

Düsseldorfer Handball-Gier

Für Kenner der NRW-Sportszene kommt der Düsseldorfer Griff nach dem Handball nicht überraschend: Seit Jahren schon versucht die Stadt fast krampfhaft ein Profi-Team zu etablieren. So versuchte man mit den "Rhein Vikings" ein halbseidenes Vereinskonstrukt aus Neuss über den Rhein zu holen und scheiterte. Auch der Versuch, den Bergischen HC von Wuppertal nach Düsseldorf zu lotsen, war von wenig Erfolg geprägt.

Auch die zeitweise Etablierung des ukrainischen Serienmeisters Motor Zaporozhye in der zweiten Bundesliga funktionierte nicht wirklich. Im Düsseldorfer Süden wurde vor teilweise handgezählten Publikumszahlen gespielt. Nach nur einer Saison war das Gastspiel wieder beendet. Nun will man offenbar mit Olympia einen neuen Anlauf nehmen, neben Fußball und Eishockey den Handball als dritte Profisportart in Düsseldorf zu etablieren.

Nicht mehr Geld als nötig

Viel Geld hat man für solche Pläne nicht. Die erste Bewerbungsphase für Rhein-Ruhr ging bis Ende Mai - 50.000 Euro standen D.Sports vom Land zur Verfügung. Zwar sind die Bewerbungskosten inzwischen deutlich gesenkt, aber die Summe erscheint sehr klein für ein Sportfest, dessen Ausführung alleine schon mehrere Milliarden verschlingt

Für alles weitere hat Wüst auf Nachfrage angekündigt, dass man im Haushalt 500.000 Euro reserviert habe. Dieses Geld solle jedoch nur fließen, wenn man auch tatsächlich deutscher Bewerber wird. Solange zahle man nur, so ein Sprecher der Staatskanzlei, die vom DOSB empfohlene Summe von 50.000 Euro. Schwer vorstellbar, dass sich zum Beispiel der bayerische Mitbewerber samt Fackelträger Markus Söder auf diese Mindestvorgabe beschränkt hat.

Wieviel Power steckt im selbsternannten Powerhouse?

Es wirkt nicht so als, werde das alles dem sperrigen Titel der Rhein-Ruhr-Spiele gerecht. "The Powerhouse of True Sports" steht auf dem Deckel des Bewerbungs-Konzepts. Eine Formulierung die vom Duktus an NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erinnert, wenn die mal wieder Potenziale der darbenden NRW-Industrie beschreiben will. Aber hinter der wirklichen Power des Konzepts stehen noch ein paar Fragezeichen.

Konzept der Olympia-Bewerbung für Rhein-Ruhr mit dem Titel "Powerhouse of true sports"

Zum Beispiel nach der Beteiligung der Menschen an Rhein und Ruhr oder bei den Sportstätten und den Interessen Einzelner aus dem Bewerbungsumfeld. Vieles ist nur das Mindeste, was man machen muss. "Halbherzig" nennen es einige, "einen weiten Weg, den man gehen muss", bewerten es optimistisch gestimmtere Personen aus der NRW-Politik. So richtig Kritik äußern will aber im Landtag und aus der Landesregierung keine(r). Aus gutem Grund: Landeskabinett und Landtag haben sich nahezu einmütig für die Spiele ausgesprochen.

Daher bleibt am Ende wieder nur die Satire der künstlichen Intellienz. Befragt zu den Chancen Rhein-Ruhrs, ist die Antwort vielleicht relativ nah an der aktuellen Realität. "Wird's klappen? Wer weiß. Wird's absurd? Garantiert", schreibt die KI und weiß aber selber schon was sie machen möchte: "Ich buche mir schon mal meinen Platz im Fan-Zelt - direkt neben dem Kiosk mit den kalten Frikadellen."

Unsere Quellen:

  • Eigene Recherche
  • Anfragen Staatskanzlei
  • Dokumente DOSB zur Bewerbung
  • Pressekonferenz zur Bewerbung Olympia Rhein-Ruhr

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