Die letzten Wochen hätten eindrucksvoll gezeigt, dass Großereignisse in bestehenden Wettkampfstätten nachhaltig und erfolgreich sein könnten, sagte Wüst zunächst der Rheinischen Post. Damit spielte er auf die European Championships in München an. Die Sportveranstaltung war ein großer Erfolg, genutzt wurden hauptsächlich bestehende Arenen, etwa das Münchener Olympiastadion.
Hinter den Kulissen schon länger Thema
Durch den organisatorischen wie auch - aus deutscher Sicht - sportlichen Erfolg, hatte die Debatte um Olympische Spiele in Deutschland bereits in der vergangenen Woche Fahrt aufgenommen. Auf dem Sommerfest der CDU-Fraktion des Landtags war eine erneute Olympia-Kandidatur von Rhein und Ruhr ein großes Thema. Der Chef der für 2032 gescheiterten Initiative, Michael Mronz, hatte dort und in weiteren Interviews für einen neuen Anlauf geworben.
Anscheinend mit Erfolg, wie Wüsts Statement nun zeigt. Auch in anderen Landtagsfraktionen gibt es keine grundsätzliche Ablehnung. So unterstützt die FDP das Projekt auch aus der Opposition heraus mit "voller Überzeugung". NRW sei Sportland Nummer 1, so der sportpolitische Sprecher der Freidemokraten, Christof Rasche. "Der Landtag und die Landesregierung sollten sich jetzt unmissverständlich zu Olympia Rhein/Ruhr 2036 bekennen", so Rasche.
Das Problem mit der Jahreszahl
Mit dieser Jahreszahl ist jedoch ein Problem für die Initiative verbunden. Die olympischen Spiele von Berlin wären dann genau 100 Jahre her. Die Veranstaltung von 1936 sind als "Nazi-Spiele" in die Geschichte eingegangen, in denen Adolf Hitler der Welt das Deutsche Reich präsentieren wollte.
Auf Anfrage des WDR erklärt eine Sprecherin der Düsseldorfer Staatskanzlei, "Olympische und Paralympische Spiele 2036 können als Chance für Deutschland begriffen werden, einen freiheitlichen Gegenentwurf zu den Spielen von 1936 zu schaffen."
Schon beim Versuch, die Spiele 2032 nach NRW zu bekommen, hatte es vor allem aus dem CSU-Lager die Warnung gegeben, dass man bei einem Scheitern keine Bewerbung für 2036 abgeben solle. Der damalige Innenminister Seehofer und der damalige Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes Alfons Hörmann, (beide CSU) sagten damals, dass sie keine Spiele in Deutschland 2036 wollten.
SPD und Grüne sehen 2036 kritisch
Auch die SPD im NRW-Landtag ist skeptisch. Deren sportpolitische Sprecherin Tülay Durdu sagt auf Nachfrage, dass eine Bewerbung für 2036 "in vielen Teilen der Bevölkerung und möglicherweise auch im Ausland ein ungutes Gefühl auslösen könnte." Man solle mit einer solchen Bewerbung deshalb sensibel umgehen. Trotzdem sehe man grundsätzlich großes Potenzial für Olympische Spiele in Deutschland.
Das sehen auch die Grünen so. Der Koalitionspartner der CDU ist ebenfalls skeptisch bei einer Bewerbung für 2036. Es müsse "kritisch abgewogen werden, ob sich Deutschland mit ausgereiftem Konzept für 2040 bewerben sollte", sagt die sportpolitische Sprecherin der Fraktion, Hedwig Tarner, dem WDR.