Bisher konnten Landwirte Rattengift, sogenannte Rodentizide, im eigenen Betrieb einfacher einsetzen: Es reichte der sogenannte "Sachkundenachweis Pflanzenschutz", um das gegen Ratten wirksame Mittel einzusetzen. In vielen landwirtschaftlichen Ausbildungen ist dieser integriert.
Rodentizide sind aber hochgiftig und haben weitreichende Folgen bei unsachgemäßen Gebrauch. Bei den Ratten löst der Stoff innere Blutungen aus, allerdings auch bei anderen Tieren, z.B. kleinen Vögeln oder Raubtieren, die Ratten fressen.
Rattenbekämpfung ohne bürokratische Hürden
Deshalb wurde der Einsatz durch die Überarbeitung der bundesweiten Gefahrenstoffverordnung erschwert. Nach einer Übergangsfrist bis Ende Juli 2027 können die Landwirte den Stoff nur noch einsetzen, wenn sie an einem behördlichen Lehrgang mit einer Prüfung teilgenommen haben. CDU und Grüne sehen darin eine bürokratische Hürde bei der Bekämpfung eines der größten Schädlinge in der Landwirtschaft.
Laut dem Industrieverband Agrar gehen durch Nager bundesweit nämlich jährlich über 100 Millionen Euro bei Vorräten verloren. Allein in NRW sollen über 50 Millionen Ratten leben, fast drei Mal mehr als Menschen.
Durch die neuen Regeln beim Schadstoffeinsatz befürchten die Regierungsfraktionen, dass es noch mehr Ratten werden. "Wer bereits regelmäßig geschult wird, braucht keine zusätzlichen bürokratischen Hürden, sondern gezielte Ergänzungen, klare Regeln und einen rechtssicheren Weg für die Praxis", sagt der CDU Abgeordnete Markus Höner.
Gift-Schulung soll in der Ausbildung stattfinden
Deshalb haben beide Regierungsfraktionen einen entsprechenden Antrag in den Landtag eingebracht, er liegt dem WDR vor. Darin fordern sie, dass eine erweiterte Schulung im Rahmen der Fachkräfte-Ausbildung ausreicht, Rodentizide einzusetzen. Auch soll es nierdrigschwelligere Fortbildungsmaßnahmen geben.
"Landwirtinnen und Landwirte können zukünftig weiterhin selbst Ratten auf ihrem Betrieb bekämpfen, bekommen jedoch das nötige Wissen an die Hand, um dies möglichst umweltfreundlich zu gestalten", erhofft sich der Grüne Abgeordnete Norwich Rüße von dem Vorstoß.
Er soll in der kommenden Woche im Landtag beraten und verabschiedet werden. Die Regeln selber müssten allerdings bundesweit angepasst werden, weshalb die Fraktionen von CDU und Grünen die Landesregierung auffordern, sich dafür einzusetzen.
Unsere Quellen:
- Antrag CDU und Grüne
- Statements CDU und Grüne
- Eigene Recherche
Sendung: WDR 5 Westblick, CDU und Grüne wollen mehr gegen Ratten machen, 10.06.2026, 17:05 Uhr
