CDU Parteitag: Söder-Rede - und Antragswelle
Aktuelle Stunde . 21.02.2026. 34:19 Min.. UT. Verfügbar bis 21.02.2028. WDR. Von Sebastian Galle.
CDU-Parteitag bestätigt Merz und weitere Spitzenpolitiker aus NRW
Stand:
Der CDU-Bundesparteitag hat den Sauerländer Merz erneut zum Vorsitzenden gewählt und mit ihm auch weiteres politisches Spitzenpersonal aus NRW. Auch Ex-Kanzlerin Merkel war vor Ort - als "schön" bezeichnete das Ministerpräsident Wüst.
Auf dem Programm des 38. Bundesparteitags der CDU in Stuttgart stand die Wahl des Bundes-Vorstands. Wie würden sich der Bundesvorsitzende Merz schlagen, wie sein Generalsekretär Carsten Linnemann? Die CDU machte es spannend, denn die Wahl fand mit mehrstündiger Verspätung statt.
Es war ausgerechnet NRW-Digitalministerin Ina Scharrenbach, die vom Tagungspräsidium aus verkündete, dass wegen "technischer Unregelmäßigkeiten, die sich nicht erklären lassen" die Wahl zum Vorstand nicht digital, sondern analog mit Stimmzetteln erfolgen muss. "Da wir die CDU sind, sind wir darauf vorbereitet", sagte Scharrenbach leicht süffisant.
Zurück zu den analogen Wurzeln
Ausführlich erklärte die NRW-Ministerin den knapp 1.000 Delegierten, wer wo welchen Stimmzettel findet und dass die gelben Zettel des "Stimmzettelblocks" auf gar keinen Fall in der Urne landen dürfen, sie seien der Nachweis für die Teilnahme an der Wahl. Auch die analoge Wahl hatte also ihre Hürden für die CDU. Hinter sogenannten "Tischwahlkabinen", also Pappaufstellern, machten die Delegierten dann ihre Kreuze auf klassischem Papier.
Bereits auf dem Landesparteitag der NRW-CDU 2023 in Hürth musste die Partei übrigens wegen technischer Probleme die erste elektronische Vorstands-Wahl der Landesgeschichte absagen und auf Papier-Stimmzettel zurückgreifen.
Friedrich Merz übertrifft sogar das vorherige Ergebnis
Nicht nur wegen der technischen Probleme und der Zeitverzögerung wurde das Ergebnis des Bundesvorsitzenden mit großer Spannung erwartet. Würde sich die Unruhe in der Partei der letzten Monate in einer Zahl niederschlagen? Die Messlatte für Merz lag bei knapp 90 Prozent. Denn bei seiner letzten Wahl zum CDU-Vorsitzenden 2024 hatte er 89,81 Prozent erzielt.
Dieses Ergebnis konnte Merz nun in Stuttgart sogar überraschend übertreffen: 91,17 Prozent der Delegierten stimmten für ihn. Wobei die CDU die 14 Enthaltungen bei der Wahl nicht mitgezählt hat. Merz und der Parteitag nahmen das Ergebnis mit großer Erleichterung auf.
Zuvor hatte Merz eine Stunde und 15 Minuten lang geredet- so viel Zeit nahm er sich für den Programmpunkt "Bericht des Bundesvorsitzenden". Es war über weite Strecken ein Bericht des Bundeskanzlers, mit Erläuterungen zur Weltlage, der Außenpolitik und dem Regierungsgeschäft in Berlin. "Außenkanzler" - so wird Merz häufig genannt, dabei schwingt der Vorwurf mit, die Innenpolitik zu vernachlässigen. In Stuttgart sagte Merz dazu: "Außenkanzler? Das empfinde ich als Kompliment." Selbstkritisch gestand er ein, er habe sich zunächst als Kanzler zu ehrgeizige Ziele gesetzt.
Wüst: Führungspersonal den Rücken gestärkt
Hendrik Wüst
Eindringlich hatte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) "eine herzliche Bitte" an die Delegierten gerichtet, "Friedrich Merz den Rücken zu stärken". Auch Schleswig-Holsteins Landeschef Daniel Günther hatte "um einen Riesenrückenwind für Friedrich Merz" gebeten. Hatten sie Sorge, dass der Bundesvorsitzende vor den beiden wichtigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einen Denkzettel verpasst bekommt? Ein Selbstläufer war dieser Parteitag offenbar nicht für den Kanzler.
Am Sonntag zeigte sich Wüst aber demonstrativ entspannt: Nervosität habe er vor der Abstimmung keine gehabt, sagte er dem WDR. Und weiter:
"Mir war immer klar: Es gibt ein gutes Ergebnis." Hendrik Wüst, NRW-Ministerpräsident zur Wahl von Merz
Dass auch die frühere Bundeskanzlerin am Parteitag teilnahm, erfreute Wüst: "Ich finde es schön, dass Angela Merkel da war", sagte er. "Wir mögen es, wenn wir uns alle gut verstehen", so Wüst über seine Partei. "Und das hat gestern gut funktioniert, auch zwischen den beiden", also zwischen Merkel und Merz.
Generalsekretär Carsten Linnemann erntete verhaltenen Applaus
Ebenfalls bestätigt wurde dann am später Abend der Generalsekretär Carsten Linnemann aus Paderborn. Er erhielt knapp 90,5 Prozent der Stimmen und damit etwas weniger als noch bei seiner Wahl im Mai 2024 (91,4%)
Heiser, mit kratziger Stimme hatte er am Nachmittag versucht, die Delegierten mitzureißen. 2026 sei ein Wahlkampfjahr. "Wir müssen den Kampf aufnehmen, wir können uns nicht wegducken, auch nicht gegenüber der AfD", forderte Linnemann. Man müsse die Partei inhaltlich bekämpfen.
Dass der Applaus der Delegierten während der Rede von Linnemann eher verhalten war und nicht so ganz zum leidenschaftlichen Ton des Generalsekretärs passte, könnte auch an der Regie des Tagungspräsidiums liegen. Es leitet den Ablauf des Parteitags. Um mehrere Stunden hinkte der Parteitag hinter dem Zeitplan her.
Carsten Linnemann hat seit Juli 2023 das Amt des CDU-Generalsekretärs inne. Er behielt es auch nach der Bundestagswahl und ging nicht ins Kabinett der Bundesregierung. Als enger Vertrauter von Friedrich Merz wirkte er maßgeblich an der Neuausrichtung der Partei mit und schärft bis heute das konservative Profil der Partei.
Karl-Josef Laumann on fire
NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verkörpert wie kaum ein zweiter Spitzenpolitiker das soziale Gewissen der Union. Das unterstrich der Münsterländer auch in Stuttgart. Er wurde mit 89,21 Prozent unter großem Applaus als Vertreter des Vorsitzenden wiedergewählt.
Laumann hielt zuvor eine engagierte, kämpferische Rede: Zur Sicherheit gehören, so Laumann, nicht nur die innere und die äußere Sicherheit, sondern auch die soziale. Der NRW-Sozialminister rechnete den Delegierten vor, dass ein Rentner in NRW nach 50 Jahren Arbeit mit Durchschnittseinkommen am Ende nur eine Rente in Höhe von 1.740 Euro erhalte. Laumann wurde für diese Rede mit einem warmen Applaus der Delegierten bedacht.
Bauministerin im Vorstand
Seine Kabinettskollegin Ina Scharrenbach bekam ebenfalls einen Sitz im Parteipräsidium, der enger und kleiner gefassten Parteispitze. Die Landesministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung und Vorsitzende der NRW-Frauenunion erhielt diesen mit 81,88 Prozent der Deligiertenstimmen.
Weitere NRW-Mitglieder des Bundesvorstands
Diese weiteren CDU-Politikerinnen und Politiker aus NRW stellen sich auf dem Parteitag für den Bundesvorstand zur Wahl:
- Serap Güler, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt
- Thomas Jarzombek, MdB aus Düsseldorf und Staatssekretär im Bundes-Digitalministerium
- Thomas Kufen, OB von Essen
- Marcus Optendrenk, NRW-Finanzminister
- Paul Ziemiak, MdB und Generalsekretär der NRW-CDU
Unsere Quellen:
- Bundesparteitag der CDU in Stuttgart
- Reporter vor Ort
- Eigene Recherche
Sendung: WDR.de / Karl-Josef Laumann auf dem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart, 20.02.2026, 16.00 Uhr