NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) und Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde, im Landtag NRW

Online-Portal soll Lehrkräfte im Kampf gegen Antisemitismus stärken

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NRW und die Jüdische Gemeinde Düsseldorf haben ein Online-Portal gestartet. Damit sollen Lehrer Antisemitismus besser erkennen.

Auch Lehrer können nicht alles wissen. Was etwa bedeutet es, wenn ein Schüler ein T-Shirt mit der Aufschrift "444" trägt? Oder eines mit der Buchstabenkombination "ZOG"? Antworten dazu gibt ein neues Portal der Landesregierung, das Lehrerinnen und Lehrern Materialien gegen Judenhass zur Verfügung stellt.

Dort erfahren die Lehrkräfte etwa, dass die Zahlenkombination "444" für "Deutschland den Deutschen" steht. Und die Abkürzung "ZOG" für "Zionist occupied government" (zionistisch besetzte Regierung). Beides sind Codes für völkischen Antisemitismus.

Feller: Schulen als Spiegelbild der Gesellschaft

"Antisemitismus nimmt zu in unserer Gesellschaft. Das ist erschreckend und absolut inakzeptabel", erklärte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) bei der Vorstellung des Portals. Schulen seien ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, deshalb begegneten antisemitische Haltungen auch im Unterricht und auf Schulhöfen immer häufiger.

"Wir dulden in unseren Schulen und auf unseren Schulhöfen keinen Antisemitismus." NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)

Die Landesregierung hat bereits mehrere Maßnahmen und Initiativen gegen Antisemitismus gestartet. Seit Mittwoch gibt es nun auch das Portal AMUDIM. Das Kürzel steht für "Antisemitismuskritische Module für Unterrichtende mit Digital-Interaktiven Methoden". Der Name stammt zugleich aus dem Hebräischen und bedeutet "Grundpfeiler". Entwickelt wurden die Module vom Schulministerium und SABRA, der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus.

Antisemitismus in der Schule: Projekt gibt Handlungsempfehlungen

Antisemitismus sei im schulischen Alltag längst angekommen, betonte auch Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die für das Projekt verantwortlich ist. Viele Lehrkräfte stünden dabei vor dem Problem, Vorfälle nicht immer sicher einordnen zu können, sie würden teils bagatellisiert oder aus Unsicherheit nicht konsequent bearbeitet, so Römgens. AMUDIM setze deshalb auf "Orientierungswissen und konkrete Handlungsempfehlungen", nicht nur auf Theorie.

An aktueller Antisemitismusforschung orientiert

Es gäbe bereits gute und wichtige Bildungsangebote zum Thema Antisemitismus, führte Römgens weiter aus. "AMUDIM geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter, indem die Plattform konsequent an aktueller Antisemitismusforschung orientiert ist und historische Perspektiven mit gegenwärtigen Erscheinungsformen systematisch verbindet", so Römgens. Ein besonderer Fokus liege auf den Phänomenen, die im Schulalltag häufig als klein oder randständig wahrgenommen werden würden.

Das Angebot richtet sich laut Schulministerium an Lehrkräfte aller Schulen und ist zudem für jeden frei zugänglich.

Antisemitismus im Schulalltag: Auch Lehrkräfte sehen Bedarf

Ayla Çelik ist Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Ayla Çelik: "Module allein lösen das Problem nicht."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW begrüßt das neue Angebot. "Viele Kolleginnen und Kollegen fühlen sich unsicher im Umgang mit antisemitischen Vorfällen und sehen den Bedarf, aber ihnen fehlen spezifische Fortbildungen und Zeitressourcen, um diesen Entwicklungen systematisch zu begegnen", erklärte Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW. Die neue Plattform könne Lehrkräften fachliches Rüstzeug geben.

Aber: "Module und Materialien allein lösen das Problem nicht", betonte Çelik. "Sie entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie eingebettet sind in verbindliche Fortbildungsangebote, ausreichend Zeitressourcen, multiprofessionelle Unterstützungssysteme und klare politische Rückendeckung." Demokratieförderung dürfe kein Zusatzauftrag "on top" sein, so die die GEW-Landesvorsitzende. Sie fordert deshalb von der Landesregierung: "Mehr Personal, verlässliche Strukturen und langfristige Investitionen in Prävention und Demokratiebildung."

Keine Antisemitismus-Statistik über Vorfälle an Schulen in NRW

Eine landesweite Statistik zu antisemitischen Vorfällen an Schulen gibt es in NRW nicht. Nach dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 wurden dem Schulministerium bis Januar 2024 61 antisemitische Vorfälle gemeldet. Im ganzen Jahr 2024 hat die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) NRW 940 Vorfälle gezählt, davon 142 an Bildungseinrichtungen insgesamt, also nicht nur an Schulen. "Wir müssen jetzt gucken, wie die Zahlen vom letzten Jahr aussehen. Ich fürchte, sie sind nicht besser", erklärte Dorothee Feller.

Lehrkräfte sollen verstärkt gegen Antisemitismus vorgehen

WDR 5 Westblick - aktuell 25.02.2026 06:19 Min. Verfügbar bis 25.02.2027 WDR 5

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Neues Instrument beim Kampf gegen Antisemitismus an Schulen, 25.02.2026, 14:30 Uhr
Sendung: WDR 5 Westblick, Lehrkräfte sollen verstärkt gegen Antisemitismus vorgehen, 25.02.2026, 17:05 Uhr

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