Trügerische Ruhe bei den Neuen
Es läuft überraschend geräuschlos beim Rennen um die Macht in der neuen AfD Parteijugend. Das ist schon – naja - besonders – vor allem, weil die Junge Alternative vor ihrer Auflösung öfter mal mit der Partei aneinandergeriet.
War es doch immer wieder der klassische Konflikt zwischen den oft unverhohlen rechtsextrem und völkisch auftretenden jungen Kräften in der Partei und denen, die gemäßigter und stärker auf ihre Außenwirkung bedacht, auftreten wollten. Nicht zu ideologisch, nicht zu radikal.
Woran liegt denn dieser neue augenscheinliche Frieden? Ich würde sagen, nicht an neuen, jungen – vermeintlich – weniger Wilden. Wichtige Akteure der alten Jungen sind nun auch bei den neuen Jungen. Grund ist vielmehr die Parteispitze in Berlin. Sie lässt rechtsextremes Gedankengut und die bestens ins rechtsextreme Vorfeld vernetzte Mitglieder immer mehr gewähren und kontrollieren. Vermutlich, weil Alice Weidel ahnt, dass sie sonst selber Schiffbruch erleidet.
Es brodelt beim AfD Landesverband
Das, was sich da in Gießen gründen wird, wird der Parteispitze hier in Düsseldorf allen Anschein nach keine hilfreiche Jugendorganisation sein. Vor allem nicht für NRW-Landeschef Martin Vincentz. Im Gegenteil: Für ihn und seinen angestrebten gemäßigteren Kurs wird das Ganze wohl eher eine Katastrophe.
Der Konflikt mit dem, was vermutlich bald "Generation Deutschland" heißt, ist längst angelegt. Auch, weil der Landesverband ohnehin schon zerstritten ist. Laut Spiegel-Recherchen sind sie einer von zwei Landesverbänden, die es nicht geschafft haben, einen einheitlichen Kandidaten aufzustellen.
Und das hat einen Grund: Kräfte rund um das rechtsextreme Netzwerk vom Dortmunder Matthias Helferich, die den Chef Martin Vincentz massiv unter Beschuss haben. Sie wollen ihren Bewerber im Rennen um den Vorstand der neuen Jugend vorne sehen. Kräfte einer Strömung, die klar völkisch ist. Kräfte, die Grenzen selbst schärfster – demokratisch legitimer – Kritik an der Migration überschreiten. Zum Beispiel die rechtsextreme Erzählung von einem aktiven Bevölkerungsaustausch der in Deutschland im Gange sei.
Zu extrem für manche in der NRW-AfD
Ein Wording, das auch der anvisierte neue Chef der AfD Jugend selbst, Jean Pascal Hohm, schon wählte. Und ich tippe mal, dass man da in der ideologischen Einigung eher mit den Vincentz-Gegnern gemeinsame Sache machen wird. Nein, ich bin mir sogar sicher: Weiter versuchen wird die Macht des Landeschefs zu destabilisieren, die NRW-AfD radikaler zu gestalten.
Es gab eine Zeit, in der sich in Kreisen der Landesspitze einige über die Neugründung der Jugend regelrecht freuten. Feichsend wurde da von mehr Kontrolle und weniger Störungen erzählt. Mit den aktuellen Kräften in der neuen Parteijugend wird das hier in der NRW-AfD aber alles andere als der Fall sein.
