Miguel López, der seit Monaten in der Kritik steht wegen der Spar- und Umbaupläne für den Konzern, bekommt in dieser Woche die volle Breitseite mit dem verbalen Vorschlaghammer. Klar in Führung ist der SPD-Oppositionsführer im Landtag, der vom "schlechtesten Manager, den es in Deutschland gibt" spricht. Das Unternehmen sei bei ihm "nie in guten Händen" gewesen, so Jochen Ott. Bei den Grünen klingt es ähnlich: "Miguel López ist offenbar unfähig, dieses Unternehmen zu führen", erklärt die Landeschefin Yazgülü Zeybek. Die IG Metall sieht eine "einseitige Orientierung auf Aktionärsinteressen zu Lasten der Belegschaften" und wendet sich gegen Pläne für eine "Zerschlagung" des Unternehmens.
Selbst FDP-Chef Henning Höne hört angesichts der Lage "alle Alarmglocken schrillen." Auch die Landesregierung muss einstecken: Sie sehe tatenlos zu, lasse sich "am Nasenring durch die Mange ziehen." Industriepolitisches Versagen attestieren die Kritiker, der Ministerpräsident sei nur ein Zuschauer.
Sorge vor Werkschließungen und Arbeitsplatzverlust
Die Verärgerung ist verständlich. Geht es bei einem Unternehmen, das Teil der Landesgeschichte ist, um die Zukunft, kann die Politik nicht schweigen. Das zeigen die vergangenen Jahrzehnte. Das Muster ist stets ähnlich: Eine interne Info wird durchgestochen, die sorgt für mächtig Wirbel, es folgen Demos, Mahnwachen, Krisengipfel und am Ende geht es irgendwie weiter. Auch eine Art Ruhr-Folklore, in der die Landesregierungen stets einen Eiertanz absolvieren zwischen Solidarität mit der Belegschaft und Verständnis für die Kapitalseite.
Nun mischt sich auch noch die Sorge um die deutsche Wehrtüchtigkeit in die Debatte. Will López doch tatsächlich die Marine-Tochter in Kiel, die Fregatten und U-Boote baut, zur Hälfte an die Börse bringen. Droht mit Thyssenkrupp Marine Systems der Ausverkauf der nationalen Sicherheit? Bei Thyssenkrupp geht es immer ums große Ganze, das war nie anders.
López als Sündenbock?
Vielleicht stünde dem Rummel um Thyssenkrupp etwas mehr Sachlichkeit gut zu Gesicht. Man muss den Stil des Herrn López nicht mögen, aber er ist nicht der Alleinverantwortliche. Die Misere des Konzerns hat eine lange Geschichte sowie viele Väter und Mütter. Der Konzern, hervorgegangen aus zahlreichen Fusionen, oft unter viel Tamtam, ist ein komplexes Gebilde, eine Mischung aus Tradition und Moderne, mit Strukturen, die man so heute nicht erfinden würde. Er ist eine Ikone, eine lebende Legende mit wechselvoller Historie. Zum Bogen und den drei Ringen gehören Schweiß und Schwielen, Exzellenz und Emotion. Was der Bekanntheit hilft, aber nicht unbedingt der Wettbewerbsfähigkeit.
Letzte Ausfahrt scheint immer ein Einstieg des Staates. Man muss kein eingefleischter Kapitalist sein, um Zweifel daran zu hegen. Wieso soll der Staat Probleme besser lösen können als Generationen von Managern?
Gegen die Urgewalt der wirtschaftlichen Veränderungen im Weltmaßstab kann man sich bestenfalls kurze Zeit stemmen, aufhalten lassen sie sich nicht. Was jetzt als "Zerschlagung" gebrandmarkt wird, hat bei anderen Unternehmen durchaus funktioniert. Dafür muss man gar nicht weit gucken, die Spin-Offs Lanxess und Covestro aus dem Bayer-Konzern zeigen das. Die Kraftmeierei mit dem dicken Hammer gab es damals jedenfalls nicht. Überlassen wir das doch lieber dem Jahrmarkt, die Saison beginnt ja gerade.
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