NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne)

Neubaur: Thyssenkrupp-Umbau birgt Risiken

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Im NRW-Landtag war der Thyssenkrupp-Umbau Thema in zwei Ausschüssen. Wirtschaftsministerin Neubaur (Grüne) warnte vor einer Weltuntergangsstimmung. Sie wies die SPD-Kritik zurück, das Land tue zu wenig für die Beschäftigten.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hat in der Debatte über den Umbau des Industriekonzerns Thyssenkrupp für einen "kühlen Kopf" geworben. Die Tonlage "jetzt geht die Welt unter" greife zu kurz, sagte Neubaur am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landtags. Zugleich sieht auch sie "Risiken".

Wer in dieser Situation wie die SPD von einem "Geheimprojekt Abwicklung" spreche, der verunsichere, "statt konstruktive Lösungen zu ermöglichen", sagte die Ministerin. Aber sie betonte auch, es sei nachvollziehbar, dass sich viele Beschäftigte Sorgen machen. Die Landesregierung setze sich für sie und für den Industriestandort ein.

SPD fordert aktivere Rolle der Landesregierung

Der frühere NRW-SPD-Generalsekretär André Stinka

SPD-Wirtschafts- und Energiepolitiker André Stinka

Der SPD-Wirtschaftsexperte André Stinka sprach von einer "Zerschlagung" von Thyssenkrupp. Dadurch könne das Bild der Landesregierung "von der grünen Industrieregion zerplatzen". Schwarz-Grün fahre den Stahlstandort NRW "vor die Wand".

Stinka warf Neubaur und Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) vor, die Entwicklungen bei Thyssenkrupp bisher "achselzuckend" hinzunehmen. Wüst müsse zu einem Krisentreffen einladen. Stinka bezeichnete es erneut als Fehler, dass die Wirtschaftsministerin auf den Aufsichtsratsposten bei Thyssenkrupp verzichtet habe.

Miguel Angel Lopez Borrego, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp

Miguel Angel Lopez Borrego, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp

Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez will alle Geschäftsbereiche verselbstständigen und für die Beteiligung Dritter öffnen. Betriebsrat und IG Metall wollen von der Unternehmensführung besser eingebunden werden. Sie warnen wie die SPD vor einer Zerschlagung des Konzerns mit seinen knapp 100.000 Beschäftigten. Seit vielen Monaten gibt es massive Kritik der Arbeitnehmerseite an Lopez' Strategie und Kommunikation.

Zerschlagung oder Neuaufstellung?

Das Unternehmen verteidigt die "strategische Neuaufstellung". Mit den eingeleiteten Maßnahmen - etwa dem angestrebten Joint-Venture von Thyssenkrupp Steel Europe mit einer Holding des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky - seien vielmehr Weichenstellungen für einen Umbau gemacht, so Thyssenkrupp am Montag.

Der Plan des Unternehmens sei "kein ungewöhnlicher Schritt im internationalen Wettbewerb", so Wirtschaftsministerin Neubaur, "aber birgt natürlich Risiken, auf die wir als Landesregierung sehr genau schauen". So sei bei den Plänen für Marine Systems "für unsere Verteidigungsfähigkeit entscheidend", dass die "Resilienz der Bundesrepublik" gewährleistet bleibe. Das Rüstungsunternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) baut unter anderem U-Boote.

Die Börsennotierung von Marine Systems ist laut ThyssenKrupp noch in diesem Kalenderjahr geplant. Hierbei soll nach Angaben des Unternehmens ein Minderheitsanteil abgegeben werden. 

Die Wirtschaftsministerin will auch den geplanten Börsengang des Stahlhandels genau beobachten. Man stehe in Austausch mit Unternehmen, Betriebsrat und Gewerkschaft, so Neubaur.

CDA fordert Engagement von Kanzler Merz

Sehr besorgt zeigt sich der CDU-Sozialflügel. Kanzler Merz müsse die Rettung der Stahlindustrie zur Chefsache machen, forderte CDA-Chef Dennis Radtke, Europaabgeordneter aus Wattenscheid. Zudem kritisierte er die "desaströse Kommunikation" des Unternehmens.

Die CDU-Vertreter im Wirtschaftsausschuss schlugen hingegen - ähnlich wie Neubaur - eher ruhige Töne an. Der Staat sei "nicht der bessere Unternehmer", sagte der CDU-Abgeordnete Christian Untrieser.

Thyssenkrupp war auch Thema im Arbeits- und Sozialausschuss des Landtags. Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, die Landesregierung begleite die Entwicklung "kritisch" und "konstruktiv". Weitgehend Konsens bestand im Sozialausschuss darüber, dass die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten eingehalten werden müssen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

Über dieses Thema berichtet der WDR am 28.05.2025 auch im Hörfunk.

Unsere Quellen:

  • Neubaur, Stinka und Untrieser im Wirtschaftsausschuss
  • Mitteilung der SPD-Landtagsfraktion
  • Mitteilung von Thyssenkrupp-Betriebsrat und IG Metall
  • CDA-Chef Dennis Radtke im "Stern" und im WDR-Hörfunk
  • Nachrichtenagenturen Reuters und dpa

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