Fahrstunden mit Mama und Papa: Zwischen Konflikt und Kostenbremse
Aktuelle Stunde . 20.05.2026. 33:49 Min.. Verfügbar bis 20.05.2028. WDR. Von Cengiz Ünal.
Geplante Führerschein-Reform : Bald Fahrstunde mit Eltern möglich?
Stand:
Der Führerschein soll bezahlbarer werden. Dafür plant die Bundesregierung Reformen - unter anderem könnten Fahrstunden mit Eltern erlaubt werden.
Wir wollen deine Meinung hören!
Jetzt mitdiskutierenFahrstunde mit Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz: Das könnte demnächst auch auf den Straßen in NRW möglich sein. Die Führerschein-Ausbildung soll bezahlbarer werden, und dafür sollen einige Übungsfahrten mit den Eltern statt mit dem Fahrlehrer oder der Fahrlehrerin möglich sein.
Verkehrsminister Schnieder: Führerschein ist Schlüssel zur eigenen Freiheit
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur Führerschein-Reform am Mittwoch (20.05.26) beschlossen. Die Fahrausbildung soll damit moderner und günstiger werden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat dazu gesagt, dass der Führerschein "ein Schlüssel zur eigenen Freiheit" sei. Das gelte "besonders dort, wo Bus und Bahn nicht regelmäßig fahren. Mobilität darf kein Privileg sein."
Zu den Plänen gehören verschiedene Maßnahmen:
- Es soll keine festen Vorgaben mehr für Sonderfahrten beispielsweise auf der Autobahn und in der Nacht geben.
- Der Theorieunterricht soll auch online oder in einer App möglich sein, statt in Präsenz in der Fahrschule.
- Der Fragenkatalog in der Theorieprüfung soll kürzer werden.
- Es soll möglich sein, einige Fahrstunden mit nahestehenden Personen wie zum Beispiel den Eltern zu machen.
Diese Regeln sind für die Laienausbildung vorgesehen
Für die sogenannte Laienausbildung sollen diese Regeln gelten: Man muss die Theorieprüfung bestanden und sechs praktische Fahrstunden absolviert haben. Die Begleitpersonen müssen mindestens seit sieben Jahren einen Führerschein haben. Das Auto muss gekennzeichnet sein - in Österreich, wo es diese Übungsfahrten schon gibt, sind die Autos mit einer blauen Tafel mit weißem L markiert.
Die Übungsfahrten mit den Eltern sollen erst einmal getestet werden. Die Länder sollen die Möglichkeit bekommen, die Neuerung fünf Jahre lang auszuprobieren.
Fahrlehrer-Vertreter lehnt Fahrstunden mit den Eltern ab
Ob die Laienausbildung auch in NRW getestet wird, ist noch nicht klar. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer hat sich auf WDR-Anfrage zurückhaltend geäußert. Grundsätzlich sieht Krischer Übungsfahrten mit Eltern als Möglichkeit. Aber: "Hierfür braucht es eine bundeseinheitliche Regelung, um Klarheit für alle zu schaffen. Das beinhaltet der Gesetzentwurf aber nicht. Eine Länderöffnungsklausel, wie die Bundesregierung sie vorschlägt, läuft deshalb komplett ins Leere, denn die löst die mit dem Thema verbundenen Rechtsfragen nicht."
Lena Schlegel aus Düsseldorf
Was sagen junge Menschen zu diesem Vorschlag? Die 20-jährige Lena Schlegel aus Düsseldorf findet Fahrstunden mit den Eltern sinnvoll: "Das hätte mir einiges erleichtert."
"Ich habe echt schon viel für die Fahrstunden bezahlt. Und da kann man dann auch einfach mal ein bisschen außerhalb von Fahrstunden üben." Lena Schlegel (20 Jahre alt) aus Düsseldorf
Anders sieht das Kurt Bartels. Er ist Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein und stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Bartels gibt zu bedenken, dass Eltern oder andere Begleiter "gar keine Möglichkeit haben, aktiv in die Fahrweise einzugreifen".
Anders als bei Fahrschulautos gibt es in normalen Autos auf der Beifahrerseite kein Bremspedal. Außerdem hättem Fahrlehrer es gelernt, den Verkehr zu lesen und im Notfall frühzeitig einzugreifen.
In Österreich gibt es die Laienausbildung bereits. Dort würden die Fahrschülerinnen und -schüler aber gründlicher auf die Übungsstunden mit beispielsweise den Eltern vorbereitet als das in Deutschland geplant sei, so Bartels. Beispielsweise seien in Österreich 32 Stunden Theorieunterricht in Präsenz eine Voraussetzung.
Fahrlehrer-Vertreter: Die meisten zahlen weniger als 3.000 Euro für den Führerschein
Der durchschnittliche Preis für einen Autoführerschein (Klasse B) liegt laut Bundesverkehrsministerium aktuell bei rund 3.400 Euro. Für die meisten seien die tatsächlichen Kosten deutlich geringer, so Fahrlehrer-Vertreter Kurt Bartels: In NRW bezahle man 2.200 bis 2.800 Euro für den Führerschein, wenn man im ersten Anlauf bestehe. Das treffe auf rund 70 Prozent der Fahrschülerinnen und -schüler zu.
Über die Reform der Fahrschulausbildung muss noch der Bundestag entscheiden. Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Änderungen Anfang kommenden Jahres in Kraft treten können.
Unsere Quellen:
- Nachrichten-Agentur dpa
- Statement des NRW-Verkehrsministeriums
- WDR-Interview mit Kurt Bartels, Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände
- WDR-Umfrage in Düsseldorf
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 20.05.2026, 18.45 Uhr
27 Kommentare
Kommentar 27: Anonym schreibt am 21.05.2026, 18:59 Uhr :
Mit den Eltern? Ich gebe zu bedenken, dass diese keine ausgebildeten Fahrlehrer sind und das eigene Auto nicht über doppelte Pedale auf der Beifahrerseite verfügt. Keine gute Idee!
Antwort von Autor von #26 , geschrieben am 21.05.2026, 21:23 Uhr :
"nicht über doppelte Pedale auf der Beifahrerseite" Siehe dazu meinen Kommentar #26
Kommentar 26: Anonym schreibt am 21.05.2026, 17:05 Uhr :
Der Einbau einer Doppelpedalanlage kostet 1500 bis 3000 €. Wenn die Anlage eine ABE oder einen Einzelabnahme hat und von einer Fachwerkstatt eingebaut wurde und noch ein paar Randbedingungen erfüllt sind, ist der private Gebrauch der Anlage rechtlich nicht verboten (Auskünfte von mistral.ai). Die Eltern täten gut daran, vorher ihren Kenntnisstand aufzufrischen und sich mit dem Blick aus der Fahrlehrerperspektive vertraut zu machen, um sicher unterweisen zu können. Ob das den Führerschein billiger macht sei dahingestellt.
Kommentar 25: Klasse B schreibt am 21.05.2026, 12:37 Uhr :
Wenn in Luxemburg der Führerschein im Schnitt 1.300€ kostet,wo dieses Land wirklich kein billiges Land ist, senkt man die Anforderungen in Deutschland,ob die Fahrschüler dadurch sicherer im Verkehr zurecht kommen,bleibt fraglich,Hauptsache die Kids kommen billiger an einen Führerschein,trotzdem ist die Angelegenheit zu Luxemburg preislich immer noch weit entfernt, die Änderungen sind nur eine Absenkung des Lernen und Fahren,ob dadurch eine bessere Qualität erreicht wird,bleibt abzuwarten.
Antwort von Driverin , geschrieben am 21.05.2026, 19:14 Uhr :
Es geht doch darum, dass die Preisgestaltungen vieler Fahrschulen immer mehr *durch die Decke gehen* (Lobbyisten), mit einer nicht transparenten Begründung; also im Preis-/Leistungsverhältnis (=Wildwuchs!) und viel zu viele Fragen machen Fahrschüler/-innen doch nur kirre! Dann noch die Bürokratie. D will doch eigentlich weg davon... 😉
Kommentar 24: Driverin schreibt am 21.05.2026, 09:22 Uhr :
Hallo, ich fahre seit 45 Jahren souverän und unfallfrei. Früher als Rallyefahrerin im Verein auch flott und reaktionserprobt unterwegs 😉 Aus rechtlichen, Haftungs- und Versicherungen halte ich das Eltern-Fahren im Stadtverkehr (Rushhour) für sehr bedenklich. Wer greift ein bei Gefahr? Personenschäden bei anderen? Ohne 2. Bremspedal oder in Krisensituationen? Nur digital ist fahrlässig, da eine App nicht alles kann! Ein paar Theoriestdn. in Fahrschule wichtig, zum besseren allg. Verständnis der Verkehrsregeln/-situationen. FAZIT: Ich sage nur: Alle Fahrschüler*innen ab auf den "Idiotenhügel" (sagte man früher) 😅 Heute Verkehrsübungsplatz. Mit den Eltern dort prima Idee. So kann die Theorie dann viel leichter verstanden werden. Ich war dort schon mit 16 mit meinem Bruder, der auch Motorräder fuhr und Rennen. Meine 1. Fahrstunde war super easy!😅 Also üben, üben,üben und ganz wichtig: Mit Führerschein dann weiter fahren,z.B.mit Eltern in den Urlaub?? GÜNSTIGER IST LÄNGST ÜBERFÄLLIG 👍
Kommentar 23: wolle schreibt am 21.05.2026, 06:13 Uhr :
Warum nicht, sagt ehemaliger Bundespolizist und ausgebildeter Fahrlehrer ohne Abschluss.. Durch viele eigene STVO Weiterbildungen bei der Deutschen Verkehrswacht und VHS (würden Sie Heute noch einmal den Führerschein bestehen) wäre ich vorne mit dabei um der Jugend etwas günstiger und schneller zum Führerschein zu verhelfen. LG und allzeit Gute Fahrt.
Kommentar 22: Basti schreibt am 20.05.2026, 22:52 Uhr :
Ich verstehe die Diskussion über einen zu teuren Führerschein nicht. Habe monatlich 20Euro für mein Kind zurückgelegt und damit war der Führerschein locker bezahlt und nach bestandener Prüfung sind wir davon auch noch Esssen gegangen! Wenn ich mir überlege was die Leute zum Beispiel fürs Rauchen ausgeben!!!!!!! Und dann wird an jeder Ecke gestreikt um einen höheren Verdienst!!!! Fahrlehrer Werkstätten haben da wohl kein Anrecht darauf ?????
Antwort von Driverin , geschrieben am 21.05.2026, 19:01 Uhr :
Äppel mit Birnen zu vergleichen ist auch eine Möglichkeit... 😅
Kommentar 21: Christian schreibt am 20.05.2026, 22:43 Uhr :
Ich war jahrzehnte als Fahrlehrer tätig. Fahrschüler von Laien ausbilden zu lassen die sich größtenteils selber nicht an die Vorschriften halten oder diese kennen, und das alles auch noch in privaten Fahrzeugen wo sie keine Möglichkeit haben effektiv einzugreifen, das ist lebensgefährlich für alle Beteiligten. 6 Fahrstunden in der Fahrschule, und dann ab auf die Autobahn mit den Laienausbildern. Welche unfähigen Experten können so etwas empfehlen? Diese sollten sich mal die Mühe machen in einem Fahrschulwagen mitzufahren. Da kann man nur hoffen, dass es möglichst wenige Verletzte und Tote geben wird und Eltern ihre Kinder so einem großen Risiko nicht aussetzen. Und übrigens, der Führerschein ist teuer? Für alles nach dem Führerschein ist genügend Geld vorhanden, nur für eine gute Ausbildung die ein Leben lang hält, dafür ist kein Geld da! Und es gibt durchaus Fahrschüler die sich anstrengen und gut mitarbeiten um schnell fertig zu werden. Dadurch lässt sich sehr viel Geld einsparen.
Antwort von Lisa , geschrieben am 21.05.2026, 14:48 Uhr :
Dann laden Sie bitte den unfähigen "Experten", Herrn Schnieder, ein. Vielleicht besitzt er anschließend die menschliche Größe, zuzugeben, daß sein Gesetzesvorhaben in die Tonne gehört. Wäre übrigens interessant, ob er heute noch theoretische und praktische Prüfung bestehen würde. Ach ja, braucht er ja nicht, er nutzt ja auf unsere Kosten den Dienstwagen.
Antwort von Antje , geschrieben am 21.05.2026, 15:35 Uhr :
Großartiges Feedback! Ich unterschreibe jeden Satz! Danke das Sie so klar und vernünftig sind.
Antwort von Friedhelm Josef Elbers , geschrieben am 21.05.2026, 20:20 Uhr :
Man einers verstehen, dass die Fahrerlaubnis ein teuere Errungenschaft darstellt. Wir Leben in einem modernen Zeitenalter und leisten und auch Kostspielig Fahrzeuge, ein Status Symbol Auto. Dann kommt das Geschrei um die Kosten für den Führerschein. Lainen haben bzw Eltern sind keine Verkehrspädagogen und sind selber in Unkenntnis über eine Verkehrssicheren Fahrweise.
Antwort von Driverin , geschrieben am 22.05.2026, 07:31 Uhr :
"Und es gibt durchaus Fahrschüler die sich anstrengen und gut mitarbeiten um schnell fertig zu werden. Dadurch lässt sich sehr viel Geld einsparen." Lach! Nicht Fahrschüler*innen sollten sparen müssen, um sich einen Führerschein leisten zu können sondern es müssen bessere Gesetze bzgl. dieser unrealistischen Führerscheinkosten her. Der Fisch stinkt hier am Kopf! 😉
Kommentar 20: Alex schreibt am 20.05.2026, 22:15 Uhr :
Ich verstehe die ganze Diskussion nicht, ich habe 1986 den PKW Führerschein gemacht und habe rund 900 DM bezahlt, dies waren damals ca. 3 Monatsgehälter als Auszubildender. Heute kostet der Führerschein im Schnitt ca. 3000 Euro, heute verdienen die Auszubildenen ca. 1000 Euro/Monat im Schnitt. Also ist das Verhältnis Einkommen zu Führerscheinkosten gleich geblieben und nicht teurer geworden. Zur Theorie Lernen per App, es ist jetzt schon für viele schwer sich durch die Lernapp zu quälen, oft dauert dieser Prozess Monate, wenn demnächst der Präsenzunterricht wegfällt, stehen die Schüler vor noch größeren Hürden und sind dabei auf sich selbst gestellt. Zur sogenannten Laienausbildung sei nur soviel gesagt, wenn ein Fahrschüler von z.B. den Eltern nicht richtig ausgebildet wird, dann muss der Fahrlehrer anschließend diese Fehler mit noch mehr Fahrstunden wieder ausbügeln, bevor eine Prüfungsreife erreicht wird, da wird nichts billiger, sondern eher teurer. Diese Reform ist großer Mist!
Antwort von Maximilian , geschrieben am 21.05.2026, 15:57 Uhr :
Das Verhältnis der Ausbildungsvergütung von damals und heute, das Sie erwähnen, stimmt. Ein Führerschein war damals genauso teuer wie heute. Man gab sich aber mehr Mühe. Heute gibt es Leute, die schon die praktische Herzdruckmassage im Erste-Hilfe-Kurs verweigern. Ich hatte noch etwas Geld übrig von meiner Kinder-Kommunion. Allerdings fuhr ich viel Fahrrad und es gab für mich kein Mofa. E-Scooter gab es auch noch nicht.
Antwort von Driverin , geschrieben am 21.05.2026, 19:00 Uhr :
Die Fahrlehrer-Lobby läuft ja schon Amok 😉
Kommentar 19: Lisa schreibt am 20.05.2026, 20:25 Uhr :
Warum soll es keine festen Vorgaben für Sonderfahrten mehr geben? Ich hätte mir gewünscht, die hätte es, als ich den Führerschein gemacht habe, schon gegeben! Mit dem Fahrlehrer war ich nicht ein Mal auf der Autobahn, dementsprechend unvorbereitet war ich bei meiner ersten Fahrt über die Autobahn als Fahranfängerin. Und warum will man an der theoretischen Ausbildung und Prüfung kürzen, wenn a) die Durchfallquote so hoch ist und b) man ständig beobachten kann, wie wenig viele Autofahrer die Verkehrsregeln kennen? Die wenigsten Autofahrer scheinen z.B. zu wissen, daß Linienbusse an Haltestellen grundsätzlich Vorfahrt haben. Ein Dank an due Reaktionsfähigkeit der Busfahrer, daß hier nicht mehr passiert !!!
Kommentar 18: Sven Korweslühr schreibt am 20.05.2026, 20:18 Uhr :
Ich höre, dass rund 70 % im ersten Anlauf die Prüfung bestehen. Diese Zahl widerspricht allen bisher von mir gelesenen Berichten, in den von ca der Hälfte Durchfaller gesprochen wird. Wäre schön, mal belastbare Zahlen zu bekommen, um sich ein fundiertes Urteil bilden zu können.
Antwort von Driverin , geschrieben am 21.05.2026, 19:18 Uhr :
Es kommt halt auf die richtigen Quellen beim Lesen an 😁
Kommentar 17: Axel schreibt am 20.05.2026, 19:23 Uhr :
In Frankreich gibt es das Eltern-Fahren auch. Da fährt fast jeder schlecht.
Antwort von Driverin , geschrieben am 21.05.2026, 19:21 Uhr :
😂