Günstiger Führerschein? Fahrschulen in NRW spüren Anmelderückgang
Lokalzeit Südwestfalen. 21.01.2026. 01:33 Min.. Verfügbar bis 21.01.2028. WDR. Von Maik Haubrich.
Seit 13 Jahren ist Sven Laven selbstständig mit seiner Fahrschule in Attendorn und Olpe. Doch so einen Rückgang bei den Anmeldungen zum Führerschein wie jetzt hat er seit Corona nicht mehr erlebt.
"November und Dezember gab es weniger Anmeldungen. Etwa 40 bis 60 Prozent. Die Anmeldezahlen sind also insgesamt zurückgegangen", sagt Laven.
Fahrlehrer Sven Laven in seiner Fahrschule in Attendorn
Auch wenn der Januar langsam wieder besser anlaufe: Zwischen Weihnachten und Neujahr musste seine Fahrschule Pause machen, weil nicht genug Schüler da waren.
Kosten in den Vorjahren stark gestiegen
Laut Bundesverkehrsministerium kostet ein Führerschein in Deutschland momentan durchschnittlich 3.400 Euro. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
Seit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im Oktober letzten Jahres angekündigt hat, die Vorgaben für den Führerschein so anzupassen, dass dieser wieder günstiger wird, geht es vielen Fahrschulen wie Lavern. Seit November melden sich in NRW laut der Interessensvertretung von Fahrschulen Moving nicht mal mehr halb so viele Menschen neu zum Führerschein an wie vorher.
"Schnieder bringt einen ganzen Beruf in Schieflage" Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Nordrhein
Vorschlag vorschnell und nicht ganz durchdacht
Sven Laven in Attendorn ist von der Politik enttäuscht: "Herr Schnieder hat da einen Vorschlag gemacht, den er nicht ganz durchdacht hat", meint er. Vor allem der Zeitrahmen für die Umsetzung der Vorschläge sei unklar.
Für die Fahrschulen ist das eine Katastrophe. Die Fahrschulverbände Nordrhein und Westfalen berichten davon, dass einige Fahrschulen schon über Kurzarbeit nachdenken. Im Ruhrgebiet kommt es laut WDR-Informationen schon vereinzelt zu Kündigungen.
Die Fahrlehrer-Verbände in NRW gehen nicht davon aus, dass dieses Jahr noch eine Reform der Regeln für die Fahrausbildung in Deutschland umsetzbar ist und rechnen damit, dass Fahrschulen noch mindestens ein Jahr lang in diesem Schwebezustand verharren werden. "Schnieder bringt einen ganzen Beruf in Schieflage", sagt Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Nordrhein.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Fahrlehrer Sven Laven
- Gespräch mit Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein
- Gespräch mit Raphael Morsmann, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Westfalen
- Gespräche mit Fahrlehrern im Ruhrgebiet
- Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums vom 16.10.2025
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Lokalzeit Südwestfalen, 21.01.2026, 19.30 Uhr