A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
Der Komponist Gustav Mahler.

Werkeinführung: Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 7 e-Moll

Von Otto Hagedorn

Oberhalb des Wörthersees, mitten im Wald, lässt Gustav Mahler sich im Jahr 1900 ein kleines Häuschen bauen. Umgeben von der Natur, abgekoppelt von aller Hektik als Dirigent, ist es für ihn die ideale Voraussetzung zum Komponieren. Hier, in Maiernigg, vollendet er seine vierte Sinfonie, schreibt in den Jahren darauf seine Fünfte und Sechste. Und auch im Sommer 1905 zieht er sich wieder in diese Idylle zurück – um, wie er später an seine Frau Alma schreiben wird, "die 7te (deren beide Andantes da lagen) fertig zu machen". Doch die erhoffte Inspiration bleibt aus: "2 Wochen quälte ich mich bis zum Trübsinn […] – bis ich ausriß in die Dolomiten! Dort derselbe Tanz, und endlich gab ich es auf, und fuhr nach Haus […]. In Krumpendorf […] stieg [ich] in das Boot, um mich hinüberfahren zu lassen. Beim ersten Ruderschlag fiel mir das Thema (oder mehr der Rhythmus und die Art) der Einleitung zum 1. Satz ein – und in 4 Wochen war 1., 3. u. 5. Satz fix und fertig!"

Mahlers Siebte gilt als diejenige seiner Sinfonien, die ohne außermusikalische Bezüge am stärksten für sich steht. Zu seinen frühen Sinfonien hatte der Komponist zunächst konkrete Programme formuliert. Zunehmend hielt er sich mit solchen Hinweisen zurück. Seine Intention: Die Musik selbst sollte im Mittelpunkt stehen. Und doch macht Mahler bei der Siebten Andeutungen, welche Ideen in das Werk eingeflossen sind. Da sind etwa die beiden von ihm als "Andantes" erwähnten Sätze. Deren zweiter ist tatsächlich ein "Andante amoroso", der erste beginnt dagegen im "Allegro moderato". Beide tragen die Überschrift "Nachtmusik". Hier machen sich Mahlers Leseerfahrungen mit der Fantastik von Jean Paul bemerkbar. Diese nächtliche Stimmung ergänzt der Komponist durch das gespenstische, "Schattenhaft " überschriebene Scherzo. Der Kopfsatz ist eine seiner großangelegten Konzeptionen, die "per aspera ad astra" führen: vom Schatten zum Licht. Das Finale schließlich gleißt regelrecht vor Freude – so überschwänglich, dass die Stimmung mitunter in beißenden Sarkasmus umzuschlagen scheint.

WDR 3 Werkbetrachtung: Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7

WDR 3 TonArt 25.02.2017 14:42 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3