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Portrait des Komponisten Georg Friedrich Händel

Werkeinführung: Händel - Orgelkonzert F-Dur op. 4 Nr. 4 HWV 292

Von Otto Hagedorn

Georg Friedrich Händel war ein weltgewandter Kosmopolit. Geboren und aufgewachsen in Halle an der Saale, ging er als nicht einmal 20-Jähriger nach Hamburg, begab sich wenig später für vier Jahre auf Studienreise nach Italien, hatte 1709 in Venedig einen Sensationserfolg mit seiner Oper "Agrippina" und landete zwei Jahre später einen ähnlichen Coup mit "Rinaldo" in London. Damit war seine Zukunft besiegelt: Er lebte fortan in der Hauptstadt Englands und galt dort vor allem in den 1720er Jahren als führender Opernkomponist.

Als nach gut zehn Jahren sein Stern zu sinken begann, erfand sich Händel neu – als Meister des Oratoriums. Anfangs war es eher Zufall, denn ohne seine Zustimmung wurden 1732 zwei Werke von ihm mit großem Erfolg aufgeführt. Dann aber kniete er sich tief in diese Gattung hinein, versah sie mit besonderem Schliff und mit überraschenden Neuerungen. Eine seiner innovativen Ideen präsentierte er erstmals 1735 bei einer Aufführung des Oratoriums "Esther": Zur musikalischen Abwechslung bot er dem Publikum Zwischenaktmusiken. Und zwar nicht etwa reine Orchesterstücke, sondern zwei Orgelkonzerte – sehr wahrscheinlich aus derselben Sammlung op. 4, aus der im heutigen Konzert die Nr. 4 erklingt. Das kam damals blendend an, die Zeitungskritiker überschlugen sich in ihrer Begeisterung. Händel selbst war der Solist, und er verstand es, sein Publikum zu fesseln. Großen Anteil daran hatte seine Praxis, vor dem eigentlichen Beginn des Konzerts ein Orgelsolo zu bieten. Wie sich ein Zeitgenosse erinnert, begann er "meist mit einer Orgelimprovisation in Prinzipalregistrierung, die sich mit getragenen feierlichen Fortschreitungen ins Ohr schmiegte". Auch in den Solopassagen des Konzerts selbst spielte er keinen fix notierten Part, wie der Musikhistoriker Charles Burney mitteilt: Händel musizierte, "indem er den Begleitern nur das Gerüst oder die Ritornelle eines jeden Satzes gab, alle Solostellen ex tempore", also improvisiert hinzufügte. Und so sind auch bei heutigen Aufführungen je nach Solistin oder Solist leicht unterschiedliche Versionen zu hören.