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Anton Bruckner

Werkeinführung: Anton Bruckner - Sinfonie Nr. 7 E-Dur

Von Otto Hagedorn

Am 8. Dezember 1881 spaziert Anton Bruckner durch Wien, heim zu seiner Wohnung. Sein Weg führt vorbei an der Votivkirche zum Eckhaus Schottenring/Heßgasse, das direkt an das Ringtheater grenzt. Plötzlich schreckt der Komponist aus seinen Gedanken auf: Das Theater steht lichterloh in Flammen. Bruckner hat nur einen Gedanken – das Manuskript seiner siebten Sinfonie, an der er gerade arbeitet, zu retten. Er eilt in die Wohnung, rafft alles zusammen und bringt die Blätter im Freien in Sicherheit. Vom Anblick des Infernos, das 386 Menschen das Leben kostet, behält Bruckner ein Trauma zurück, durch das ihn jegliches Feuer fortan in Panik versetzt.

Die Komposition der Siebten, an der er bis dahin gut zwei Monate gearbeitet hat, kann er erst nach einiger Zeit wieder aufnehmen. Zwei Jahre später, im September 1883, stellt Bruckner das Werk fertig. In der Zwischenzeit hat ihn ein weiteres Ereignis schwer getroffen: der Tod Richard Wagners Anfang desselben Jahres. Seiner unterwürfigen Verehrung des großen Vorbilds – dem er seine Dritte gewidmet hat – gibt Bruckner Raum im langsamen zweiten Satz. Wie er sich später erinnert, ist er noch zu Wagners Lebzeiten einmal "sehr traurig" geworden, als er dachte: "lange kann der Meister unmöglich mehr leben, da fiel mir das cis-Moll-Adagio ein". Die Coda dieses Satzes verstand Bruckner schließlich als "Requiem für Wagner". Und im zweiten und vierten Satz verwendet er im Orchester Wagnertuben, die der Bayreuther Meister eigens für seinen "Ring des Nibelungen" hat bauen lassen.

Die Siebte gilt allgemein als diejenige von Bruckners neun Sinfonien, mit der ihm sein Durchbruch als anerkannter Komponist gelang. Er scheint auch selbst mit ihr zufrieden gewesen zu sein, denn er beließ sie bei ihrer Urfassung – anders als die meisten seiner anderen Sinfonien, die er teils gravierend umarbeitete. Bis heute ist die Siebte die meistaufgeführte Bruckner-Sinfonie geblieben.