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Johannes Brahms - Konzert D-Dur für Violine und Orchester op. 77

WDR Sinfonieorchester Video 15.02.2020 41:06 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Johannes Brahms - Violinkonzert D-Dur op. 77

Von Otto Hagedorn

Der Komponist Johannes Brahms sitzt in seiner Bibliothek

Während die meisten Berufstätigen einen Urlaub als langersehnte Zeit der Entspannung genießen, haben viele Komponist:innen die "Sommerfrische" erst recht zu intensiver Arbeit genutzt. Meist ist es die Muße in der Natur, die die kreativen Kräfte freisetzt. So auch bei Johannes Brahms, als er 1878 in Pörtschach am Wörthersee Logis bezieht. Schon seit längerer Zeit hat er geplant, für seinen Freund, den Geiger Joseph Joachim, ein Violinkonzert zu schreiben. In der ländlichen Idylle schreitet die Arbeit gut voran, sodass der Komponist Ende August für Joachim ein Päckchen mit der Solostimme des ersten und des Anfangs vom letzten Satz schnüren kann. Brahms ist ausgebildeter Pianist, mit den Feinheiten der Violine kennt er sich nicht aus dem Effeff aus. Und so notiert er in seinem Begleitbrief an den Geiger: "Ich bin zufrieden, wenn Du ein Wort sagst, und vielleicht einige hineinschreibst: schwer, unbequem, unmöglich usw. Die ganze Geschichte hat vier Sätze, vom letzten schrieb ich den Anfang, damit mir gleich die ungeschickten Figuren verboten werden!" Joachims prompte Antwort erweist sich als hilfreich: "Es ist eine große echte Freude für mich, daß Du ein Violinkonzert (in vier Sätzen sogar!) aufschreibst. Ich habe sofort durchgesehen, was Du schicktest, und Du findest hie und da eine Note und Bemerkung zur Änderung."

Zusätzlich zu den beiden üblichen Rahmensätzen – also Kopfsatz und Finale – hat Brahms ein Adagio und ein Scherzo geplant. Er hat also nichts anderes vor, als die Form der Sinfonie auf das Violinkonzert zu übertragen. Doch die Arbeit an den beiden Mittelsätzen will nicht recht in Schwung kommen. In der Zwischenzeit ist allerdings schon ein Termin für die Uraufführung festgesetzt worden: das Neujahrskonzert des Leipziger Gewandhausorchesters. Also verwirft Brahms die Idee mit den vier Sätzen, und nur etwa zwei Wochen vor der Premiere komponiert er mit dem Adagio einen vollkommen neuen Satz. Bis zum 1. Januar 1879 bleibt Joachim daher nicht mehr viel Zeit, sich vorzubereiten. Und so kämpft er sich mehr durch den Solopart als ihn souverän zu beherrschen. Ein weiterer allzu menschlicher Fallstrick begleitet die Aufführung: Brahms, der selbst dirigiert, hat vor dem Auftritt vergessen, seine Hosenträgerfestzuknöpfen. Ihm rutscht das Hemd aus der Hose, die ständig droht, gen Boden zu gleiten. Das Publikum aber schenkt dem nicht weiter Beachtung – und ist begeistert vom neuen Violinkonzert.

WDR 3 Werkbetrachtung: Brahms' Violinkonzert

WDR 3 TonArt 27.02.2016 17:54 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3