Nach Attacke in Hamburg: Der Wolf in meiner Stadt
Aktuelle Stunde . 31.03.2026. 32:03 Min.. UT. Verfügbar bis 31.03.2028. WDR.
Wölfe in Städten: Wie gefährlich sie sind und wie man sich verhalten sollte
Stand:
Ein Wolf hat eine Frau in Hamburg angegriffen. Auch in NRW verirren sich immer wieder Wölfe in Städte. Wie soll man sich verhalten? Im Interview erklärt der Wolfsexperte Wolfgang Kwasnitza vom Naturschutzbund (NABU) NRW, warum er denkt, dass der Wolf in Hamburg sehr gestresst war.
In Hamburg-Altona ist am Montagabend in einer belebten Einkaufsstraße eine Frau mutmaßlich von einem Wolf gebissen worden. Damit wurde in Deutschland nach Behördenangaben erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen, seit sich dieser wieder in Deutschland ausgebreitet hat. Wie verhält man sich im Fall der Fälle? Fragen an Wolfgang Kwasnitza, Sprecher des Landesfachausschusses Wolf NABU NRW.
WDR: Herr Kwasnitza, warum tauchen Wölfe überhaupt in Städten wie jetzt in Hamburg, aber auch kürzlich in Leverkusen, Bonn und anderen Städten in NRW auf?
Wolfgang Kwasnitza
Wolfgang Kwasnitza: Das ist zunächst einmal ein ganz normales Verhalten. Im Frühjahr werden junge Wölfe geschlechtsreif und verlassen ihr Rudel. Sie sind dann auf Wanderschaft, um ein eigenes Revier oder einen Partner zu finden, und legen dabei bis zu 70 oder 80 Kilometer am Tag zurück. Dabei nutzen sie oft Straßen und Wege, weil das für sie einfacher ist – und so kann es auch passieren, dass sie in Ortschaften oder sogar Innenstädte geraten.
WDR: Der Angriff auf eine Frau – ist das ebenfalls normales Verhalten?
Kwasnitza: Nein, das ist äußerst ungewöhnlich und nach meinem Wissen ein Einzelfall in Deutschland. Der Wolf stand vermutlich unter großem Stress. Wenn ein Tier seit Tagen in der Stadt unterwegs war, ständig auf Menschen trifft und vielleicht in die Enge gerät, kann es zu solchen Reaktionen kommen. Wichtig ist: Das war kein typisches Jagdverhalten, sondern sehr wahrscheinlich eine Ausnahmesituation.
"Laut Medienberichten hat die Frau ja versucht, den Wolf aus einer Einkaufspassage raus zu locken - das sollte man nicht tun." Wolfgang Kwasnitza, Wolfsexperte
WDR: Wie sollten sich Menschen denn verhalten, wenn sie einem Wolf begegnen?
Kwasnitza: Ruhe bewahren, nicht wegrennen und dem Tier die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen. Man kann sich bemerkbar machen, zum Beispiel durch Rufen oder Klatschen. Wichtig ist, Abstand zu halten und den Wolf nicht anzulocken oder ihm zu nahe zu kommen. Hunde sollten immer angeleint bleiben.
WDR: Nehmen solche Begegnungen insgesamt zu?
Kwasnitza: Es gibt inzwischen mehr Wölfe in Deutschland, deshalb sehen wir auch häufiger Tiere auf Wanderschaft – auch in Siedlungsnähe. Das sind meist junge, unerfahrene Tiere. Deshalb ist es wichtig, sie nicht durch Abfälle oder falsches Verhalten zusätzlich in Städte zu locken.
WDR: Ist der Wolf in Deutschland eher ein Risiko?
Kwasnitza: Ich sehe ihn nicht als Risiko, sondern als Teil unserer Natur. Der Wolf war lange verschwunden und kehrt jetzt zurück. Wichtig ist ein sachlicher Umgang – und dass wir lernen, richtig mit solchen Situationen umzugehen.
Das Interview führte Lena Sterz.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Wolfgang Kwasnitza
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 31.03.2026, 18:45 Uhr