Neues Jagdgesetz: Wolf zum Abschuss frei
Aktuelle Stunde . 05.03.2026. 23:02 Min.. UT. Verfügbar bis 05.03.2028. WDR. Von Meike Hendriksen.
Wölfe könnten bald auch in NRW gejagt werden - das sagt ein Jäger dazu
Stand:
In Deutschland könnten Wölfe bald öfter abgeschossen werden - das hat der Bundestag entschieden. Was ein Jäger aus NRW dazu sagt.
Bislang war der Wolf als Tierart streng geschützt, künftig kann er unter strengen Auflagen aber gejagt werden. Dafür hat der Bundestag am Donnerstag den Weg freigemacht. Das heißt aber nicht, dass der Wolf schon in Kürze gejagt werden kann. Denn nach dem Bundestag muss auch noch der Bundesrat dem Vorhaben zustimmen.
Und die Bundesländer haben auch über die Abstimmung im Bundesrat hinaus ein Wörtchen mitzureden, da sie die Regeln in ihrem jeweiligen Landesrecht verankern müssen. Das kann dauern, wie der Jäger Andreas Schneider vom Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen dem WDR sagt.
- Was spricht dafür, Wölfe zukünftig zu jagen?
- Wie viele Risse durch Wölfe gab es in den letzten Jahren in NRW?
- Wo gibt es in NRW überall Wölfe?
- Haben Wölfe dieses Jahr schon Schafe und andere Nutztiere gerissen?
- Was konkret wird das Jagdrecht vorsehen?
- Wie genau soll die Jagd auf Wölfe ablaufen?
- Was sollte man tun, wenn man einen Wolf sieht?
- Was sagen Tierschützer?
Was spricht dafür, Wölfe zukünftig zu jagen?
Die Zahl der Wölfe in Europa hat sich binnen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Im Jahr 2023 sollen es 20.300 Tiere gewesen sein. Allein in Deutschland wurden zuletzt nach Behördenangaben mehr als 1.600 Wölfe gezählt. Während Tierschützer diese Entwicklung begrüßen, sorgen sich Weidetierhalter um die Sicherheit ihrer Schafe, Ziegen und Kälber. Denn es kommt immer wieder dazu, dass Wölfe solche Nutztiere reißen und damit Schäden verursachen.
Ein weiterer Aspekt: "Deiche zum Hochwasserschutz können durch Wölfe mittelbar gefährdet werden", sagte Schneider. Denn die Schafhaltung, die zur Pflege und Instandhaltung der Deiche nötig ist, sei bei häufigen Wolf-Rissen nicht mehr möglich. Auch in den Alpen führten Wölfe zu Problemen in der Almbewirtschaftung. Und nicht zuletzt: "Durch Problemwölfe können auch Menschen direkt gefährdet werden", so Schneider.
Wie viele Risse durch Wölfe gab es in den letzten Jahren in NRW?
Inzwischen ist ganz NRW als Wolfsgebiet ausgewiesen - als Reaktion auf die wachsende Zahl von Wolfsnachweisen. Allein im Jahr 2025 hat es in NRW zig Wolfssichtungen gegeben.
Im vergangenen Jahr hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) bislang 75 Nutztierrisse bestätigt - die Zahlen sind noch nicht endgültig.
Die Zahl der gemeldeten Nutztierrisse ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Das könnte vor allem daran liegen, dass Wölfin Gloria in Schermbeck verschwunden ist.
Wo gibt es in NRW überall Wölfe?
Derzeit sind laut Naturschutzbund (NABU) schätzungsweise bis zu 30 Wölfe in NRW unterwegs. Das Rudel von Wölfin Gloria in Schermbeck am Niederrhein war eines der ersten festen Wolfsrudel im Land. Es gilt nach Angaben eines LANUK-Sprechers inzwischen aber als verschollen. Von diesem Rudel sei eine "Vielzahl an Rissvorfällen vor allem an Schafen" ausgegangen, so der Sprecher.
Wölfe suchten sich ihre Territorien allerdings nicht aufgrund von Schaf- oder Ziegenvorkommen, sondern wegen des dort lebenden Wilds.
Aktuell befinden sich laut LANUK Wölfe in NRW
- in der Eifel
- an der Grenze zu Rheinland-Pfalz im Oberbergischen
- im Ebbegebirge im Märkischen Kreis und im Kreis Olpe im Sauerland
Haben Wölfe dieses Jahr schon Schafe und andere Nutztiere gerissen?
Das ist bislang unklar. Seit Jahresbeginn hat es in NRW mehrere Verdachtsfälle gegeben, dass Wölfe Schafe gerissen haben könnten. Hinweise darauf werden geprüft. Manche Fälle stellten sich als Falschmeldungen heraus. Über gemeldete mögliche Angriffe von Wölfen auf Nutztiere könnt ihr euch hier informieren.
Was konkret wird das Jagdrecht vorsehen?
Andreas Schneider
"Zunächst wird der Wolf nur in das Jagdrecht überführt", sagt Schneider. "Jagdbare Art", wie der rechtliche Terminus lautet, bedeute keineswegs, dass die jeweilige Art dann unmittelbar gejagt werden darf. "Eine maßvolle Bejagung des Wolfes ist aber durchaus das Ziel", so Schneider.
Nach dem Bundestagsbeschluss sollen die Bundesländer die Jagd in jenen Regionen erlauben dürfen, wo sich der Wolf in einem günstigen "Erhaltungszustand" befindet. Also in Gebieten, wo es gute Chancen auf einen langfristigen Fortbestand gibt. Als Jagdzeit ist dann der Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Oktober vorgesehen. Wenn ein Wolf Weidetiere getötet oder verletzt hat, soll er auch unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden dürfen.
Wie genau soll die Jagd auf Wölfe ablaufen?
Vorgesehen ist laut Schneider ein Zweisäulenmodell. Einerseits sollen Jungwölfe in der Zeit von Juli bis Oktober erlegt werden können. "Ziel ist es, auf diese Weise rund 40 Prozent des jährlichen Zuwachses abzuschöpfen", so Schneider. Darüber hinaus soll es die Möglichkeit geben, zur Schadensabwehr sogenannte Problemwölfe zu jagen. Wenn nach dem Bundestag auch der Bundesrat dem Gesetz zustimmt, müssen die Bundesländer sogenannte Managementpläne für die Jagd auf Wölfe erstellen.
Was sollte man tun, wenn man einen Wolf sieht?
Wölfe bemerken den Menschen meist zuerst und zeigen sich deshalb dann erst gar nicht. Das ist ein Grund, warum Begegnungen zwischen Mensch und Wolf sehr selten sind, so das LANUK. Wahrscheinlicher sei eine zufällige Beobachtung vom Auto aus, denn dann erkennt das Tier den Menschen darin meist nicht. Wer dennoch einem Wolf gegenübersteht, sollte sich ruhig verhalten und Abstand halten. Man sollte langsam rückwärts laufen und dabei laut sprechen, in die Hände klatschen oder anderweitig Lärm machen.
In NRW können Wolfssichtungen oder Hinweise auf die Tiere - am besten mit Fotos oder Handy-Videos - beim Landesumweltamt unter der Telefonnummer 02361/305-0 gemeldet werden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende in der Nachrichtenbereitschaftszentrale unter der Telefonnummer 0201/714488. Das Landesumweltamt führt auch eine Liste zu Wolfnachweisen in NRW.
Was sagen Tierschützer?
BUND, WWF und Tierschutzbund kritisieren das vom Bundestag verabschiedete Gesetz. Der Landesverband NRW des BUND argumentiert, das Gesetz stelle keinen Beitrag zu einem verantwortungsvollen Wolfsmanagement dar, sondern gefährde den Fortbestand der streng geschützten Art. Tierschützer fordern stattdessen einen besseren Herdenschutz durch Elektrozäune, Herdenhunde und Schulungen für die Halter von Nutztieren.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Andreas Schneider vom Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen
- Auskunft vom Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima (LANUK)
- Nachrichtenagentur dpa
- Webseite vom BUND NRW: BUND NRW warnt vor Ausrottung des Wolfs
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 05.03.2026, 18:45 Uhr