Es ist der dritte Tag in Folge, an dem der Deutsche Wetterdienst (DWD) für große Teile Nordrhein-Westfalens vor extremer Hitze warnt. Nachdem am Dienstag schon Temperaturen von fast 38 Grad gemessen wurden, wurde es am Mittwoch noch heißer. 39 Grad wurden in Duisburg Hochfeld gemessen - so heiß war es in diesem Jahr bisher nicht im Land.
Heiße Tage, Tropennächte und Hitzewellen
Mit diesen extremen Temperaturen, markierten die vergangenen Tage die erste Hitzewelle des Jahres. Von einer Hitzewelle spricht man in der Wetter- und Klimaforschung sobald mindestens drei sogenannte heiße Tage aufeinander folgen, also Tage, an denen die Temperatur mindestens 30 Grad erreicht.
"Wenn man es genau nimmt, waren die vergangenen Tage allerdings noch keine NRW-weite Hitzewelle", sagt der Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn, stellvertretender Leiter des regionalen Klimabüros Essen des DWD. "Denn nicht an allen Tagen überschritten die Temperaturen in ganz NRW die 30 Grad Marke."
25 Grad in der Nacht
Trotzdem bezeichnet Kesseler-Lauterkorn die vergangenen Tage als einen "markanten Hitzeeinschub", vor allem mit Blick auf die Nacht auf Mittwoch. Denn die erste tropische Nacht das Jahres - so werden Nächte genannt, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt - hatte es in sich. "An unserer Wetterstation in Essen-Bredeney wurden als Tiefstwert 25 Grad gemessen", sagt der Meteorologe. Das sei ein Rekord.
Kennwerte wie Tropennächte, heiße Tage und Sommertage - an ihnen beträgt die Temperatur mindestens 25 Grad - werden in der Klimaforschung als hitzebedingte Kenntage bezeichnet. Diese werden bereits seit mehreren Jahrzehnten erfasst und ermöglichen damit den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, Zeitabschnitte miteinander zu vergleichen.
Hitzebedingte Kenntage nehmen zu
So steht bereits jetzt fest, dass die Zahl der Sommertage und der heißen Tage seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auch in NRW extrem zugenommen hat. Waren es zwischen 1891 und 1920 noch im Schnitt 24 Sommertage pro Jahr, lag ihre Zahl zwischen 1991 und 2020 mit 36 Tagen pro Jahr um 50 Prozent höher. Die Zahl der heißen Tage hat sich demnach sogar von vier auf acht verdoppelt.
Bei diesen Werten handelt es sich um Durchschnittswerte. Das heißt, es gibt Jahre, in denen wird dieser Mittelwert unterschritten, in anderen überschritten. Dadurch, dass der Durchschnittswert aber steigt, wird deutlich, dass die Jahre mit vielen Sommertagen und heißen Tagen mehr werden.
Vor allem am Rhein wird es künftig häufiger heiß
Laut Kesseler-Lauterkorn sieht man das auch aktuell. Laut der vorläufigen Daten des DWD wurden bis einschließlich 1. Juli bereits 14 bis 24 Sommertage und zwischen drei und acht heiße Tage in NRW gemessen. "Das ist gut die Hälfte des langjährigen Mittels für NRW", sagt Kesseler-Lauterkorn. "Und wir haben erst Anfang Juli, der Großteil der warmen Jahreszeit liegt also noch vor uns."
Die meisten dieser Sommer- und heißen Tage wurden entlang des Rheins gemessen. Und genau dort gehen die Klimaforscher davon aus, dass es durch den Klimawandel auch in Zukunft häufiger heiß wird. In welchem Maß, hängt stark davon ab, inwieweit die Menschen es schaffen, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu reduzieren.
Durchschnittstemperatur in NRW wird weiter steigen
Laut einem Fachbericht zu Klimaentwicklung und Klimaprojektionen des NRW-Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) könnte die Lufttemperatur selbst bei Einhaltung der Klimaziele schon ab 2031 im Jahresdurchschnitt auf bis zu 10,8 Grad Celsius steigen. Zum Vergleich: Zwischen 1991 und 2020 lag sie bei 10 Grad, im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990 bei 9 Grad.
Die gute Nachricht ist, dass im Fall eines strengen Klimaschutzes sich die Temperatur nach 2071 nicht mehr erhöhen würde. Sollten die Klimaziele jedoch nicht eingehalten werden, könnte die jährliche Durchschnittstemperatur in NRW ab 2031 im schlimmsten Fall auf bis zu 11,4 Grad ansteigen, nach 2071 sogar auf 13,7.
Zahl der Hitzetage wird mehr
Dieser Anstieg der Durchschnittstemperatur würde einhergehen mit einer Zunahme der Sommertage und heißen Tage. Selbst bei einer drastischen Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstoßes, nach der es aktuell nicht aussieht, könnte es ab 2031 im Schnitt elf statt acht heiße Tage im Jahr geben. Im schlimmsten Fall, also beim klaren Verfehlen der Klimaziele, könnten ihre Zahl auf bis zu 14 ansteigen.
Für die Zeit nach 2071 gelten auch hier die gleichen Regeln wie für die Durchschnittstemperatur. Werden die Klimaziele eingehalten, steigt die Zahl der jährlichen Hitzetage im Mittel wenn überhaupt nur gering. Wird nichts für den Klimaschutz getan, könnte sich die Zahl der heißen Tage pro Jahr noch einmal verdoppeln - von 14 auf 28.
In Zukunft mehr Hitzewellen
Steigt die Zahl der heißen Tage, kann es natürlich auch vermehrt zu Hitzewellen kommen. "Bereits im Beobachtungszeitraum hat sich das Auftreten von Hitzewellen von alle zehn Jahre (1951–1980) auf alle drei Jahre (1991–2020) erhöht", heißt es dazu im Fachbericht des LANUK. Demnach wird es ab 2031 im Schnitt sogar eine Hitzwelle pro Jahr geben, selbst wenn die Menschheit es schaffen würde, in den kommenden Jahren den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen drastisch zu reduzieren.
Und nicht nur das. Auch die Dauer der Hitzwellen könnte sich verlängern. Dauerten sie im Beobachtungszeitraum seit 1951 meist drei bis vier Tage könnte der Durchschnittswert künftig bei bis zu fünf Tagen liegen. Und auch hier handelt es sich um Mittelwerte, die in manchen Jahren unter-, in anderen überschritten werden. Das drastischste Beispiel dafür ist der Sommer 2003, als in NRW an acht aufeinanderfolgenden Tagen mehr als 30 Grad gemessen wurden.
Aber auch die gemessenen Höchstwerte könnten weiter steigen. "Auf den Tag genau vor zehn Jahren wurden in NRW schon einmal 38,7 Grad gemessen", sagt Kesseler-Lauterkorn. Bis Mittwoch war das der Temperaturrekord für die erste Juli-Dekade, also für die Zeit zwischen dem 1. und 10 Juli. Dieser wurde aber am 2. Juli 2025 eingestellt.
Wie der Klimawandel und der damit verbundene Temperaturanstieg das Leben in NRW beeinflussen und verändern wird, lest ihr hier:
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Meteorologen Thomas Kesseler-Lauterkorn, stellvertretender Leiter des regionalen Klimabüros Essen des DWD
- Fachbericht 157 des LANUK (ehemals LANUV): Klimaentwicklung und Klimaprojektionen in Nordrhein-Westfalen
- Nachrichtenagentur dpa
- WDR-Wetterredaktion
Über dieses Thema berichten wir im WDR am 02.07.2025 auch im Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18:45 Uhr.
