Verrücktes Wetter oder Klimawandel? | WDR Aktuell
02:27 Min.. Verfügbar bis 03.07.2027.
Am Dienstag fast 38 Grad, am Mittwoch noch eine Spur heißer: 39,1 Grad wurden in Neuss erreicht - damit war es der bisher heißeste Tag des Jahres in NRW. Und am Abend kam mit den Unwettern der Temperatursturz, der teilweise mehr als 15 Grad ausmachte.
Plötzlich 15 Grad kälter
"Mit der Kaltfront kommt kühlere Luft zu uns: Nach den bis zu 39 Grad vor der Front kühlt es sich dahinter am Abend ab - auf Werte von 20 bis 25 Grad", hatte WDR-Meteorologe Jürgen Vogt prognostiziert.
Drastischer Temperatursturz - es geht noch viel krasser
"So ein Temperatursturz ist riesig", sagt Vogt. Rekordverdächtig sei das allerdings nicht. Temperaturstürze können noch drastischer sein. Den größten in Deutschland gemessenen Temperatursturz habe es in Jena in Thüringen gegeben, sagt Vogt. Dort sei die Temperatur um knapp 27 Grad zurückgegangen. Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zu einem Fall aus den USA: "In Browning im US-Bundesstaat Montana waren es sogar 56 Grad Celsius", sagt Vogt.
Wie normal sind solche Wetterwechsel?
Wie häufig kommt so ein drastischer Wetterwechsel vor? WDR-Meteorologe Jürgen Vogt sagt: "In NRW erleben wir im Schnitt alle ein bis zwei Jahre mal einen Temperatursturz von mehr als 10 Grad. In Teilen Bayerns und Baden-Württembergs kommt das häufiger vor - hier ist es im Schnitt zweimal im Jahr."
Wechselhaftes Wetter = typisch deutsch
Deutschland zeichne sich nach wie vor durch ein gemäßigtes Klima aus - mit einem ziemlich verlässlich-regelmäßigen Wechsel von Sonne und Regen, moderater Wärme und moderater Kühle. Dabei sei es normal, dass es Wetterwechsel gibt, sagt Vogt.
Auch früher sei es vorgekommen, dass uns heiße Luft aus Nordafrika erreichte – aber sehr selten.
"Extreme Hitze bildet in einem solchen gemäßigten Klima die Ausnahme. Das war in der Vergangenheit so – ändert sich aber gerade durch den Klimawandel." WDR-Meteorologe Jürgen Vogt
Hitze kommt immer öfter ungebremst zu uns
Dazu käme, dass auch in Nordafrika und vor allem im Süden Europas die Temperaturen immer weiter hochgehen. Das bedeutet: "Die Hitze, die früher im Südwesten Europas schon etwas abgemildert wurde, kommt jetzt ungebremst bei uns an", erklärt Vogt.
NRW nimmt übrigens laut Vogt in Sachen Hitze eine Spitzenposition in Deutschland ein. "Die Top 6 der höchsten jemals gemessenen Temperaturen kommen aus NRW – erst auf Platz 7 folgt Trier als wärmster Nicht-NRW-Ort."
"Südlich der Alpen bleibt's meist sonnig"
Wer Hitze mag und es dauerhaft heiß haben will, fährt vielleicht in den Sommerferien in den Süden. Mittelmeerurlaub wurde in den 1960er Jahren erfunden, "weil man den Sommer über in Italien oder Spanien verlässlicheren Sonnenschein als bei uns in NRW hatte", sagt Jürgen Vogt. "Das liegt daran, dass im Sommer die typische Zugbahn der Tiefdruckgebiete weit im Norden liegt - und den Süden Europas links liegen lässt. NRW wird häufiger davon gestreift - aber südlich der Alpen blieb's meist sonnig."
Klima am Mittelmeer ändert sich
So beständig wie früher ist es aber nicht mehr am Mittelmeer. Das liege an den hohen Wassertemperaturen, sagt Jürgen Vogt. Das Mittelmeer sei gerade so warm wie noch nie zu dieser Jahreszeit. "Die Wassertemperaturen liegen bei teils an die 30 Grad - fast 6 Grad Celsius über den für diese Zeit normalen Werten." Mit den höheren Wassertemperaturen steige die Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen und Unwetter.
Unsere Quelle:
- WDR-Meteorologe Jürgen Vogt