ADAC-Boss fordert höhere Spritpreise: Mitglieder sauer
Aktuelle Stunde . 02.01.2026. 17:37 Min.. UT. Verfügbar bis 02.01.2028. WDR. Von Astrid Houben.
Wenn du ein Kraftfahrzeug fährst und im neuen Jahr schon einen Zwischenstopp an der Tankstelle einlegen musstest, hast du es vielleicht gemerkt: Die Preise haben angezogen - bei Super E5 mit sechs, bei E10 mit sieben und bei Diesel sogar mit acht Cent, wenn man den 2. Januar mit dem letzten Tag des vergangenen Jahres vergleicht.
Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen?
An der Tankstelle fließt durch den Zapfhahn zwar lediglich Benzin oder wahlweise Diesel in euren Tank, ihr bezahlt aber für mehr. Die Kosten von der Rohöl-Quelle über Transport und Weiterverarbeitung bis hin zur Zapfsäule machen nicht einmal 50 Prozent des Literpreises aus.
Den größeren Teil machen Steuersätze für Energieerzeugnisse, die Mehrwertsteuer und die CO2-Abgabe aus. Warum das so ist, dazu später mehr. Im Oktober vergangenen Jahres rechnete der ADAC "einen Steuer- und Abgabenanteil von rund 61 Prozent bei Benzin und rund 53 Prozent bei Diesel" aus.
Warum steigt der Preis für Benzin und Diesel?
Für die an den ersten beiden Januartagen gestiegenen Kosten für Benzin und Diesel gibt es eine Hauptverdächtige - die CO2-Abgabe. Der zum Jahreswechsel gestiegene Preis war 2025 mit 55 Euro je Tonne CO2 noch gesetzlich festgelegt, bewegt sich jetzt aber über den Handel mit Emissionshandelszertifikaten in einer Spanne zwischen 55 Euro und 65 Euro je Tonne. Wenn die Nachfrage bei den Versteigerungen nicht gedeckt werden kann, können weitere Zertifikate zu einem höheren Preis von 68 Euro erworben werden.
Inwieweit das am 2. Januar schon zum Tragen kommt, oder ob gestiegene Gewinnmargen der Tankstellenbetreiber eine Rolle spielen, sei dahingestellt. An den Handel mit dem Zertifikaten ist der einzelne Kfz-Besitzer nicht direkt beteiligt. Das ist Sache der großen Unternehmen, die Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel verkaufen. Sie sind dazu verpflichtet, Emissionszertifikate zu erwerben. Die Kosten dafür werden von ihnen allerdings an die Endverbraucher weitergegeben.
Um wieviel Cent steigt der Literpreis?
Da sich der Preis für die Zertifikate in einem Korridor bewegt und die CO2-Abgabe nur einer von mehreren Kostentreibern ist, lässt sich nicht präzise sagen, wie stark die Preise steigen. Das Bundesumweltministerium prognostiziert durch die höhere Abgabe eine Erhöhung "von bis zu etwa drei Cent pro Liter bei Benzin und Diesel".
Ähnlich sieht es der ADAC. Während die Abgabe am unteren Ende des neuen Preiskorridors keine Preissteigerungen bewirkt, seien maximal "knapp 3 Cent je Liter Benzin und um etwas mehr als 3 Cent pro Liter Diesel im Vergleich zu 2025" möglich.
Hat der Staat Interesse an höheren Benzinpreisen?
Das Interesse an den Sorgen von Autofahrern über hohe Benzinpreise dürfte im Autoland Deutschland begrenzt sein - gleichzeitig gibt es verbindliche Klimaziele. Um genau zu sein, ein Treibhausgas-Minderungsziel. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral werden - und damit fünf Jahre früher als die EU.
Kohlendioxid ist das bei Weitem bedeutendste Klimagas, und der Straßenverkehr macht etwa ein Fünftel der CO2-Emissionen in der EU aus. Hohe Benzinpreise können den Wechsel auf klimafreundlichere Alternativen fördern.
Was soll der CO2-Preis?
Die Förderung dieses Wechsels ist genau der Punkt, an dem Benzinpreis und CO2-Abgabe zusammenkommen. Der zu großen Teilen aus Steuern bestehende Benzinpreis hat nicht nur den Zweck, Ausgaben des Staates zu finanzieren, sondern er verfolgt mit der umgangssprachlich zuweilen als "Kohlenstoffsteuer" bezeichneten Abgabe das Ziel, den Verbrauch zu steuern.
Die Abgabe fürs Kohlendioxid gibt es in Deutschland seit 2021 für Heiz- und Brennstoffe. Mit einer schrittweise steigenden CO2-Bepreisung soll ein Anreiz für mehr Sparsamkeit sowie zu einem Umstieg auf klimafreundliche Technologien gesetzt werden, um Emissionen zu verringern. Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen zudem in den Klima- und Transformationsfonds, der für die Umstellung auf ein klimafreundlicheres Wirtschaften gedacht ist.
Wie geht es weiter?
2027 sollten Brennstoffe wie Benzin und Erdgas eigentlich in den europäischen Emissionshandel einbezogen werden, der Preis würde sich dann durch Angebot und Nachfrage bilden. Doch nun kommt dieser Schritt wohl erst 2028. Darauf haben sich Unterhändler von Europaparlament und EU-Staaten vor Kurzem verständigt, um größere Preissprünge für Verbraucher beim Tanken zu vermeiden. Deshalb erwartet der ADAC durch die CO2-Abgabe im kommenden Jahr keine weitere Belastung.
Die ist aber wohl nur aufgeschoben: Achim Wmbach, der Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, rechnet ab 2028 mit einem Anstieg von bis zu 200 Euro pro Tonne CO2, wie er der Wirtschaftswoche kürzlich sagte.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur DPA
- Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. (ADAC)
- Bundesministerium für Umwelt und Klimaschutz
- Umweltbundesamt
- Europäisches Parlament
- Die Wirtschaftswoche
Sendung: WDR.de, "Steigende Benzinpreise", 02.01.2026, 19:04 Uhr