Lebensmittel-Retter auf der Kirmes
Lokalzeit Südwestfalen. 10.11.2025. 03:12 Min.. Verfügbar bis 10.11.2027. WDR. Von Heinrich Buttermann.
50 von ihnen schwärmten am Sonntagabend aus, um Würstchen, Pizzateig oder Paradiesäpfel vor der Mülltonne zu retten.
Geplante Foodsharing-Tour durch die Kirmes
20 Foodsharing-Teams machen sich am Sonntagabend um halb neun auf den Weg: ausgestattet mit Bollerwagen, Eimern, Plastikbechern. Ihre Touren sind vorher ausgearbeitet, die Budenbesitzer angesprochen worden.
Alle sind froh, wenn es nicht in den Müll geht
Die Lebensmittelretterinnen freuen sich über jede Lebensmittelspende.
Regina Trott, Marie Peters und Vanessa Wischnewski wissen also genau, wen sie ansteuern können. "Wir warten dezent im Hintergrund, bis die Kunden weg sind", erklärt Vanessa Wischnewski. Die Soesterin ist schon zum zweiten Mal dabei. "Es ist eigentlich total erschreckend, wie viel dabei zusammen kommt".
Am Gyros-Stand wird reichlich Krautsalat und ein halber Eimer gebratenes Fleisch vom Spieß abgegeben, ein "Süssigkeiten-Mann" gibt bereitwillig Paradiesäpfel und Schoko-Bananen ab, die beliebten Pizza-Brötchen gehen gleich Kistenweise über den Tresen. "Wir sind doch auch froh, wenn das nicht in den Müll geht. Das tut uns doch auch in der Seele weh", sagt die freundliche Frau in der mobilen Pizzeria.
Genaue Kalkulierung der Lebensmittel vorher ist schwierig
Diese Erfahrung macht das Trio der Lebensmittelrettung an vielen Ständen und Buden. Bratwürstchen inklusive eimerweise Currysoße, Brötchen, Brezel - das alles würde eigentlich auf dem Müll landen. "So genau kann man das leider nicht kalkulieren", erklärt ein Schausteller.
Hinter ihm und seinen gut 300 Kolleginnen und Kollegen liegt eine Rekordkirmes. Fünf Tage bei bestem Wetter, das hat wieder mehr als eine Million Menschen in die Soester Altstadt gelockt.
Bis tief in die Nacht wird Essen verteilt
Auch Schokofrüchte können vor der Tonne gerettet werden.
Ab 22 Uhr treffen die ersten Lebensmittelretter am Treffpunkt ein. Eine Bowlingbahn wird zum großen Verteil-Center. Blumenkohl, Tomaten, Erdbeeren, Kartoffeln und ganz unterschiedliche Brote gehen im großen Stil an die Tafel.
Verarbeitetes wie Fleischspieße, Soßen oder auch die begehrten Süßigkeiten werden untereinander aufgeteilt. "Ich habe ein eigenes Netzwerk und verteile das dann weiter", erklärt Vanessa Wischnewski. Darunter seien Bedürftige - aber nicht nur.
Über 2.000 Kilogramm wurden vor der Tonne gerettet
"Das Allerwichtigste ist für uns, dass die wertvollen Lebensmittel nicht weggeschmissen werden." Das ist auch in diesem Jahr wieder gelungen. "Es ist noch mehr als im letzten Jahr", erklärt Klaus Spiegel vom Food-Sharing-Netzwerk: "Das sind deutlich über 2.000 Kilo", blickt er auf die voll bestückten Tische.
In mehreren Runden nimmt sich jeder der Foodsharer, was er selber gebrauchen oder weiterverteilen kann, bis um kurz vor 1 Uhr in der Nacht alles weg ist. "Es war ein langer Einsatz - aber wir haben mega viel vor der Tonne gerettet", ist nicht nur Vanessa Wischnewski zufrieden.
Quellen:
- Reporter vor Ort
- Foodsharing-Netzwerk
- Soest Kirmesbüro der Stadt Soest
