Kampf gegen Schweinepest: Auf der Jagd in Südwestfalen

WDR 03:30 Min. Verfügbar bis 11.06.2028

Afrikanische Schweinepest Bad Berleburger Jäger kämpft gegen die Seuche

Stand:

740 Wildschweine wurden bisher positiv auf das Virus der Afrikanischen Schweinepest in Südwestfalen getestet. Um die Seuche einzudämmen, muss möglichst viel Schwarzwild geschossen werden. Der Druck auf die Jägerschaft ist enorm hoch.

Kurz vor Sonnenuntergang zieht Kai Bätzel über die Felder in Lützel bei Hilchenbach. Der 28-Jährige verbringt einen großen Teil der Nacht draußen in der Natur - auf der Jagd nach Wildschweinen. Hier auf der Lützel wurden zuletzt zwei mit dem ASP-Virus infizierte Frischlinge entdeckt.

Fast jede Nacht auf Schwarzwildjagd

Lützel bei Hilchenbach gehört zur Sperrzone II - dem ersten Ring um das ASP-Kerngebiet. Daran schließt sich die Sperrzone I als ein zweiter Ring an. Zehntausende Quadratkilometer, in denen geschätzt zehntausende Wildschweine leben.

Ein Hochsitz im Sonnenuntergang

Wenn die Dämmerung einbricht, wird es Zeit für die Jagd auf Wildschweine

Kai Bätzel ist fast jede Nacht unterwegs. Seit die Afrikanische Schweinepest die Region erreicht hat, investiert er einen großen Teil seiner Zeit in die Schwarzwildjagd. Zusätzlich zu seiner Arbeit in der Produktion eines Chemieunternehmens.

Wir müssen die Pest in den Griff kriegen. Kai Bätzel, Jäger

Moderne Technik hilft

Mit einer Wärmebildkamera scannt der 28-Jährige die Landschaft. Selbst bei völliger Dunkelheit kann er damit noch Tiere aufspüren. Auch sein Gewehr hat er mit der Technik aufgerüstet - eine kostspielige Investition. Im Kampf gegen die ASP ist der Einsatz solcher Hilfsmittel erlaubt.  

Jäger Kai Bätzel

Bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest sind Jäger wie Kai Bätzel besonders gefragt

Kai Bätzel sieht durch die Wärmebildkamera Vögel, die durch die Wiesen hüpfen. Dann tritt ein Reh aus dem Wald, noch eins. Er genießt die stille Naturkulisse - und wartet auf Wildschweine. Es ist kalt, der Wind peitscht über die Felder und schließlich setzt auch noch Regen ein.

Auch junge Tiere werden erlegt

Der Jäger entschließt sich, den Standort zu wechseln. Auf einer Kuppe entdeckt er in einer Senke eine Bache mit einigen Frischlingen. Zügig klettert Kai Bätzel auf einen hochgelegenen Hochsitz, legt sein Gewehr mit Schalldämpfer an - und dann zischt ein Schuss durch die Stille der Nacht. Ein Frischling ist getroffen.

Jäger Kai Bätzel mit der Wärmebildkamera

Bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest sind Jäger wie Kai Bätzel besonders gefragt

Die Wärmebilder werden auf Kai Bätzels Handy übertragen. Er sichtet den Schuss wieder und wieder - und wirkt nachdenklich:

Es ist definitiv kein schönes Gefühl, einen Frischling zu schießen. Das macht in normalen Zeiten keinen Sinn und es ist nicht so, dass ich gleich stolz nach Hause gehe. Kai Bätzel, Jäger

Hohe Verantwortung

"Je schneller der Bestand von Schwarzwild reduziert wird, umso schneller lässt sich die ASP tilgen“, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Um das Ausbruchsgebiet sollen so genannte "weiße Zonen" geschaffen werden. Das sind möglichst wildschweinfreie Schutzkorridore.

"Wenn zwischen Ausbruchsgebiet und den umliegenden Regionen ein wildschweinfreier gezäunter Streifen entsteht, können infizierte Tiere das Virus deutlich schlechter weiterverbreiten", umreißt Leonie Molls, Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums, das Ziel.

Mitarbeiter einer Spezialfirma bauen einen Sperrzaun gegen die Afrikanische Schweinepest

Eine Spezialfirma aus Hemer zieht derzeit rund 70 Kilometer Sperrzaun von Siegen in Richtung Haiger.

Das Fleisch der erlegten Wildschweine dürfen die Jägerinnen und Jäger nicht verwenden. Pro erlegtem Wildschwein bekommen die Jagdpächter im Kerngebiet und Sperrzone II 200 Euro, in Sperrzone I 150 Euro.

Kai Bätzel wird auch morgen Nacht wieder draußen sein. Und übermorgen. Jäger und Jägerinnen wie er tragen aktuell eine Verantwortung, die weit über ein Hobby hinausgeht - sie sind unverzichtbarer Teil der Seuchenbekämpfung geworden.

Jäger kämpfen gegen die Afrikanische Schweinepest

WDR 11.06.2026 00:56 Min. Verfügbar bis 10.06.2028

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Unsere Quellen:

  • Reporterin bei der Jagd dabei
  • Jäger Kai Bätzel
  • Landwirtschaftsministerium NRW
  • Landesjagdverband NRW

Sendung: wdr.de, Jäger kämpfen gegen die Afrikanische Schweinepest, 11.06.2026, 5:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit SWF, 11.06.2026, 19:30 Uhr

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