Mehr Möglichkeiten für E-LKW im Sauerland
WDR. 03:12 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Der neue Ladepark in Brilon ist riesig: Gut anderthalb Hektar Asphalt stehen hier für die Zukunft der E-Mobilität zur Verfügung. Viel Platz aus gutem Grund: Denn in dem neuen Ladepark sollen zukünftig vor allem LKW, Busse und Transporter ihre Batterien aufladen.
Die brauchen Platz zum Rangieren - und sollen in Brilon laden können, ohne vorher "absatteln" zu müssen. Alles im neuen Ladepark ist auf die Bedürfnisse der Brummies abgestimmt. 18 Ladeplätze stehen zur Verfügung. Der stärkste bietet 400 Kilowatt Leistung. Laut Betreiber kann ein E-LKW so in weniger als einer Stunde aufgeladen werden.
Lade-Infrastruktur auch abseits der Autobahnen
E-Ladesäule mit 400 Kilowatt Leistung für LKW im Briloner Ladepark
Der Briloner Ladepark ist nicht der erste seiner Art in NRW - aber trotzdem besonders. Denn im Gegensatz zu vielen anderen liegt er nicht an oder unmittelbar in der Nähe einer Autobahn. Sondern mitten in einem Gewerbegebiet im Sauerland. Damit wolle man vor allem Unternehmen aus der Region erreichen, heißt es von dem Briloner Unternehmen Witteler Automobile.
Gemeinsam mit dem Kölner Unternehmen TankE hat Witteler den neuen Ladepark aufgebaut. Der Gedanke dahinter: Den Kunden, den man E-LKW verkauft, möchte man auch die entsprechende Lade-Infrastruktur zur Verfügung stellen. Der Ladepark ist öffentlich und steht allen Nutzern von E-Fahrzeugen zur Verfügung: Egal ob LKW, Bus, Transporter oder PKW.
Nachfrage nach E-LKW zuletzt stark gestiegen
Der Bedarf für solche Ladeparks wächst. Denn immer mehr E-LKW sind auf den Straßen NRWs unterwegs. Die Zahl der rein elektrisch betriebenen Lastwagen und Zugmaschinen hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht. NRW ist deutschlandweit Spitzenreiter, was die Zahl der zugelassenen E-LKW angeht.
Auch immer mehr Speditionen aus dem Sauerland interessierten sich für E-LKW, sagt Tobias Altstädt. Er arbeitet als LKW-Verkäufer bei Witteler Automobile in Brilon. Vor allem die jüngste Energiekrise habe die Nachfrage nach oben schnellen lassen.
Da ist die Nachfrage locker nochmal um 30, 40 Prozent gestiegen. Auch vorher hat sich jeder Spediteur - zumindest hier im Umkreis - sehr dafür interessiert. Tobias Altstädt, LKW-Verkäufer bei "Witteler Automobile" in Brilon
Die Umrüstung auf elektrisch betriebene LKW hat für die Speditionen einige Vorteile. Für E-LKW wird beispielsweise keine Maut-Gebühr fällig. Das könnte Speditionen, die auf 100.000 Fahrtkilometer im Jahr kommen, um mehrere zehntausend Euro entlasten, so Altstädt.
Ladenetz reicht noch nicht aus - Briloner Park soll Lücken schließen
Aber: E-LKW sind in der Anschaffung sehr teuer. Ein elektrisches Modell koste gut zweieinhalb Mal so viel wie der vergleichbare Verbrenner, so Altstädt. Für Speditionen, die ihre Flotte elektrifizieren wollen, sei deshalb Planungssicherheit sehr wichtig. Dazu bräuchte es Auftraggeber, die gezielt auf grüne Logistik setzen.
Maximilian Fremery von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur
Und es braucht das passende Ladenetz. Viele Unternehmen können oder wollen keine eigene Ladeinfrastruktur in ihren Depots aufbauen. Deshalb seien gerade Standorte wie der Briloner Ladepark so wichtig, sagt Maximillian Fremery von der "Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur".
Ich glaube, wenn die Unternehmen, die hier ansässig sind, das mitbekommen - dann erleichtert das natürlich enorm die Entscheidung, auch selber in solche Fahrzeuge zu investieren. Maximilian Fremery, Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur
Der Ausbau gehe insgesamt gut voran, so Fremery weiter. In den nächsten Jahren soll bundesweit ein LKW-Schnellladenetz mit über 350 Standorten entlang der Bundesautobahnen entstehen - 69 gibt es schon. Der neue Briloner Ladepark bleibt damit eine wichtige Ergänzung für die E-Mobilität im Sauerland.
Unsere Quellen:
- WDR- Interviews mit Unternehmensvertretern von "Witteler Automobile" und "TankE GmbH"
- WDR-Interview Tobias Altstädt, LKW-Verkäufer
- WDR-Interview Maximilian Fremery, Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur
- NRW Wirtschaftsministerium
- Gespräche und Beobachtungen der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 11.05.2026, 19:30 Uhr