Menschen auf einem Marktplatz

Das Wetter spielt mit, viele Menschen aus Bottrop-Kirchhellen beteiligen sich am Stadtgespräch auf dem Johan-Breuker-Platz.

Vom Graffiti bis zum vergifteten Baum - Stadtgespräch zu Vandalismus

Stand:

Graffiti, zerstörte Bänke und Kunstwerke, zuletzt sogar vergiftete Bäume: Vandalismus hat viele Facetten. Eine Diskussion aus Bottrop.

Es gibt Applaus auf dem Johann-Breuker-Platz mitten in Bottrop-Kirchhellen, als Helga Schürmann-Kleinschnieder ins WDR5-Mikrofon spricht. Sie ist zum Lokalzeit Stadtgespräch an diesem Samstagmittag gekommen und berichtet von einem Mann, der seinen Elektroschrott unweit von hier abgeladen hat.

Man braucht auch einfach mal einen Arsch in der Hose. Helga Schürmann-Kleinschnieder, Kirchhellenerin im Publikum
Mann und Frau auf Platz

Helga Schürmann-Kleinschnieder im Gespräch mit WDR-Publikumsmoderator Olaf Biernat.

Die Bottroperin sagt, dass oft eine einfache Ansprache hilft, wenn Menschen Vandalismus beobachten. Der Mann hätte sich entschuldigt und seinen Müll wieder mitgenommen. Viele seien sich oft nicht im Klarem darüber, wo Vandalismus anfängt, glaubt sie. Manchmal, weil der Bezug zum Eigentum anderer fehle. Sie sieht beispielsweise regelmäßig zerstörte Bushaltestellen oder verwüstete Gräber auf Friedhöfen.

Individuelle Taten erfordern individuelle Lösungen

Während des Lokalzeit Stadtgesprächs berichten viele Menschen aus dem Publikum von Vandalismus-Fällen, die sie selbst erlebt haben. Auf der Bühne berichtet Bildhauer Guido Hofmann aus Bottrop: Vor gut drei Jahren zersägten Unbekannte die Totems auf der Halde Haniel. Der Bildhauer betreut die Kunstinstallation auf der Haldenkuppe seit Jahren. "Ich war den Tränen nah und man bekommt Angst, was ist das nächste?"

Nach dem Vorfall hatte Hofmann die Stelen mühevoll wiederhergerichtet. Zerstörung von Kunst an der Halde erlebt er immer wieder. Sein Lösungsvorschlag ist Bildung. Und mehr Investitionen in Streetwork mit Jugendlichen. Die sind allerdings nicht immer die mutmaßlichen Vandalen. Barbara Meinecke lebt in der Nähe eines Spielplatzes in Bottrop-Kirchhellen und beobachtet immer wieder Männer, die sich auf dem Spielplatz betrinken.

Die pinkeln dann einfach ins Gebüsch. Das kann es doch nicht sein. Barbara Meinecke aus Bottrop-Kirchhellen
Frau mit weißem Oberteil

Barbara Meinecke aus Bottrop hat die Nase voll vom Vandalismus in ihrer Stadt.

Weiter erzählt sie von einer Hütte an einem Radweg, bei der regelmäßig das Dach zerstört werde. Einmal hätten Menschen darin gegrillt. Die Hütte sei fast abgebrannt. Um solche Taten zu verhindern, sieht Kriminologe Kai Seidensticker vom LKA nicht die eine Lösung. Es müsse immer nach einzelnen Hinter- und Beweggründen gefragt werden. Dazu gehörten jugendlicher Übermut, fehlende Indentifikation und auch Widerstand.

Was tun gegen Vandalismus?

Der Bottroper Künstler Guido Hofmann im Portrait

Der Bottroper Künstler Guido Hofmann

Für Guido Hofmann ist ein Schlüssel Aufklärung und Bildung, auch in den Schulen. Im Fall der Totems möchte er sich dafür einsetzen, dass Besucher die Geschichte hinter dem Kunstwerk bald vor Ort erfahren können – zum Beispiel in Form eines Videos, das man direkt am Kunstwerk über einen QR-Code aufrufen könnte.

Das steigere die Wertschätzung für das Werk, aber auch für den Ort, so Hofmann: "Wenn man anfängt, sich an bestimmten Orten wohlzufühlen, dann achtet jeder auch mehr darauf."

Stadtgespräch aus Bottrop: Was tun gegen Vandalismus?

Lokalzeit Stadtgespräch 02.08.2025 54:35 Min. Verfügbar bis 02.08.2027 WDR 5

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Mehr Wertschätzung – weniger Vandalismus

Diese Meinung wird nicht nur in Bottrop vertreten: Ganz ähnlich drückt es der Ennepetaler Höhlenforscher Stefan Voigt aus: "Ich glaube, es hat was mit Entwurzelung zu tun. Wenn das Heimatgefühl verloren geht, dann weiß man Heimat auch nicht mehr zu schätzen. Man muss den Menschen die Wertschätzung vermitteln zu der Landschaft, in der sie leben.“

Auch bei Voigt ist Vandalismus ein großes Thema. Der Vorsitzende des Vereins "Arbeitskreis Kluterthöhle" hatte zuletzt Zerstörung in einem stillgelegten Eisenbahntunnel zwischen Gevelsberg und Schwelm erlebt. Den hatte er gekauft und zunächst das Gestein darin untersucht.

Höhlenforscher Stefan Voigt vor der Kluterthöhle in Ennepetal

Höhlenforscher Stefan Voigt

Später dann ließ er den Tunnel aufwändig zu einem Fahrradweg ausbauen, installierte Tafeln über die Geschichte des Gesteins und eine teure Kamera für ein Fledermaus-Monitoring.

Belohnungen und härtere Strafen als Lösung?

Nach kurzer Zeit war der Tunnel nicht nur voll mit Graffiti, sondern es wurden auch ein Stromkasten und die Beleuchtung zerstört, eine Mauer eingeschlagen und die Fledermaus-Kamera gestohlen. Stefan Voigt war darüber so sauer, dass er eine Belohnung – er spricht von "Kopfgeld" - von 2.000 Euro für Hinweise auf den oder die Zerstörer ausgesetzt hatte. Ohne Erfolg.

Ein Graffiti im Tunnel

Eins von mehreren Graffitis im Tunnel

Wenn solche Täter allerdings ermittelt würden, sei für Voigt die strafrechtliche Verfolgung zu schwach: "Sowas muss mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden." Der Tunnel zwischen Gevelsberg und Schwelm wird übrigens inzwischen mit Kameras überwacht.

Ruf nach mehr Überwachung

Videoüberwachung – eine Konsequenz, die nach Vandalismusschäden oft gefordert und häufig auch umgesetzt wird. Zum Bespiel in Hattingen: Eine Schule und eine Kita will die Stadt nach Vandalismusschäden, und im Fall der Schule auch rechten Parolen an den Wänden, künftig mit Überwachungskameras ausstatten für die Zeiten, an denen dort kein Betrieb ist.

Das Bild zeigt eine der smarten Bänke an der Reinoldikirche in Dortmund.

Neue Smart-Bänke in Dortmund

Menschliche Überwachung oder soziale Kontrolle ist etwas, was die Städte Bochum und Dortmund jetzt bei ihren sogenannten Smart-Bänken umsetzen wollen. Die neuen Bänke verfügen über Lademöglichkeiten für Handys oder E-Bikes. In Bochum wurden schon mehrere beschädigt. Darum guckt man dort genau so wie in Dortmund jetzt nach Ort mit viel Publikumsverkehr zum Aufstellen, damit mehr Menschen ein Auge drauf werfen.

Nicht die eine Lösung gegen Vandalismus

Dabei sind Überwachen und soziale Kontrolle nur zwei Bausteine von vielen - und allein nicht unbedingt erfolgsversprechend. Man müsse sich auch immer genau die Lage vor Ort ansehen, um passende Lösungen zu entwickeln, erklärt Kriminologe Kai Seidensticker auf der Stadtgespräch-Bühne. Einfach überall Beleuchtung anbringen und Kameras aufstellen, helfe nicht. Viele Ansätze würden nicht von heute auf morgen Erfolg bringen, sondern seien langfristige Strategien.

Über das Thema haben wir bei WDR5 im WDR Lokalzeit Stadtgespräch am 02.08., 13:04 Uhr, berichtet.

Unsere Quellen:

  • WDR Lokalzeit Stadtgespräch am 2. August vom Johann-Breuker-Platz in Bottrop
  • Gespräch mit Kai Seidensticker, Landeskriminalamt NRW und Kriminologe
  • Gespräch mit Künstler Guido Hofmann
  • Gespräch mit Höhlenforscher Stefan Voigt, Arbeitskreis Kluterthöhle
  • Stadt Hattingen
  • Vorherige WDR-Berichterstattung

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