Sorge um Zechensiedlung in Oberhausen
WDR. 02:30 Min.. Verfügbar bis 15.04.2028.
Hinter dem Deich, unweit der Ruhr, liegt die kleine Zechensiedlung im Oberhausener Stadtteil Altstaden. Für die Bewohner der etwa 40 Wohnungen ist das ihre Heimat. Die idyllische Fassade bekommt Risse. Die Menschen fürchten, dass ihrer Siedlung der Verkauf droht.
Bürgerinitiative kämpft für Erhalt der Zechensiedlung
Es ist ein Bild wie aus einer anderen Zeit: Als Nachbarschaft noch Freundschaft war. Als die Menschen tagsüber auf der Zeche gearbeitet haben und danach vor ihren Haustüren zusammensaßen. Hier leben zum Teil mehrere Generationen einer Familie nebeneinander. Jana Dintner erzählt: "Ich lebe hier seit meiner Geburt. Und in der Wohnung daneben leben meine Eltern." Schon einmal drohte der Siedlung der Verkauf. Das ist jetzt 30 Jahre her und seitdem gibt es eine Bürgerinitiative, die sich regelmäßig trifft und austauscht.
Befürchtungen: Vonovia will Siedlung in Oberhausen verkaufen
Inzwischen hat der Zusammenschluss der Anwohner auch wieder einen ernsthaften, aktuellen Grund: Die Mieter befürchten, dass der Immobilienkonzern Vonovia, dem die Siedlung gehört, verkaufen möchte. "Alles begann eigentlich harmlos," erzählt Nadine Soldatke, "wir bekamen Post vom Unternehmen. Ein Gutachter wurde angekündigt. Er sollte Fenster und Stromleitungen überprüfen. Wir dachten an eine Modernisierung."
Als der Gutachter dann kam, stellte sich heraus, der Mann war tatsächlich ein Makler, begleitet von einem zweiten Mann. "Der", so Jana Dintner, "wollte erst gar nicht seinen Namen nennen. Erst nach einer Weile hat er ihn herausgerückt."
Bochumer Mieterverein eingeschaltet
Die beiden Mieterinnnen recherchierten im Netz: "Sein Unternehmen hat auch in Bochum die Zechensiedlung "Am Röderschacht" gekauft." Dort die Verkäuferin: Vonovia. Die Oberhausener Bürgerinitiative knüpfte Kontakte zum Bochumer Mieterverein. Dort erfuhren sie, dass der Übergang von Vonovia zum neuen Eigentümer alles andere als leise war. Martin Krämer vom Mieterverein Bochum: "Innerhalb rund eines halben Jahres haben etwa 15 Prozent der 55 Mieter aufgegeben und sich andere Wohnungen gesucht. Es entstand eine Atmosphäre des Drucks wegen Mieterhöhungen und Streit darüber, ob Gärten und Stellplätze durch die jeweiligen Verträge gedeckt waren."
Aus ihren Recherchen leitet Nadine Soldatke nun Forderungen an Vonovia ab: "Wir möchten informiert und mitgenommen werden. Wenn ich schon sehe, dass die Briefe des Wohnungskonzerns von der Verkaufsabteilung kommen, kann ich 1 und 1 zusammenzählen."
Vonovia reagiert zurückhaltend
Vonovia selbst gibt sich gegenüber dem WDR zurückhaltend. "Zu Verkaufsabsichten äußern wir uns grundsätzlich nicht. Und darüber hinaus gilt: Kauf bricht nicht Miete. Bestehende Verträge sind weiterhin gültig." Der Investor hat eine WDR-Anfrage nicht beantwortet.
Unsere Quellen:
- WDR Reporter vor Ort
- Gespräche mit Anwohnern
- Mieterverein Bochum
- Vonovia
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 15.04.2026, 18.35 Uhr