Fotografin Anja Niedringhaus berichtete jahrelang aus Kriegsgebieten
WDR. 03:24 Min.. Verfügbar bis 12.05.2028.
Gide Niedringhaus (59) betrachtet das großformatige Potrait eines jungen afghanischen Mannes in der Tracht des Landes. In der Ausstellung "Anja Niedringhaus - an vorderster Front" zählt es zu ihren Favoriten.
Gide Niedringhaus in der neuen Ausstellung ihrer verstorbenen Schwester Anja Niedringhaus
Erschossen in Afghanistan
Gide Niedringhaus ist die jüngere Schwester der Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus. Sie hat 250 Fotos ausgewählt. "Es ist voller Schönheit", sagt sie über das Portrait-Foto des jungen Mannes. 2014, zwei Jahre nach der Aufnahme, wird ihre große Schwester in Afghanistan beim einem Attentat getötet.
Ein afghanischer Polizist tötet Anja Niedringhaus im Jahr 2014
Gefahren der Arbeit waren kein Thema in der Familie
Anja habe immer Selbstsicherheit ausgestrahlt, man habe sich vorstellen können, dass ihr etwas zustoßen konnte, erinnert sich Gide Niedringhaus. Aber: "Wir haben das nie thematisiert." Jetzt verwaltet sie den Nachlass ihrer Schwester.
Afghanistan ist ihr Lieblingsland
"Anja hat Afghanistan geliebt, die Gastfreundlichkeit, die Farben." Als das Foto entsteht, sind Afghanen und internationale Truppen mitten im Krieg gegen die Taliban.
Bilder der neuen Ausstellung "Anja Niedringhaus - An vorderster Front"
"Die Würde der Menschen war ihr wichtig"
Weitere Weltklasse-Fotos machte sie für internationale Agenturen auf dem Balkan, im Irak, in Lybien. Frauen mit Burka oder vom Staub verschmutzte Väter, die ihr Kind küssen. "Ihr war die Würde der Menschen wichtig", sagt Gide Niedringhaus.
Pulitzer-Foto aus dem Irak
Wie das Pulitzer-Foto eines Soldaten im Irak, thematisieren viele Bilder die Folgen von Kriegen für Zivilisten. Wie bei einer Familie, die um ein kleines Mädchen trauert. "Anja Niedringhaus dokumentiert: Kriege bringen Leid, es gibt nur Verlierer", sagt Sabine Vogt, Direktorin der Galerie Ludwig, Schloss Oberhausen.
Mit diesem Bild gewinnt Niedringhaus 2005 als erste deutsche Fotojournalistin den Pulitzer-Preis
"Ein gutes Foto ist, wenn das Foto genau das zeigt, was geschehen ist." Anja Niedringhaus, Fotografin
Großartige Kompositionen
Für die Direktorin ist Niedringhaus eine geniale Fotografin mit dem Gespür für den einzigartigen Augenblick. "Sie komponiert großartige Fotos mitten in Kriesghandlungen, weil sie Sekunden vorher weiß, was geschehen wird."
Ausgleich bei internationalen Wettkämpfen wie Wimbledon
Nadine Angerer und Birgit Prinz bei der WM in China 2002
Einen professionellen Ausgleich fand Niedringhaus bei internationalen Wettkämpfen wie Wimbledon oder den Olympischen Spielen. Auch hier interessieren sie nicht Regeln und Sportarten, sondern nur eins: die zutiefst menschlichen Momente.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräche mit Gide Niedringhaus und Dr. Christine Vogt (Schloss Oberhausen)
- ARD Dokumentation "Anja Niedringhaus - Die Fotografin und der Krieg" (2026)
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 12.05.2026, 19:30 Uhr