Wie eine Stadtbank Menschen zusammenbringt
WDR. 03:19 Min.. Verfügbar bis 06.05.2028.
Plauderbank in Castrop-Rauxel : Wie eine Stadtbank Menschen zusammenbringt
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Mitten auf dem Marktplatz von Castrop‑Rauxel steht eine Parkbank - unscheinbar und doch besonders. Rote Kissen laden zum Hinsetzen ein, zum Bleiben, zum Reden. Zweimal im Monat wird sie zur Plauderbank: offen für Gespräche, Begegnungen und Zuhören. Ohne Anmeldung, ohne Druck, ohne Zeitnot.
"Setz dich!" "Bleib doch einen Moment." "Erzähl mal!" Zweimal im Monat wird eine Stadtbank zur Plauderbank - einem Ort für Gespräche, Begegnungen und Zuhören. Offen für alle.
Getragen wird das Projekt von der Caritas Castrop-Rauxel und der ehrenamtlichen Initiative "Ehrensache". Menschen wie Kristin Weckermann, Veronika Mähler und Michael Fritzenkötter sind es, die Passantinnen und Passanten ansprechen und zum Reden einladen. Keine leichte Aufgabe, denn viele eilen vorbei, den Blick aufs Handy gerichtet, Termine im Kopf.
Ehrenamtlerin Veronika Mähler setzt sich für ein Miteinander ein
"Am Anfang sagen viele: 'Ich habe keine Zeit.' Doch dann bleiben sie stehen - und plötzlich sind sie mitten im Gespräch", erklärt Weckermann.
Begegnungen, die bleiben
Seit rund einem Jahr betreut die 70-jährige Kristin Weckermann das Projekt gemeinsam mit ihren Mitstreitern. Was auf und an der Plauderbank passiert, ist oft überraschend offen. Die Gespräche sind locker, ungezwungen. Es geht um Kindheitserinnerungen, um glückliche Jahre mit dem Ehepartner, um den Alltag - manchmal sogar um Putztipps. Und immer wieder um das Gefühl, einfach mit einem Menschen zu reden.
Die Plauderbank macht sichtbar, wie viele Menschen sich nach Austausch sehnen. Gerade ältere Menschen, aber längst nicht nur sie. Einfach mal plaudern kennt kein Alter.
"Manchmal reicht es schon, einfach da zu sein und zuzuhören." Kristin Weckermann
Auch Veronika Mähler erlebt immer wieder, wie berührend diese Begegnungen sein können. Für sie ist das Ehrenamt mehr als eine Aufgabe - es ist eine Herzensangelegenheit. An diesem Vormittag bekommt sie von einer Passantin sogar einen kleinen Blumenstrauß. Einfach, weil sie da ist. Weil sie zugehört hat.
Zuhören als Geschenk
Zu den "Plaudertaschen" gehört auch Passant Herbert Hüggenberg. Er setzt sich, erzählt von seiner Kindheit, von früher. Und von dem Gefühl, dass heute kaum noch Zeit zum Reden bleibt.
Passant Herbert Hüggenberg im Gespäch mit einem Ehrenamtlichen
"Gerade junge Menschen haben eigentlich viel Freizeit", sagt Herbert Hüggenberg. "Und trotzdem sind alle ständig gehetzt. Die Menschen werden mehr zu Einzelgängern - fürs Reden bleibt keine Zeit."
Aus Skepsis wird ein Dankeschön
"Ich dachte erst, das ist Wahlkampf von einer Partei", erzählt Erika Koslik. "Aber dann habe ich gemerkt, wie sympathisch das ist. Wir haben sogar etwas gemeinsam - wir kommen beide aus Schlesien. Da habe ich ein Tränchen verdrückt."
Alle zwei Wochen laden die Ehrenamtlichen an Markttagen in Castrop-Rauxel vormittags für etwa zwei Stunden zum Plaudern ein. Die Gespräche entstehen spontan - auf der Bank und daneben. Die Plauderbank ist kein Beratungsangebot, kein Therapieplatz. Aber jeder wird gesehen und gehört.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit der Freiwilligenbörse "Ehrensache" in Castrop-Rauxel
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Einsatz gegen Einsamkeit: Die Plauderbank in Castrop-Rauxel, 06.05.2026, 6 Uhr
