Neue Ideen für Problemhäuser in Hagen
WDR. 03:12 Min.. Verfügbar bis 23.06.2028.
"Das Gebäude ist cool", ist Felix' erste Reaktion. Schon kurz hinter dem Hauptbahnhof bleibt die bunt zusammen gewürfelte Gruppe um Felix Beuter an dem Hinterhofgebäude stehen. Der 23-jährige Kunststudent aus Hamburg ist mit anderen Studierenden aus ganz Deutschland auf einem besonderen Stadtrundgang in Hagen. "Das ist ein Stahlbeton-Gerüst, da kann man die Wände rausnehmen und dann hat man ein Baukastensystem, wo man alles einbauen kann, zum Beispiel Büroräume."
Stadt Hagen hofft auf neue Impulse von junger Forschergruppe
Felix gehört zu einer Gruppe von jungen Forschern und Forscherinnen aus ganz Deutschland, die sich mit nachhaltigen Ideen für leerstehende Gebäude und Stadtentwicklung beschäftigt.
Felix Beuter studiert Kunst und Fotografie in Hamburg.
Perspektivisch wollen die Studierenden erreichen, dass Umbau attraktiver und günstiger wird als Neubau. Eine ganze Woche sind sie in Hagen und haben ihr "Reallabor", wie sie es nennen, in einem leerstehenden Ladenlokal im Stadtteil Wehringhausen gefunden.
Umnutzung statt Abriss ist das Ziel des Projekts
Bei ihrem ersten Rundgang durch das Bahnhofsviertel und angrenzende Straßen sind Vertreter der Stadt und der Initiative "Grüne Brücke" dabei. Alle gemeinsam wollen sie die Stadtentwicklung in Hagen vorantreiben. Das Gebäude, vor dem sie anhalten, steht seit vielen Jahren leer und verkommt. Früher war das mal ein Speditionsunternehmen, dann ein Obsthandel. Jetzt wohnen hier seit Langem nur noch Tauben. Die Stadt hat das Gebäude erworben, ein Abriss ist in Planung.
Hagener Stadtplaner: "Wir brauchen junge Impulse"
"Wir haben hier schon die Hoffnung auf neue Impulse, was wir mit solchen Gebäuden vielleicht doch noch anfangen können. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht bleibt hier nur der Abbruch, aber vielleicht gibt es ja doch noch sinnvolle Nutzungsideen", sagt Andreas Beilein vom Hagener Stadtplanungsamt. Die Impulse will die Gruppe junger Studierender liefern. Dafür müssen sie aber erstmal Eindrücke sammeln. Vorbei geht es an sogenannten Problemhäusern, die verwahrlost, aber trotzdem bewohnt sind.
"Wir würden gerne mehr davon erwerben, aber die Eigentümer zocken ohne Ende und verlangen teilweise horrende Kaufsummen" Andreas Beilein, Stadtplaner in Hagen
Der Fluss als Ort für Kühlung und grünen Freiraum
Hinter dem Bahnhof und zwischen vielen unansehnlichen Häusern steht die Gruppe auf einem Parkplatz. Unterhalb fließt die Volme. "Hier fragen wir uns natürlich, kann man das ändern, kann man den Fluss hier nicht anders zugänglich machen und besser für Kühlung und grünen Freiraum nutzen", sagt Architekturstudent Hannes Soballa aus Köln.
Was kann man mit leerstehenden, sogenannten Schrottimmobilien in Hagen machen? Das will die Gruppe herausfinden.
"Die Stadt müsste mühsam versuchen, hier umliegende Gebäude zusammen zu kaufen, um den Menschen diesen Bereich zugänglich zu machen."
Bundesbauministerium finanziert das deutschlandweite Forschungs-Projekt
An einem völlig verfallenen Gebäude auf der Altenhagener Straße bleibt die Gruppe ein weiteres Mal stehen. "Im Erdgeschoss war mal die beliebteste Pizzeria in ganz Hagen", schwärmt Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff, der die Gruppe begleitet.
Ein Gründerzeithaus, das längst nur noch ein Schandfleck ist. Die junge Forschergruppe hört aufmerksam zu, macht Fotos und Notizen. Bis Samstag wollen sie noch in Hagen bleiben und auch mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Finanziert wird das Projekt maßgeblich vom Bundesbauministerium. Die Ideen, die die Gruppe entwickelt, werden auch nach Berlin getragen.
Ideen und Impulse gegen den Leerstand
"Natürlich sind wir Idealisten, wenn wir uns zwei Wochen in einen Leerstand schmeißen und die Stadt adhoc kennenlernen wollen", sagt, Felix Beuter. Aber man könne mit "Einfach-mal-machen-Initiativen" etwas bewegen, was die Umnutzung angehe.
"Aus einem leerstehenden Supermarkt oder einer Pizzeria ein Café machen, das allein reicht natürlich nicht", so Felix. Aber Fördergelder und auch Investoren seien da. "Und mit vielen Ideen können wir die Zukunft von Städten viel weicher gestalten als mit riesigen Abrissen."
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Felix Beuter und anderen Gruppenmitgliedern
- WDR-Gespräch mit Andreas Beilein vom Hagener Stadtplanungsamt
- WDR-Gespräch mit Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff
- Beobachtungen und Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 23.06.2026, 6:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 23.06.2026, 19.30 Uhr