v. l. Matthias und Stefan Kullmann. Sie sitzen an einem Küchentisch.

Matthias und Stefan Kullmann sind die Enkel eines Vereinsgründers von Schalke 04

Wie zwei Brüder in Gelsenkirchen dem Schalker Mythos nachspüren

Stand:

Die Brüder Matthias und Stefan Kullmann hüten einen wahren Schatz der Fußballgeschichte: Originaldokumente zur Gründung des FC Schalke 04. Ihr Großvater Heinrich Kullmann war Gründungsmitglied, erster Torwart und Kassierer des Traditionsvereins. Doch ein altes Mannschaftsfoto und ein vergilbtes Mitgliedsheft werfen Fragen zur offiziellen Gründungsgeschichte von Schalke 04 auf.

Von Fabienne Elaine Strohmer

Auf dem Küchentisch vor Matthias und Stefan Kullmann liegen sorgfältig ausgebreitet vergilbte Dokumente. Es sind besondere Erinnerungsstücke: die letzten erhaltenen Originalunterlagen zur Entstehung des Fußballvereins Schalke 04. Der Großvater der Brüder, Heinrich Kullmann, war eines der Gründungsmitglieder, erster Torwart und Kassierer. Sein Enkel Matthias Kullmann nimmt ein ausgeblichenes und vergilbtes Foto in die Hand. Einer der größten Schätze der Familie Kullmann.

Es ist das erste Mannschaftsfoto des FC Schalke 04. Doch ein heller Streifen darauf fällt sofort ins Auge. "Hier in der Mitte kniet mein Großvater mit einem Ball zwischen den Beinen", erzählt Mattias Kullmann. "Als Kind hat mein Vater mal den Ball mit einem Bleistift umkreist. Mein Opa hat dann versucht, das wegzuradieren. Das hat bei so einem alten Foto natürlich nicht funktioniert", sagt der 57-Jährige und schmunzelt.

Was es mit dem ersten Foto der Mannschaft von Schalke 04 auf sich hat

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Das Bild ist berühmt und auf vielen Schalker Veröffentlichungen zu sehen - durch Bearbeitung vermeintlich makellos. Neben dem historischen Foto liegt auch das alte Mitgliedsheft von Heinrich Kullmann. Es ist nicht nur ein Stück Fußballgeschichte, sondern auch ein Dokument, das die Erzählung rund um die Vereinsentstehung infrage stellt.

Die Entstehungsgeschichte des FC Schalke 04

Laut der offiziellen Version des Vereins wurde der FC Schalke 04 am 4. Mai 1904 gegründet: An einem Mittwochnachmittag trafen sich ein paar Jungs im Alter zwischen 12 und 15 Jahren im Garten der Kullmanns neben der Zeche Consolidation. Sie wollten beim Fußballbetrieb in Gelsenkirchen mitmachen, gegen andere Mannschaften spielen. Also trugen sie sich in ein Notizbuch von Willy Gies ein, dem Anführer. Der Grundstein ist gelegt, damals noch als "Westfalia Schalke".

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Nach der Jahrhundertwende entstanden immer mehr Fußballvereine im Ruhrgebiet und in Deutschland. Ab Mitte der 1920er-Jahre entwickelte sich die Mannschaft des Schalke 04 zu einer der erfolgreichsten im Ruhrgebiet, und das britische Spiel wurde zum Massenphänomen. Aktuell spielt der Verein in der Zweiten Bundesliga. Am 4. Mai 2025 feierte er seinen 121. Geburtstag.

Heinrich Kullmanns Mitgliedsheft zeigt eine andere Version

Dass der Verein im Garten ihrer Familie gegründet wurde, halten auch die Brüder Kullmann für wahrscheinlich. Doch das Datum wirft Fragen auf. Denn im alten Mitgliedsheft ihres Großvaters steht, dass der Verein im Oktober und nicht im Mai entstanden sei. "Wieso sollte er irgendetwas da reinschreiben, was nicht stimmt? Und bei Willy Gies, das wissen wir auch, steht auch Oktober 1904", betont Stefan Kullmann und lehnt sich in seinem Stuhl zurück.

Das aufgeschlagene Mitgliedsheft von Heinrich Kullmann. Darüber liegt ein Buch mit dem Schalke-Logo.

Das Mitgliedsheft von Heinrich Kullman mit Oktober 1904 als Gründungsmonat

Auch der Verein selbst räumt ein, dass seine Version mehr Legende als historisch belegter Fakt ist. Mündliche Überlieferungen hätten sich im Laufe der Jahre zum Mythos vom Schalker Markt entwickelt. Unumstritten ist aber: Mitten im Mythos lebt eine Familie mit echten Erinnerungen, persönlichen Dokumenten und einer eigenen Version der Geschichte.

Was war Heinrich Kullmann für ein Mensch?

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Bei so einer fußballgewaltigen Historie in der Familie Kullmann könnte man meinen, dass das ganze Haus von Stefan Kullmann blau-weiß ist und überall Schalke-Fanartikel stehen, aber weit gefehlt. Kein einziger Hinweis zum Fußballklub: "Wir vier Brüder hatten eigentlich nie viel mit Fußball am Hut. Klar, wir waren Schalke-Fans, aber ich habe lieber Handball gespielt. Wir hatten andere Interessen", sagt der 61-Jährige. Manchmal fällt der Apfel eben doch weit vom Stamm.

Über dieses Thema haben wir auch am 02.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.

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