Frau bekommt 98.000 Euro in bar zurück
WDR. 02:32 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028.
Es handelt sich dabei nicht um eine Erstattung der Sparkasse, sondern um die Rückgabe ihres Geldes, welches die Diebe im Dezember zurückgelassen haben. Insgesamt habe sie 140.000 Euro in ihrem Schließfach gehabt, so ihr Anwalt - warum die Einbrecher nicht alles mitgenommen haben, ist unklar.
Das Geld konnte der Frau aber eindeutig zugeordnet werden. Das erzählt der Anwalt der 75-Jährigen, Burkhard Benecken, in einem Video auf Instagram. Die Sparkasse bestätigt die Rückgabe in Höhe von 98.000 Euro aus Datenschutzgründen nicht direkt. Auf Nachfrage des WDR sagt eine Sprecherin der Bank aber, dass man der Schilderung des Anwaltes in diesem Punkt nicht widerspreche.
Kritik an der Abwicklung der Rückgabe
In dem Video auf Instagram beschwert sich Benecken darüber, dass seine Mandantin mit der Rückgabesituation überfordert gewesen sei. Man habe ihr in dem SB-Point direkt am Hauptbahnhof 98.000 Euro in bar übergeben. Das habe die 75-jährige Frau überfordert. Sie habe das Geld dann in einem Stoffbeutel nach Hause gebracht und sich dabei sehr unsicher gefühlt. Auf WDR-Anfrage entgegnet die Sparkasse Gelsenkirchen heute:
"In den Gesprächen mit den betroffenen Kundinnen und Kunden, die etwas zurückerhalten, besprechen wir individuelle Lösungen für eine persönliche Übergabe. Grundsätzlich ist auch die Einzahlung auf ein Girokonto möglich." Stellungnahme der Sparkasse Gelsenkirchen
Ob die Kundin gezielt nach einer solchen Einzahlung auf ein Girokonto gefragt hat, ist nicht bekannt. Ihr Anwalt kann das nicht ausschließen, er war bei dem Gespräch mit der Sparkasse nicht persönlich dabei.
In dieser Tasche hat die Kundin nach eigenen Angaben das Geld transportiert.
Andere Kunden sind mit dem Ablauf der Rückgabetermine heute zufrieden. Ein Mann schildert sehr berührt, dass er Familienerbstücke zurückbekommen hat. Damit hatte er nicht gerechnet.
"Das fühlte sich an, als wenn ich meinen Eltern noch mal die Hand geben konnte." Sparkassen-Kunde
Bei den Familienerbstücken handelt es sich unter anderem um Schmuck. Den will er jetzt seiner Tochter vermachen.
Sparkasse habe sich viel Mühe gemacht
Ein anderes Ehepaar hat heute wichtige Dokumente aus dem Schließfach von der Sparkasse zurückbekommen. Dabei hatten sie das Gefühl, dass sich die Mitarbeiter der Sparkasse viel Mühe gegeben haben, jeden kleinen Schnipsel ihren Unterlagen zuzuordnen. Das sei in dem Wust bestimmt nicht einfach gewesen, erzählen sie nach ihrem Rückgabetermin erleichtert.
So haben Sparkassen‑Kunden auf die Rückgaben reagiert - Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
WDR. 00:44 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028.
Hoffnung für Kunden
Laut Sparkasse können sich auch andere Kunden noch Hoffnung machen, Bargeld, Schmuck und wichtige Dokumente zurückzubekommen. In einem Interview sagt ein Sprecher der Sparkasse dem WDR, dass aktuell etwa 100 Termine gemacht wurden, in denen Betroffene ihre Dinge zurückhalten haben. Das seien schöne und emotionale Momente gewesen.
Es heißt, es werden noch viele Dinge zu ihren Besitzern zurückkehren, sobald dieses gigantische Puzzle zusammengesetzt wird. Konkret wird eine ganze Reihe von Dokumenten, Edelmetallen, teuren Uhren und Bargeld in erheblicher Menge und Höhe genannt.
Die Mitarbeiter der Sparkasse würden mit Hochdruck daran arbeiten, die Dinge ihren Besitzern zuzuordnen. Dafür würden aktuell weitere Termine abgestimmt. Die Sparkasse sei aber auch darauf angewiesen, dass die Betroffenen Fotos und Nachweise von ihren Wertgegenständen einreichen, damit diese zugeordnet werden können. Die Rückgabe kann noch etliche Monate dauern.
Prozesse um Schadensersatz am Donnerstag gestartet
Unter großem Medieninteresse haben am Donnerstag die ersten Prozesse rund um den spektakulären Einbruch begonnen. Zwei Fälle wurden vor dem Landgericht Essen verhandelt. Die betroffenen Schließfachkunden fordern Schadensersatz. So verlief der erste Verhandlungstag:
Die beiden Kläger kommen aus Gelsenkirchen: eine Rentnerin, die nach eigenen Angaben 390.000 Euro im Schließfach hatte. Und ein Mann, der seit dem Einbruch Schmuck und Gold vermisst. Sie werfen der Sparkasse Versäumnisse bei der Sicherung des Tresorraums vor und wollen eine Entschädigung. Die Sparkasse weist die Vorwürfe zurück.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräche mit Sparkassen-Kunden
- Instagram-Video von Anwalt Burkhard Benecken
- Gespräch mit Sparkassen-Sprecherin
- Schriftliche Stellungnahme der Sparkasse
Sendung: WDR.de, So haben Sparkassen‑Kunden auf die Rückgaben reagiert, 12.06.2026, 16:30 Uhr