Anti-Mobbing-Lesungen für Schüler:innen in Gelsenkirchen

Lokalzeit aus Duisburg 14.05.2025 03:20 Min. Verfügbar bis 14.05.2027 WDR Von Solveig Bader

"Mobbing tut weh": Anti-Mobbing-Projekt für Schüler in Gelsenkirchen

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Ein Projekt in Gelsenkirchen will Schüler vor Mobbing schützen und sie ermutigen, sich Hilfe zu holen.

Von Solveig Bader

"Ich werde gemobbt, weil ich klein und dünn bin", sagt Noah. Sichtlich berührt schaut sich der Fünftklässler Fotos an, die in der Schulaula ausgestellt sind. Nachgestellte Szenen von Schülern zeigen genau das, was er selbst schon häufig erlebt hat: Beleidigungen und Ausgrenzung.

Ein Mädchen auf den Fotos wird an den Haaren gezogen, ein Junge liegt nach einer Schlägerei auf dem Boden, während sich andere darüber lustig machen.

Anti-Mobbing-Projekt sensibilisiert Täter und Opfer

Heike Becker, Buchautorin und gelernte Kinderpflegerin, hat das Projekt an die Realschule an der Mühlenstraße in Gelsenkirchen geholt. Neben der Foto-Ausstellung bietet sie Lesungen an. Aktuell liest sie den Kindern ihr Buch "Leonie und das Foto im Netz" vor, das sich mit Cybermobbing beschäftigt.

Jugendliche sitzen in einem Kreis auf dem Boden.

Die Kinder werden ermutigt, über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen.

Das Mädchen Leonie leidet darunter, dass ein Foto von ihrem nackten Oberkörper aus dem Umkleideraum der Sporthalle im Gruppenchat der Klasse gelandet ist. "Es sind wahre Geschichten, die mir Kinder erzählt haben. Ich glaube, dass in den Schulen genau diese Geschichten die Kinder dazu bringen, sich zu öffnen, weil sie sich wiedererkennen und sehen, das ist mir auch schon passiert."

Jeder sechste Jugendliche von Mobbing betroffen

Laut einer Studie des Sinus-Instituts von 2024 hat jeder sechste Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren Cybermobbing erlebt. "Bei Mobbing handelt es sich nicht um die kleinen Streitereien in der Pause, sondern körperliche und seelische Gewalt, die Kinder über Wochen und Monate erleben", sagt Schulsozialarbeiterin Nicole Daschke. Sie kümmert sich um die 800 Schüler an der Realschule an der Mühlenstraße in Gelsenkirchen.

Dabei arbeitet sie eng mit Eltern und Kollegen zusammen, um Mobbing zu bekämpfen. Viele Kinder seien schon in Therapien, manche hätten sogar Selbstmordgedanken.

"Sprecht über eure Erlebnisse und holt euch Hilfe"

Tatsächlich werden die Kinder durch die Lesungen und Ausstellung ermutigt, über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen. Ein Junge erzählt, dass er wegen seines Muttermals auf der Wange schon in der Grundschule gemobbt wurde. Er habe zum Glück Unterstützung von seinen Freunden gefunden. Seine Mitschülerin Laura hat unter Schweißausbrüchen gelitten - aus Angst vor anderen Mädchen, die sie zu klein finden.

Jugendliche stehen vor der Ausstellung.

Die Schüler schauen sich die Foto-Ausstellung an

Das Mädchen Safie ist aus der Ukraine geflüchtet. "Als ich in die neue Klasse kam, haben einige Mitschüler gelästert, weil ich kein Deutsch gesprochen habe." Einige Kinder schreiben ihre Gedanken auch auf einen Zettel und hängen diesen an die Ausstellungswand. "Mobbing tut weh" steht auf einem Zettel. Aber auch Schüler, die andere mobben, sollen durch das Projekt zum Nachdenken gebracht werden und ihr Verhalten kritisch reflektieren.

"Ihr seid stark, wenn ihr euch Hilfe holt"

Die Botschaft des Projekts ist, dass sich Betroffene ihren Eltern, Freunden, Lehrkräften oder Schulsozialarbeitern anvertrauen. Projektleiterin Heike Becker will mit ihren Lesungen und der Wanderausstellung auch an anderen Schulen auf das Thema aufmerksam machen. Der Bedarf ist jedenfalls groß.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Realschule an der Mühlenstraße Gelsenkirchen

"Mobbing tut weh": Anti-Mobbing-Projekt für Schüler in Gelsenkirchen

WDR Studios NRW 14.05.2025 00:40 Min. Verfügbar bis 14.05.2027 WDR Online

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