Wie die Polizei Notrufe ortet

WDR 02:27 Min. Verfügbar bis 11.05.2028

Praxistest im Ennepe-Ruhr-Kreis Wie die Polizei Notrufe ortet

Stand:

Die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis hat für den WDR ein neues System getestet, mit dem Smartphones bei Notrufen geortet werden können. Unfallopfer oder Verbrecher können so besser gefunden werden.

Ein silberner Mittelklassewagen ist auf einem einsamen Waldweg gegen einen Baum geprallt. Hilfe oder ein Straßenschild sind nicht in Sicht. Christoph Neuhaus sitzt am Steuer des Wagens. Er kann das Auto noch verlassen und tippt auf seinem Smartphone die Nummer des Notrufs der Polizei: 110.

"Hallo, Neuhaus hier, ich stehe hier in der Pampa und weiß nicht wo", erzählt er den Beamten der Leitstelle der Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis am Telefon: "Jetzt habe ich auch noch das Problem, dass mein Akku bald leer ist."

Ortung war für Polizei bisher nicht erlaubt

Der Polizist Christoph Neuhaus steht mit seinem Handy in der Hand da.

Christoph Neuhaus wählt den Notruf.

Das Gute an dem Fall: Es ist nur ein Test. Christoph Neuhaus ist kein richtiges Unfallopfer, sondern Pressesprecher der Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis. Er will uns zeigen, wie ein Unfallopfer geortet werden kann, obwohl es nicht weiß, wo der Unfall genau passiert ist. Bisher war das aus Datenschutz-Gründen nicht erlaubt. Nur die Feuerwehr durfte Handys orten. In einem Pilotversuch darf die NRW-Polizei das System nun auch verwenden.

"Hallo, ich stehe hier in der Pampa und weiß nicht wo." Polizist Christoph Neuhaus testet die neue Ortung

Polizei kann den Standort bis auf wenige Meter bestimmen

In der Leitstelle nimmt Thorsten Schwetke den Anruf entgegen. "Es ist niemand verletzt worden, aber Sie wissen nicht genau, wo Sie in Gevelsberg sind?" Schwetke gibt nun die Nummer ein, die gerade bei ihm angerufen hat. Auf einer Karte sieht er in einem grünen Kreis, wo sich das Handy befindet: "Der Standort ist ermittelt", stellt Schwetke zufrieden fest. Das Ergebnis ist bis auf wenige Meter genau. Er kann jetzt eine Polizeistreife zum Unfallort schicken.

"Wir haben häufig die Problematik, dass die Leute nicht wissen, wo sie sind." Thorsten Schwetke, Polizist

"Gerade auf den Autobahnen passiert das häufig, dass die Menschen nicht wissen, zwischen welchen Anschlussstellen sie sich befinden", erzählt Polizist Schwetke. Die neue Ortung beschleunige die Arbeit enorm.

Pilotprojekt liefert erste Positiv-Beispiele

Seit über einer Woche ist das System im EN-Kreis im Einsatz. Das läuft ganz nach Plan: Erst heute habe man es nutzen können, erzählt Polizist Neuhaus: "Es gab einen Notruf von der Autobahn. Letztendlich konnten wir auf wenige Meter genau bestimmen, wo der Einsatz war und konnten dort gezielt Einsatzkräfte hinschicken."

Ein stehendes Auto auf einer Landstraße.

Bei einer Panne kann der Standort sehr genau bestimmt werden.

Es gibt drei Fälle, in denen der Polizei das neue System hauptsächlich hilft, erzählen die Beamten. Bei Unfällen oder medizinischen Notfällen, bei der Verfolgung einer Straftat, wenn sich das Opfer meldet, also beispielsweise bei einer Entführung. Oder wenn ein Zeuge eine Straftat wie einen Einbruch beobachtet, das Gespräch aber abbricht. Dank der Daten kann die Polizei sogar sehen, in welche Richtung sich ein Fahrzeug bewegt.

Ortung kann nicht deaktiviert werden

Smartphones senden dann bei einem Notruf automatisch den Standort mit. "Das ist auch nicht ausstellbar", erklärt Pressesprecher Neuhaus. Selbst wenn man Ortungsdienste deaktiviert hat - die Polizei kann sehen, wo sich das Handy befindet. "Das ist ein Quantensprung", sagt Neuhaus. "Wo wir früher lange gesucht haben, sind wir viel viel schneller." Er und seine Kollegen hoffen, dass die Ortung auch nach dem Pilotversuch weiter verwendet werden darf.

Wie kann die Polizei Smartphones orten?

WDR 11.05.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 10.05.2028

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Unsere Quellen:

  • Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis
  • Gespräche mit Christoph Neuhaus und Thorsten Schwetke
  • Beobachtungen des Reporter in der Leitstelle der Polizei Ennepe-Ruhr-Kreis

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 11.05.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 11.5.2026, 16:31 Uhr

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