Polizei kann jetzt Standorte von Notrufen bestimmen

WDR 01:47 Min. Verfügbar bis 11.05.2028

Ortung per Handy Polizei kann jetzt Standorte von Notrufen bestimmen

Stand:

Die Polizei in NRW kann jetzt bei einem Notruf den Standort des Anrufers bestimmen, um schneller helfen zu können. Das Projekt wurde heute in Soest vorgestellt.

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Die Polizei führte in Soest vor, wie das neue Ortungssystem funktioniert. Seit heute kann sie den genauen Standort eines Anrufers feststellen, wenn er vom Handy aus die Notrufnummer 110 wählt. Die Angabe ist dann auf wenige Meter genau. Bisher musste die Polizei einen größeren Bereich absuchen, erklärte Marco Baffa-Scinelli von der Polizei im Kreis Soest.

Technisch möglich ist die Ortung durch die Advanced Mobile Location-Technologie - sie ist in modernen Smartphones integriert. Das erklärt das zuständige Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste.

Polizei darf auf Daten zugreifen

Der europaweite Notruf der Feuerwehr 112 konnte diese Technologie schon früher nutzen, durch eine EU-weite Richtlinie. Bei der 110 war das bisher aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich. Im Rahmen eines Pilotprojekts darf jetzt auch die Polizei auf die Daten zugreifen.

Rainer Axer von der Gewerkschaft der Polizei hat darauf lange gewartet. Eine Gefahr für den Datenschutz sieht er nicht: „Die Daten werden nur eine Stunde zur Gefahrenabwehr genutzt“, erklärt er gegenüber dem WDR. „Danach wird automatisch gelöscht.“  

Das Projekt laufe seit Kurzem, sagt das Landesamt. Bei einem Notruf könnten die Leitstellen jetzt den genauen Standort eines Anrufers abfragen, etwa, wenn Leib, Leben oder Freiheit einer Person konkret in Gefahr sind.

Wie kann man im Notfall ein Handy orten?

Konkret funktioniert das so: Wer mit dem Handy die 110 anruft, sendet automatisch seinen Standort - das passiert schon beim Verbindungsaufbau. Die Daten werden zentral gespeichert und können von den Polizeileitstellen jetzt unter bestimmten Voraussetzungen nach einem Notruf abgerufen werden, hierzu muss es um Leib, Leben und Freiheit des Anrufers geht. Oder auch wenn die Person nicht weiß, wo sie genau ist.

Ortung bei großer Gefahr oder bei Verbrechen

Auch bei der Verbrechensaufklärung könne die Technologie helfen. Sieht jemand zum Beispiel eine Schlägerei, einen Raub oder einen Einbruch und ruft die 110, ohne den genauen Standort zu kennen - dann könne die Polizei die Standortdaten nutzen und Einsatzkräfte schneller zum richtigen Ort schicken.

Polizei stellt neues System in Soest vor

Wie genau das System funktioniert, will die Polizei im Kreis Soest heute erklären. Dafür hat sie in das Rettungszentrum des Kreises nach Soest eingeladen. Die neue Technologie sei eine große Hilfe für die Arbeit von Polizei und Rettungsdienst:

"Das neue Verfahren stellt einen wichtigen Fortschritt für die Zusammenarbeit von Polizei und Rettungsdiensten dar und verbessert die Möglichkeiten der Gefahrenabwehr und Notfallrettung erheblich." Polizei Kreis Soest

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn jemand in Not ist und nicht weiß, wo er ist, hilft uns das System jetzt, das Handy metergenau zu orten. Unsere Leitstellen schicken die Streifen dann dorthin, wo es brennt und zwar ohne Umwege. Und das alles, ohne den Datenschutz über Bord zu werfen."

Polizei kann Standort bei Notruf jetzt genau ermitteln

WDR 11.05.2026 00:55 Min. Verfügbar bis 10.05.2028 WDR Online

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Was sagen Datenschützer zur Handyortung durch die Polizei?

Der Verein Digitalcourage in Bielefeld hält die Ortung im beschriebenen Fall für unkritisch. padeluun, Netzaktivist und Mitgründer von Digitalcourage, sagt: "Wenn das tatsächlich nur für die 110 gilt, finden wir das sinnvoll." Die 110 wähle man ja in der Regel in Notsituationen, in denen man den eigenen Standort häufig nicht gut bestimmen könne.

"Wenn jemand die 110 anruft, dann soll die Polizei ruhig die Standortdaten bekommen." Netzaktivist padeluun

Standortbestimmung im Notfall auch per App möglich

Wer im Notfall seinen genauen Standort nicht kennt oder beschreiben kann, kann übrigens auch Apps nutzen - zum Beispiel what3words. Die App teilt die Welt in drei mal drei Meter große Felder auf – jeder Fleck bekommt so eine einzigartige Kombination aus drei Wörtern. Diese drei Wörter lassen sich am Telefon durchgeben, wenn eine Leitstelle an das what3words-System angebunden ist. Laut einem Bericht von what3words aus dem Oktober 2025 nutzt inzwischen mehr als ein Drittel der deutschen Notrufzentralen what3words, um die Standortbestimmung von Anrufern zu ermöglichen.

Bei der Standortbestimmung helfen kann auch die App nora - das ist die offizielle Notruf-App der Bundesländer. nora ermöglicht Notrufe und nutzt die Standort-Funktion von Mobil-Geräten, um den genauen Standort an die zuständige Einsatzleitstelle zu übermitteln. So können Einsatzkräfte Menschen besser finden, auch wenn diese gerade selbst nicht genau wissen, wo sie sind.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Polizei im Kreis Soest
  • what3words-Mitteilung: Zeit sparen und Leben retten: Immer mehr Rettungsdienste im deutschsprachigen Raum setzen auf what3words (30.10.2025)
  • Interview mit padeluun, Netzaktivist und Mitgründer von Digitalcourage
  • Website von nora - die offizielle Notruf-App der Bundesländer

Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 11.05.2026, 07:00 Uhr  
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 11.05.2026, 19:30 Uhr

Kommentare zum Thema

16 Kommentare

  • 16 Hanna 13.05.2026, 08:00 Uhr

    Finde ich echt super, ich habe nichts zu verbergen und wenn ich oder andere in Not geraten weiß man vor aufregen meistens sowieso nicht genau wo man ist. Tolle Maßnahmen von unseren Freund und Helfern 👍🏻

    Antworten (1)
    • Franziska 1 13.05.2026, 11:50 Uhr

      Danke Hanna, ich habe auch die Meinung bei diesem Thema. Wer schon Mal in einer Notsituation war, der ruft nicht nach Privatsphäre und lehnt Hilfe ab. Dumm und naiv sind die Köpfe die annehmen: „Mir passiert schon nix !

  • 15 Franziska 1 12.05.2026, 19:41 Uhr

    Nach meinen Recherchen hat Bayern schon 2025 an dem Pilotversuch teilgenommen! Bei der Tel. Nr 112 konnte der Standort erfasst werden und bei der Polizei "110" lief es ebenso, weil es im Artikel heißt..... die Polizei kann jetzt in NRW!

  • 14 Joni 12.05.2026, 18:52 Uhr

    Leb ich hier im überwachungsstaat sowas geht gar nicht wo bleibt da die Privatsphäre

    Antworten (3)
    • Markus 12.05.2026, 22:16 Uhr

      Vielleicht nochmal lesen und vor allem verstehen?!

    • Franziska 1 12.05.2026, 22:32 Uhr

      Sorry, den Menschen möchte ich hören, der Hilfe von der Polizei, Notarzt und Sanitäter benötigt bei einer Notsituation und sich sagt: Wo bleibt meine Privatsphäre, wenn ich gefunden werde?

    • Steve 12.05.2026, 23:21 Uhr

      Musst ja im Notfall die 110 nicht wählen, damit bleibt die Privatsphäre.

  • 13 Joni 12.05.2026, 18:50 Uhr

    Leb ich hier im überwachungstaat die Regierung muss ganz schnel ausgewechselt werden

  • 12 Eva 12.05.2026, 15:36 Uhr

    Ich finde es klasse wenn die Polizei jetzt den Standort sehen kann .

  • 11 A. K. 12.05.2026, 12:00 Uhr

    Ich finde das ist eine sehr gute Entscheidung! Und ich persönlich fühle mich im Notfall dadurch sicherer! Ja, Datenschutz.., da denke ich, wer nix zu verbergen hat, kann guten Gewissens in dem Fall und auch anderen Fällen darauf verzichten! Ein wenig Angst habe ich nur bei einem Regierungswechsel (Blau z.B.🙄) Da würde ich leider mit einem Missbrauch aller Daten rechnen😟

    Antworten (2)
    • Peso 12.05.2026, 14:35 Uhr

      Dazu bedarf es keines Regierungswechsels; siehe z.B. aktuellen Einsatz von "Palantir" in Bayern, Hessen, NRW und (neu) Baden-Württemberg. Automatisierte, unregulierte Datenanalyse, wie durch "Palantir" = automatisierte Grundrechtseingriffe!

    • Edgar N. 12.05.2026, 18:33 Uhr

      Ich habe da eher bedenken bei unserer jetzigen Regierung...

  • 10 Epstein Adepten 12.05.2026, 08:41 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 9 Franziska 1 11.05.2026, 23:07 Uhr

    Feststellbar ist manchmal im Forum, dass man sich gegenseitig missversteht. Gute Ansätze werden falsch behandelt und in Misskredit gebracht. Seht doch die Polizei als "Freund und Helfer" und nicht als Dieb unserer Daten bei einer Notsituation. Eine Stunde in etwa stehen die Daten der Polizei zur Verfügung und dann werden sie laut Aussage der Polizei wieder gelöscht. Bei den Aufkommen was die Polizei zu bewältigen hat, da hätte sie enorm was zutun bei Menschen die in Not geraten, um ihre Daten mit der Spaltlampe zu betrachten. Bei einigen Dingen kann man dagegen sein, was sich heutzutage im öffentlichen Dienst entwickelt. Aber, ob das immer gut sein mag für einem selbst bei Not, dass mag dahingestellt sein. Verbesserung bei Hilfe und Rettung, sehe ich als Vorteil. Bei Unfälle werden auch Daten erhoben von der Polizei, manche müssen sogar bis zum Richter weiter wandern.

  • 8 Franziska 1 11.05.2026, 20:15 Uhr

    Denkt man dabei an unsere Senior/innen bei "what3words"? Manche von ihnen haben zwar ein Smartphone, aber mit Apps usw. kommen nicht alle klar. Besonders da, wo viel Sensor und Tasten tippen verlangt wird. Als Alternative sollten alle Senioren, die sich mit Telefon und Handy schwer tun, sich mit einen Notruf-Armband oder als Halskette (zum Bsp. von DRK) ausstatten lassen. Einen Knopf drücken schafft jeder, falls er dazu noch fähig ist. Neben"what3words zusätzlich, bedeutet doppelt abgesichert. Wobei ich noch bemerken möchte, ein höheres Alter fragt nicht mehr nach den Datenschutz? Es benötigt eher Personal das es pflegt.

  • 7 WoWo 11.05.2026, 20:10 Uhr

    Finde ich nicht gut, ich werde diese Funktion deaktivieren M

    Antworten (1)
    • Franziska 1 12.05.2026, 11:06 Uhr

      @WoWo, dann bleibt nur noch den heiligen Geist zu fragen was man tun soll, wie man mit deaktivieren von Funktionen seinen Standort senden kann. Falls Sie ihren Standort auch blockieren, wie wollen Sie „schnell gerettet werden im Notfall“?

  • 6 Ben 11.05.2026, 18:08 Uhr

    Wer hier Datenschutzprobleme sieht, den wünsche ich einen Notfall und er weiß nicht wo er ist. Komisch, dass es bei Blitzer keinen Datenschutzaufschrei gibt. Da haben sich diese Typen, die hier Probleme sehen, noch nicht aufgeregt.

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