Wie Schulen in NRW mit Bedrohungslagen umgehen

WDR 03:15 Min. Verfügbar bis 27.05.2028

Drohmails an Schulen Wie NRW mit zunehmenden Bedrohungen umgeht

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Bedrohungslagen an Schulen haben in Nordrhein-Westfalen zugenommen. Zwar bleiben tatsächliche Gewalttaten selten, doch schon Drohmails oder Schmierereien auf Tischen oder Toiletten lösen bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften große Unsicherheit aus.

Besonders häufig betroffen war zuletzt das Landfermann-Gymnasium in Duisburg. Anfang Mai gehörte die Schule zu mehr als 50 Schulen in NRW, die eine gleichlautende Drohmail erhalten hatten. Die Polizei stufte die Drohung zwar als nicht ernsthaft ein, trotzdem wurde der Schultag begleitet von Polizeistreifen.

Vertrauen in Einschätzung der Polizei

Viele Schülerinnen und Schüler haben solche Situationen inzwischen mehrfach erlebt. "Ich will nicht sagen, dass es Alltag geworden ist. Aber dadurch, dass wir die Situation jetzt schon öfter hatten, gehen viele jetzt auch anders damit um", sagt Schülerin Maya Peter.

Laut Schulleiter Christof Haering sind trotz der Drohmail an diesem Tag gut 60 bis 70 Prozent der Schüler zum Unterricht erschienen, obwohl die Schule dies allen freigestellt hatte. Hier habe sich auch ein gewisses Vertrauen in die Einschätzung der Polizei entwickelt, sagt Haering.

Zwischen Transparenz und Verunsicherung

Für Schulleitungen bedeuten solche Fälle vor allem schnelle Entscheidungen. Eltern informieren, mit Polizei und Schulbehörden abstimmen, gegebenenfalls Distanzunterricht organisieren, oft innerhalb weniger Stunden. Christof Haering setzt dabei auf maximale Transparenz, auch wenn die Polizei die Drohung als harmlos einstuft.

Schulleiter Christof Hearing guckt ernst in die Kamera. Er trägt eine Brille, ein rosa Hemd und ein schwarzes Sakko darüber.

Schulleiter Christof Haering ist es wichtig, so offen wie möglich zu kommunizieren.

"Es gibt auch den ein oder anderen, der meint, dass wir das besser nicht kommunizieren, um nicht so viele Ängste auszulösen. Aber ich glaube immer, dass es ehrlicher ist, das immer zu sagen." Dabei könne er immer auch auf die Einschätzung der Polizei verweisen, die er inzwischen auch schriftlich bekommt. Das sei eine echte Verbesserung, sagt Haering.

Hunderte Fälle im Jahr 2025

Am Landfermann-Gymnasium gingen Bedrohungen zuletzt mehrfach per E-Mail ein. Zuvor gab es laut Schule auch Schmierereien auf Toiletten oder Schultischen, in denen Gewalttaten angekündigt wurden.

Nach Angaben des NRW-Innenministeriums wurden im vergangenen Jahr 652 Fälle von angedrohter Gewalt an Schulen registriert. In 243 Fällen konnten Tatverdächtige ermittelt werden.

Ermittlungen werden schwieriger

Für die Polizei ist die Bewertung solcher Drohungen komplizierter geworden. Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sagt: "Früher ist es so gewesen, dass wir Drohanrufe erhalten haben. Die Leute mussten ein Telefon in die Hand nehmen. Jetzt ist das möglich im Internet, mit VPN-Tunneln und anderen kryptierten Möglichkeiten, Schulen anzusprechen."

Oliver Huth

Oliver Huth warnt vor hohen Strafen.

Die technischen Möglichkeiten erschwerten Ermittlungen erheblich. Dennoch warnt Huth vor den Konsequenzen: "Das sind Straftaten und wenn wir die Täter kriegen, müssen sie sich auch vor Gericht verantworten." Den Tätern drohen dann hohe Strafzahlungen.

Eltern müssen selbst entscheiden

Bereits im Frühjahr 2025 hatten Drohmails in Duisburg dazu geführt, dass an mehreren Schulen Distanzunterricht organisiert wurde. Weil die Schulen aber unterschiedlich agierten und kommunizierten. Das Schulministerium erinnerte danach Schulen noch einmal an die geltenden Abläufe: Selbst wenn Polizei und Behörden eine Gefahr als gering einschätzen, können Eltern selbst entscheiden, ob ihre Kinder an diesem Tag zur Schule gehen.

Für viele Familien bleibt das eine schwierige Situation. "Wir haben es zu Hause viel diskutiert", sagt Schulpflegschaftsvertreterin Andrea van Weelden. "Viele Eltern waren verunsichert und haben gefragt: Schicken wir die Kinder oder nicht?" Man werde mit der Entscheidung oft allein gelassen, sagt sie. "Diese Verunsicherung bleibt einfach."

"Es ist kein Spaß"

Mehrfach konnten am Landfermann-Gymnasium bereits Schülerinnen und Schüler als Verursacher solcher Drohungen ermittelt werden. Konkrete Anschlagspläne gab es nach Angaben der Schule nicht. Dennoch wurden die Beteiligten von der Schule verwiesen. "Meistens wird nämlich gesagt, es war Spaß oder man hat das nicht so gemeint", sagt Schulleiter Haering. "Aber es ist kein Spaß, weil es so viele Betroffene gibt. So viele Kinder, so viele Familien, Eltern, Lehrer, Schulleitung und Polizei. Weil damit Angst produziert wird."

Für Schulen und Behörden geht es deshalb längst auch darum, mögliche Nachahmer abzuschrecken und deutlich zu machen, dass selbst vermeintlich nicht ernst gemeinte Drohungen Konsequenzen haben.

Unsere Quellen:

  • Informationen des Schulministeriums NRW
  • Informationen des Innenministeriums NRW
  • Recherche des WDR-Reporters

Sendung: WDR.de Wie Schulen in NRW mit Bedrohungslagen umgehen, 27.05.2026, 6 Uhr

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