Rettungswagen: Sollen wir uns an den Kosten beteiligen?
Aktuelle Stunde . 29.01.2026. 31:44 Min.. UT. Verfügbar bis 29.01.2028. WDR. Von Jens Eberl.
Wer Sorgen um seine Gesundheit hat, sollte sich nicht auch noch Sorgen ums Geld machen müssen. Deshalb war es bisher üblich, dass die Krankenkassen die Kosten für Krankenwagenfahrten komplett übernommen haben. Das tun sie jetzt nicht mehr. Stattdessen wollen sie nur noch feste Beträge pro Fahrt zahlen. Zu den tatsächlichen Kosten bleibt eine Differenz.
Wie viele andere Städte und Kommunen muss sich jetzt auch die Stadt Bottrop mit diesem Problem beschäftigen. Dort bleiben bei einem Krankentransport rund 90 Euro Differenz, bei einem Rettungstransport gut 200 Euro pro Fahrt. Die Frage ist: Wer soll das bezahlen? Die Städte, die Patienten oder am Ende doch weiterhin die Krankenkassen?
Streitpunkt Fehlfahrten
Der Konflikt zwischen den Krankenkassen und den Kommunen schwelt schon länger. Hintergrund sind Fehlfahrten. Das bedeutet: Ein Krankenwagen kommt, liefert den Patienten aber nicht im Krankenhaus ab. Zum Beispiel, wenn die Behandlung vor Ort ausreichend ist, aber auch wenn der Patient vor Ort oder auf der Fahrt ins Krankenhaus stirbt.
Bisher wurden die Kosten für die Fehlfahrten auf alle komplett ausgeführten Fahrten umgelegt, die Krankenkassen haben sie übernommen. Jetzt tun sie das nicht mehr, mit Verweis auf bundesweite gesetzliche Regelungen im Sozialgesetzbuch.
Bottrop setzt auf eine Übergangslösung bei Krankenwagen-Kosten
Im Dezember hatte dann die Stadt Essen mit ihrem Beschluss, dass die Patienten die Differenz für den Krankenwagen am Januar übernehmen sollen, für einen großen Aufschrei und Verunsicherung gesorgt. Kurz darauf ist die Stadt dann nochmal zurückgerudert - vorerst.
Stadt Bottrop setzt auf Übergangslösung
Die Stadt Bottrop möchte solche Sorgen unbedingt verhindern. "Niemand soll Angst haben, den Krankenwagen zu rufen", sagt Michael Duckheim von der Bottroper Feuerwehr. Deshalb gibt es eine Übergangslösung: Bis Ostern will Bottrop die Kosten für die Krankenwagenfahrten weiterhin komplett übernehmen. Solange bekommt niemand eine Rechnung.
Eine Dauerlösung ist das aber nicht. Bottrop würde es rund zwei Millionen Euro im Jahr kosten, die Differenz dauerhaft zu zahlen. Im klammen Haushalt ist das nicht drin.
Warten auf Gesundheitsministerien
Bottrop setzt jetzt auf zwei Dinge - wie andere Städte auch: Das NRW-Gesundheitsministerium soll sich in den nächsten Wochen mit den Krankenkassen auf eine landesweite Übergangsregelung einigen. Parallel arbeitet das Bundesgesundheitsministerium an einem Gesetz zur Reform der Notfallversorgung. Es soll im ersten Quartal des Jahres ins Kabinett eingebracht werden, bis zum Sommer soll der Bundestag beraten.
Und wenn es zu keiner Einigung kommt? Dann drohen den Patienten am Ende doch Gebühren. Möglicherweise auch Jahre später, denn der Anspruch der Städte auf das Geld bleibt vier Jahre lang bestehen.
Unsere Quellen:
- Stadt Bottrop
- Stadt Essen
- bisherige Berichterstattung des WDR
Sendung: WDR2 Rhein/Ruhr, Lokalzeit, 29.01.2026, 15:31 Uhr