Staatsschutz ermittelt wegen "Führer"-Trikots
WDR. 02:22 Min.. Verfügbar bis 22.06.2028.
Das Public Viewing im Duisburger Lokal "Coupé 1900" sorgt nach der WM-Begegnung am Samstag zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste für viel Wirbel. In einem selbst aufgenommenen und hochgeladenen Video des Lokals in den sozialen Medien ist ein Mann zu sehen, der ein Trikot trägt, auf dem das Wort "Führer" sowie die Zahl "44" zu sehen sind.
Das Video ist am Samstag während der Nationalhymne entstanden. Am Ende der Hymne streckt der Mann seinen rechten Arm mit einer Faust aus. Die Polizei hat mittlerweile Ermittlungen wegen des "Anfangsverdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" aufgenommen, so Polizeisprecherin Julia Tekock.
Trikot schon 2024 in der Diskussion
Der Deutsche Fußball Bund (DFB) und Adidas hatten den Verkauf des pinken EM-Trikots von 2024 mit der Zahlenkombination "44" gestoppt, weil sie in diesem Schriftstil stark an die SS-Rune erinnerten. Die Schutzstaffel "SS" war als Organisation der Hitler-Partei NSDAP im Nationalsozialismus für Terror und Unterdrückung verantwortlich.
Politikwissenschaftler: "Rechtsexremistische Provokation"
Politikwissenschaftler Conrad Ziller von der Uni Duisburg-Essen hält den Auftritt im "Führer"-Trikot mit der Rückennummer 44 für ein bewusstes Statement.
"Es handelt sich um eine ganz offene rechtsextremistische Provokation." Prof. Dr. Conrad Ziller, Politikwissenschaftler
Ziller beschäftigt sich unter anderem mit politischen Einstellungen und Extremismus. Der Fall zeige, "wie versucht wird rechtsextreme Kultur ein Stück weit zu normalisieren".
Ob es sich um eine strafbare Aktion handelt, müsse die Staatsanwaltschaft klären. Das verwenden der SS-Rune sei genau wie das Hakenkreuz verboten. Daneben gebe es in der rechtsextremen Szene viele Zahlen- und Buchstaben-Codes, die für sich stehend "in der Regel nicht strafbar" sind, so Ziller. Es komme allerdings auf den Kontext an.
Betreiber ärgert sich
Bekim Ceka, der Betreiber des "Coupé 1900", ärgert sich. Seine WM-Veranstaltungen würden gut laufen, zwischen 500 und 600 Menschen würden die Veranstaltungen wahrnehmen. Streit habe es nicht gegeben. Nun würde aber ganz Duisburg über das Trikot reden, das ihm und seinem Team nicht aufgefallen sei, so Ceka.
Screenshots von dem Video kursierten schnell bei Instagram und Co. Viele User äußerten ihr Unverständnis darüber, dass der Mann mit der Nummer "44" und dem Aufdruck "Führer" nicht der Gaststätte verwiesen worden sei.
Wirt kündigt Kontrollen an
Inhaber Bekim Ceka ist sauer.
Zum nächsten Spiel am Donnerstag kündigt der Wirt an, beim Eingang kontrollieren zu wollen, was die Gäste auf ihren Trikots stehen haben. Eine Vier würde ihm schon reichen, sagt Ceka. Das "Coupé 1900" sei bekannt dafür, dass sie nicht jeden in ihr Lokal lassen. "Besonders nicht solche, die uns den Abend versauen", sagt der Gastronom.
"Ich glaube, wir haben einen Fehler gemacht, das ist nicht unstrittig", sagt der Großenbaumer SPD-Ratsherr Uwe Ernst. Er ist ein guter Bekannter von Ceka. Die Location stehe für Offenheit, das Publikum repräsentiere viele Nationalitäten. "Ich glaube, dass wir dieses Thema an der Stelle auch abhaken sollten und das genießen, was wir hier haben", sagt Ernst. In Zukunft wolle man aber ein Zeichen setzen und den jeweiligen Gast auf das Fehlverhalten aufmerksam machen, zur Not auch der Gaststätte verweisen.
Bezirksbürgermeisterin entschuldigt sich
Auf dem Video war auch Bezirksbürgermeisterin von Duisburg-Mitte zu sehen. Sabrina Whitley (SPD) hatte am selben Tisch wie der Mann gesessen. Das bestätigt Whitley in einem Instagram-Statement.
"Mit Menschen, die eine rechtsextreme, nationalistische oder diskriminierende Gesinnung hegen, verbringe ich keine Zeit." Sabrina Whitley (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Duisburg-Mitte
Sie habe den Mann aber nicht gekannt. Außerdem habe sie die Rückseite des Trikots nicht gesehen, sondern erst in Social-Media-Posts davon erfahren.
Vorfall auch in Siegen
Auch beim WM-Public Viewing in der Siegener Irle Brauerei gab es am Wochenende einen rassistischen Vorfall. Eine Person soll während der deutschen Nationalhymne den Hitlergruß gezeigt haben.
Die Brauerei hat Strafanzeige gestellt und will mit einem dauerhaften Hausverbot reagieren, wenn die betreffende Person identifiziert wird. Auch hier ermittelt der Staatsschutz.
Bis zu drei Jahre Haft
Das Verwenden verfassungswidriger Symbole ist nach Paragraf 86a des Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Haft belegt. Das gilt laut dem Gesetz ausdrücklich auch für Darstellungen, die verfassungswidrigen Kennzeichen zum Verwechseln ähnlich sind.
Unsere Quellen:
- Polizei Duisburg
- Video des Coupé 1900
- Politikwissenschaftler Prof. Dr. Conrad Ziller
- Inhaber Bekim Ceka
- SPD-Ratsherr Uwe Ernst
- Instagram von Sabrina Whitley, Bezirksbürgermeisterin Duisburg-Mitte
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Brauerei Irle
- Polizei Siegen-Wittgenstein
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 22.06.2026, 17:33 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 22.06.2026, 19:30 Uhr