"Achtung … Achtung … ACHTUNG! Getränke, ich muss hier einmal durch!" Der Weg von der Bar zu den Tischen ist bei so vielen Leuten gar nicht so leicht. In der IRON Cocktail Lounge, einer beliebten queeren Bar in der Kölner Schaafenstraße, ist Freitagabend Karaoke-Nacht. Auf der Bühne singen zwei junge Frauen "Boyfriend" von Justin Bieber. Im Publikum: Chris mit zwei Cocktails auf dem Tablett. "Manchmal muss man dominanter sein,
um hier durchzukommen", sagt er und lacht.
Chris arbeitet seit fast 12 Jahren in der Kölner Bar.
Chris arbeitet als Barkeeper und Servicekraft. Nach seinem Kampf durch die Menge kann er die Getränke sicher überreichen. Seit rund zwölf Jahren – mit Unterbrechungen - arbeitet er in der Bar. "Ein paar Prügeleien gibt es immer mal. Wir hatten auch mal ein Attentat auf unseren Türsteher, das war das Krasseste", erzählt er. "Gebrannt hat es hier aber noch gar nicht."
Stühle, die vor Sicherheitstüren oder Notausgängen stehen, müssen Chris und seine Kollegen sofort wegräumen.
Ein Risiko bleibt: Tischfeuerwerk, das in Deutschland in der Regel erlaubt ist, wird hier bei Kübeln mit Eis und in großen Getränke-Flaschen serviert. So ein Feuerwerk soll auch den Brand in Crans-Montana ausgelöst haben. "Ohne geht es nicht. Die Gäste wollen gesehen werden. 'Hey, ich bin der, der das gerade bekommt. All eyes on me.' Aber wir achten wirklich sehr darauf", sagt Chris. Wenn so ein Kübel serviert wird, gehen immer zwei Kellner zum Tisch, um aufzupassen: "Schau, da ist Deko. Schau da, die hat lange Haare, da hängt eine Jacke. Und dann warten wir, bis das Feuerwerk auch wirklich aus ist."
Kein mulmiges Gefühl beim Feiern
Kurz nach 1 Uhr richten sich alle Augen auf die Bühne. Eben stand dort auch Jova. Er kommt aus Essen, lebt inzwischen in der Schweiz. Seine Schwester studiert in Crans-Montana und war öfter in der Bar, in der es an Silvester gebrannt hatte. "Aktuell belastet sie das noch. Das ist aktuell das Thema an der Uni und nicht so schnell zu vergessen."
Helena und Jova machen sich keine Sorgen, dass in den Clubs und Bars in Deutschland so ein Brand wie in der Schweiz passiert.
Auch Helena ist aus Essen angereist, um mit Jova und ihren Freunden zu feiern. Ein mulmiges Gefühl hat sie wie viele andere in der Schaafenstraße nicht: "Ich habe keine Bedenken, ich vertraue den deutschen Sicherheitsgesetzen. Man muss immer vorsichtig sein beim Feiern. Es gibt tausend Dinge, die passieren können, vor allem als Frau. Aber ich sperre mich deshalb nicht zu Hause ein."
Chris macht sich keine Gedanken über die Sicherheit im Club. Er und seine Kollegen würden alles tun, damit die Leute ohne Sorgen feiern können.
Zurück an der Bar steht Chris hinter dem Tresen und reicht noch Getränke über die Theke. Dann geht es für ihn in den Feierabend. "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Aber die Gäste können sich hier schon wohl und sicher fühlen. Und unsere Gäste haben ein enormes Verantwortungsbewusstsein. Man sollte nicht nur daran denken, wann etwas passiert, sondern das Leben trotz solcher Vorfälle genießen."
Nach dem Brand in der Schweiz: So fühlen sich die Kölner beim Feiern
01:03 Min.. Verfügbar bis 10.01.2028.
Unsere Quellen:
- Interview mit Chris von der IRON Cocktail Lounge
- Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, "Nach dem Brand in der Schweiz: So fühlen sich die Kölner beim Feiern", 10.01.2026, 11.30 Uhr
