Tanzende Menschenmänge in einem Nachtclub

Unglück in der Schweiz: Wie sicher sind Clubs in NRW?

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Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana stellt sich die Frage: Wie sicher sind Clubs in NRW - und wer überprüft den Brandschutz?

Die Schweiz erinnert heute mit einem nationalen Trauertag an die Toten und Verletzten der Brandkatastrophe von Crans-Montana. In einer Bar in dem Ski-Ort waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen, etwa 120 Menschen wurden größtenteils schwer verletzt. In der ganzen Schweiz läuteten deshalb um 14 Uhr die Kirchenglocken. Außerdem gibt es eine Trauerfeier, zu der unter anderem der Bundespräsident des Landes kommt.

Das Feuer in der Schweiz lässt uns mit vielen Fragen zurück. Und die führen auch nach NRW: Nach Schätzungen gibt es im Land knapp 1.000 Bars und Clubs. Welche Auflagen gelten, wer kontrolliert das - und was leisten die Veranstalter?

Brandschutz in Bars, Clubs und Kneipen

WDR Studios NRW 09.01.2026 02:55 Min. Verfügbar bis 09.01.2028 WDR Online


Im Brandfall ist die Musik sofort aus

Blick auf die Bühne im Bollwerk

Das Bollwerk 107 in Moers

Ein Ortsbesuch. Das Bollwerk 107 in Moers ist eine umgebaute Bahn-Güterhalle und heute ein Jugend-Kultur-Zentrum. In der Konzerthalle laufen die Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung. Am Technikpult wird das Bühnenlicht getestet, Mikrofone werden verkabelt und Vorhänge zurechtgerückt. Gilbert Gelsdorf ist der technische Hausmeister im Bollwerk und für den Brandschutz zuständig. Er steckt gerade die letzte Reihe Stühle vor der Bühne ineinander. Durch Metallhaken verkeilen sich die Stühle zu einer langen Reihe. Auch das ist Brandschutz.

Ein Mann blickt in die Kamera

Gilbert Gelsdorf

"Sollte Panik ausbrechen, zum Beispiel bei einem Brandalarm, werden die Menschen hier durch die Halle rennen", sagt Gelsdorf. Die Gefahr dann: dass Stühle umfallen, sich verkeilen, den Fluchtweg versperren. Gelsdorf: "Das kann zu einer Kettenreaktion führen. Dann fällt eine Person und dann die nächste und die übernächste - und auf einmal kommen die Leute nicht aus der Halle raus. Deswegen müssen diese Stühle in der Reihe zusammenbleiben."

Das zentrale Element beim Brandschutz sind die Fluchtwege. Im Bollwerk gibt es in jeder Blickrichtung einen - deutlich markiert, auch im Dunkeln erkennbar. Kommt es zu einem Feuer, wird außerdem die Tonanlage automatisch abgeschaltet. "Damit die Leute auch mitbekommen, dass gerade ein Brandfall herrscht", sagt Gelsdorf.

Brand in Crans-Montana macht Menschen in NRW nachdenklich

Straße mit vielen Lokalen

In der Düsseldorfer Altstadt reihen sich Bars, Clubs, Kneipen über mehrere Straßenzüge dicht aneinander. An Wochenenden ist dies einer der Party-Hotspots in NRW. Denken die Menschen an die Katastrophe in der Schweiz, wenn sie in diesen Tagen feiern gehen? Machen sie sich Gedanken über Brandschutz und Fluchtwege, wenn sie Bars, Clubs, Konzerte besuchen?

"Ob ich gewusst hätte, wie ich da rauskomme? Ich weiß es nicht"

Mann in der Düsseldorfer Altstadt

Fluchtwege habe er "immer auf dem Schirm", sagt ein junger Mann, der mit einem Freund unterwegs ist. Das habe mit dem Beruf zu tun. "Wir sind beide Polizisten in der Ausbildung - dementsprechend schauen wir uns immer, wenn wir irgendwo reingehen, Fluchtwege an und wo man gut rauskönnte." Sein Freund relativiert das etwas. Er fragt sich:

Mann in der Düsseldorfer Altstadt

"Wenn ich dort in der Schweiz gewesen wäre, hätte ich gewusst, wo der Notausgang ist?" Er wisse es nicht, sagt er. Manchmal vergesse man das einfach. Da sei er ganz ehrlich. Und dennoch: Das Thema sei ein ganz wichtiges, eins über das man reden und nachdenken sollte.

"Nur ein Ausgang - wie kann das sein?

Frau spricht in die Kamera

"Wie kann es sein, dass ein Club im Keller ist und es nur einen Ausgang gibt?" Das beschäftige sie schon, sagt eine Frau. Sie vertraue eigentlich darauf, dass alles gut gesichert sei, sagt: "Ich glaube immer an den Menschen, dass das eigentlich alles gut organisiert ist - aber es wäre, glaube ich, schon gut, dass man Fluchtwege im Hinterkopf hat."

Wie funktioniert Brandschutz in NRW?

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana stellt sich auch in NRW die Frage: Wie sicher sind unsere Clubs und Veranstaltungsstätten - und wer kontrolliert das? Dietmar Grabinger ist Vorsitzender des Lenkungsausschusses "Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz" des Verbands der Feuerwehren NRW. Er erklärt: "Es gibt die Sonderbauverordnung, das ist eine baugesetzliche Regelung, die sowohl den Betrieb als auch die baurechtlichen Regelungen in Versammlungsstätten beschreibt."

Diese Vorschriften gelten für Versammlungsstätten ab 200 Personen und regeln unter anderem die verwendeten Baumaterialien. Schaumstoff an die Decke wie in der Schweiz? "Das ist nicht erlaubt nach diesen Regelungen", sagt Grabinger.

Die Sicherheit wird in NRW durch zwei Prüfungen gewährleistet: "Grundsätzlich gibt es für verschiedene Gebäudearten die sogenannte Brandverhütungsschau durch die Feuerwehren", so Grabinger. Sie findet spätestens alle sechs Jahre statt, man habe sich in der Praxis aber auf alle drei Jahre geeinigt. Dabei werden bauliche und betriebliche Aspekte überprüft, etwa Fluchtwege, Brandschutztüren und Feuerlöscher.

Zusätzlich gibt es die wiederkehrende Prüfung durch die Bauaufsicht: "Dabei werden zum Beispiel technische Anlagen überprüft beziehungsweise die Prüfbescheinigungen nachvollzogen." Hier liege der Fokus auf Brandmeldeanlagen, Sprinklern und Rauchabzügen.

Interview mit Branddirektor Dietmar Grabinger

WDR Studios NRW 09.01.2026 04:03 Min. Verfügbar bis 09.01.2028 WDR Online


Verantwortung liegt beim Betreiber

Trotz klarer Regeln und Kontrollen bleibt die Verantwortung beim Betreiber: "Der ist dafür verantwortlich, dass die Personen im Brandfall die Versammlungsstätte verlassen können", sagt Grabinger.

Besucher sollten immer aufmerksam sein: "Wenn in einer Kneipe einfach Feuerwerk abgebrannt wird, dann kann man schon nachdenklich werden, und wenn brennbare Materialien an den Wänden verbaut sind, dann ist es natürlich auch problematisch." Pyrotechnik sei in NRW nur unter strengen Auflagen erlaubt und "nur durch qualifiziertes Personal".

Trockene Palmwedel als Deko - das ist verboten

Das sehen sie in Moers auch so und nehmen es ernst. Einmal jährlich gebe es im Bollwerk eine Brandschutzbegehung zusammen mit der Stadt und der Feuerwehr. Dazu: regelmäßige Schulungen für die Mitarbeitenden. Dabei werde dann etwa geübt, wie man einen Feuerlöscher bedient.

Im Bollwerk zeigt Gilbert Gelsdorf außerdem, was noch alles zum Brandschutz gehört: Vorhänge und Holzträger müssen mit speziellen Salzen behandelt werden, damit sie schwerer entflammbar sind, selbst die Bilderrahmen an den Wänden sind aus Materialien, die nicht schnell anfangen zu brennen.

An den Wänden hängen Schilder, im Raum gibt es mehrere Feuerlöscher. Einschreiten mussten Gilbert Gelsdorf und das Bollwerk-Team zuletzt vor zwei Wochen. Da hatte eine Band getrocknete Palmwedel als Bühnendeko mitgebracht. "Das ist schnell entflammbar, das mussten wir dann auch verbieten, leider."

Unsere Quellen:

  • Reporterin im Bollwerk 107 in Moers
  • Reporterin in der Düsseldorfer Altstadt
  • Interview mit Dietmar Grabinger
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (§ 26 BHKG NRW
  • Prüfverordnung (§ 10 PrüfVO NRW)

Sendung: WDR.de, "Brandschutz in Bars, Clubs und Kneipen", 09.01.2026, 08.43 Uhr

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