Wie sicher sind organisierte Feuerwerke?

Aktuelle Stunde 19.07.2025 31:38 Min. UT Verfügbar bis 19.07.2027 WDR Von Marius-Antonius Brüning

Nach Rheinkirmes-Vorfall: „Wir saßen in der ersten Reihe“

Stand:

Am Tag nach fehlgeleiteten Raketen beim Rheinkirmes-Feuerwerk ist die Stimmung zwiespältig: Augenzeugen kamen zu einer Andacht.

Von Vanessa Kockegei

Innig umarmt Astrid Beicht-Schwaab einen Schützen aus ihrem Verein St. Lambertus. Für sie sitzt der Schock noch tief. Gerade war die Kompanie-Königin mit ihrem Ehemann und König Thomas Schwaab bei einer Andacht für die vielen Verletzten auf der Rheinkirmes - auf dem Festplatz in unmittelbarer Nähe zur gestrigen Unfallstelle. Dort, wo das Feuerwerk querschlug und nahe den Zuschauern explodierte. Astrid Beicht-Schwaab und ihr Mann wurden Augenzeugen.

„Wir saßen direkt in der ersten Reihe und können von Glück reden, dass da der Deich noch war als Erhöhung, der die Raketen abfing. Sonst wären wir auch getroffen worden. Dass so viele verletzt wurden, auch Kinder, ist wirklich hart. Ein mulmiges Gefühl.“ Astrid Beicht-Schwaab, Augenzeugin des Feuerwerk-Vorfalls

Brandloch in der Holztribüne

Außer dem Brandloch auf der Tribühne an der Feuerwerksstelle ist nicht mehr viel zu sehen

Außer dem Brandloch auf der Tribühne an der Feuerwerksstelle ist nicht mehr viel zu sehen

Auch ihr Mann Thomas muss die Geschehnisse noch verarbeiten. Gemeinsam blicken sie zurück auf die Stelle, wo sie gestern noch saßen. Von der Unfallstelle ist nicht mehr viel zu erkennen. Nur auf der Holztribüne, wo zuvor die Drohnenshow gezeigt wurde, klafft ein großes Brandloch.

„Wir hatten den besten Blick auf das Feuerwerk – das hätte ganz böse ins Auge gehen können. Es war gar nicht besonders laut, wie ein normales Feuerwerk. Du konntest nur an dem Lichtschein erkennen, da läuft gerade was ganz kräftig aus dem Ruder.“ Thomas Schwaab, Augenzeuge

Flucht ergriffen, aber ohne Panik

Viele der Zuschauer im VIP-Bereich hätten Angst bekommen, so Schwaab: „Die sind nicht gerannt, aber eben zügig gegangen. Man wollte keine Panik verbreiten.“ Erst als Feuerwehr und Krankenwagen auftauchten, auch oben auf der Brücke, ahnte das Paar, dass etwas Schlimmeres passiert sein musste.

Auf dem Foto sind eine Frau mit asiatischem Aussehen und ein europäisch aussehender Mann, die jeweils ein Kind auf dem Arm haben.

Huong und Julian Quodbach freuen sich, dass sie erst jetzt hier sind.

Die Spurensicherungen der Polizei sind inzwischen abgeschlossen, auch abgesperrt ist die Stelle nicht mehr. Die Kirmes hat wieder geöffnet und läuft nahezu ungetrübt. Auch die vierköpfige Familie Quodbach hat es heute trotz des Unfalls hierher gezogen.

„Ich bin froh, dass wir gestern nicht hier waren. Ist ein komisches Gefühl, gerade mit den Kindern. Aber ich bin jetzt nicht wirklich besorgt.“ Huong Quodbach, Kirmesbesucherin am Tag danach

Viele wollen weiterhin an Feuerwerken festhalten

So geht es auch ihrem Mann Julian Quodbach, der sich wünschen würde, dass es trotz des Vorfalls wieder ein Feuerwerk auf der Rheinkirmes geben wird: „Ich würde trotzdem noch herkommen zum Feuerwerk, das ist einfach eine schöne Tradition. Gerade weil das jetzt passiert ist, werden jetzt sicher die Sicherheitsvorkehrungen erhöht und ich glaube nicht, dass sowas nochmal passieren wird.“

Auf dem ist ein Fußweg der Düsseldorf Rheinkirmes, flankiert von zwei Fahrgeschäften.

Die Rheinkirmes am Tag nach dem Feuerwerk

Die Budenbesitzer nahe dem Feuerwerk haben den Vorfall größtenteils nicht mit eigenen Augen gesehen oder etwas gehört. Eine Panik sei nicht entstanden. Auf Anweisung der Kirmesverwaltung sollen sich die Schausteller am Nachmittag nicht mehr dazu äußern – nur anonym erzählt uns ein Betreiber: „Wir wurden sehr zeitnah im Chat der Düsseldorfer Kirmes informiert. Natürlich ist man betroffen, man wünscht sich, dass alles reibungslos abläuft und hofft nun, dass die Verletzten hoffentlich ohne bleibende Schäden davon kommen.

Andacht auf dem Festplatz

Auf dem Foto sind Menschen, die auf Stuhlreihen sitzen und ernst gucken, darunter der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller.

Die Andacht am Nachmittag, unter anderem mit OB Stephan Keller

Währenddessen vergnügen sich die Besucher wie immer im Breakdancer, gruseln sich eine Runde in der Geisterbahn und naschen von glasierten Äpfeln bis Zuckerwatte. Um 15 Uhr aber halten zumindest einige für 20 Minuten inne: Auf dem Festplatz am Rhein startet die Andacht, zu der auch Thomas und Astrid Beicht-Schwaab gekommen sind.

Trotz des großen Aufruhrs, der Verletzten und des Schocks steht für das Paar fest: Auf das Feuerwerk wollen auch sie nicht ganz verzichten: „Für mich persönlich“ so Thomas Schwaab, „in Kombination mit der Drohnen-Show würde ich das Feuerwerk etwas verkleinern, verkürzen, aber ich würde es nicht ganz abschaffen. Die Sicherheitsstandards, die wir hier in Deutschland haben, die sind schon richtig hoch, aber wie man sieht, egal was man macht, es kann immer mal was passieren.

Unsere Quellen:

  • WDR Reporterin vor Ort
  • Rheinkirmes-Verwaltung
  • Berichte von Augenzeugen und Kirmesbesuchern

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