Ammar Ghouzi wird zum Ersthelfer bei der Rheinkirmes

01:11 Min. Verfügbar bis 19.07.2027

Plötzlich Ersthelfer: Arzt Ghouzi versorgte Feuerwerks-Verletzte

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Eigentlich wollte der Familienvater Ammar Ghouzi nahe der Düsseldorfer Rheinkirmes das abendliche Feuerwerk genießen. Am Ende versorgt der Arzt stundenlang etliche Verletzte am Straßenrand, stoppt Blutungen, versorgt Wunden und beruhigt panische Besucher.

Ammar Ghouzi war am Freitagabend mit seiner Familie in Düsseldorf unterwegs. Sie wollten gemeinsam Richtung Rheinkirmes. Dort wollte sich der Düsseldorfer Facharzt für Kardiologie mit seiner Frau und seinem Sohn das spektakuläre Feuerwerk anschauen. Spät am Abend stehen sie mit vielen anderen Zuschauern auf der Rheinkniebrücke, um einen guten Blick auf das Highlight des Abends zu haben. Es ist sehr voll. Doch dann geht etwas furchtbar schief.

"Wenige Minuten nach Beginn des Feuerwerks zog plötzlich eine große Rauchwolke über die Zuschauer und es war erstmal mucksmäuschenstill. Doch dann brach plötzlich Panik aus." Besucher Ammar Ghouzi

Feuerwerkskörper fliegen statt in den Himmel knapp über die Menschmenge. Menschen schreien, rennen panisch auseinander. Ammar Ghouzi sieht kurz danach bereits Menschen auf dem Boden liegen. Erst dann habe er realisiert, dass dies ein Unfall sein muss.

Mehrere wohl fehlgeleitete Raketen verletzen Zuschauer und der Mediziner Ammar Ghouzi reagiert sofort. Er wird vom Besucher zum Ersthelfer - noch bevor die Rettungswagen am Einsatzort sind. Ghouzi bleibt ruhig, verschafft sich einen Überblick und sieht sofort Verletzte.

"Ich sah Leute mit Verletzungen - in Brust, in Bein und Schultern, tiefe Brandlöcher." Der Mediziner Ammar Ghouzi

Kleidungsstücke, um Wunden abzudrücken

Der Mediziner muss jetzt improvisieren, denn er hat natürlich kein Verbandszeug dabei.

"Ich habe Kleidungsstücke der Verwundeten benutzt, um die Wunden abzudrücken." Ersthelfer Ammar Ghouzi

Ammar Ghouzi hat viel Erfahrung als Ersthelfer. Der Arzt war auch in Kriegs- und Krisengebieten zum Beispiel in Syrien oder der Türkei unterwegs, um Menschenleben zu retten und hat dort viele Verletzte, Getötete und Traumatisierte gesehen. Diese Auslandseinsätze seien die größte Herausforderung gewesen, die er in seinem ärztlichen Berufsleben gehabt habe, erzählte er danach.

Obwohl er schon so viel Leid gesehen hat, bewegt ihn an dem Abend in Düsseldorf vor allem das Schicksal eines kleinen Jungen. Den Zweijährigen trifft eine Rakete im Gesicht. "Das Kind hatte eine schwere tiefe Verletzung im Gesichtsbereich und auch eine direkt an der Halsschlagader. Er hat viel Blut verloren. Die Angehörigen waren aufgelöst, das Kind hat geschrien und war schwer zu beruhigen." Er hätte sein Augenlicht verlieren können, sagt der Notfallmediziner.

Sohn hilft bei Erstversorgung

Polizisten versorgen den Ersthelfer wenig später mit Verbandsmaterial aus ihren Motorrädern bis die ersten Rettungskräfte nach 15 Minuten dann eintreffen. Menschen, die sehen, dass Ammar Ghouzi Verletzen hilft, bitten ihn darum, sich auch um andere Verletze zu kümmern.

Ammar Ghouzi mit seinem Sohn im Interview am Rheinufer

Ammar Ghouzi mit seinem Sohn

Und noch jemand steht Ammar Ghouzi an diesem Abend zur Seite - sein Sohn Hamza. Der 13-Jährige leuchtet im Dunkeln mit seinem Handy auf die Wunden der Verletzen, er reißt Verbandspakete auf und kümmert sich um eine Dame, die völlig apathisch am Straßenrand sitzt. "Ich musste erstmal vertiefen, was genau passiert ist", erzählt er am Tag danach.

Auch den schwer verletzen Zweijährigen beruhigt es offensichtlich, dass noch ein anderer Junge dabei ist, als Mediziner Ghouzi ihm einen Verband anlegt.

"Schwarzer Tag für Düsseldorf"

Als Vater und Sohn gemeinsam die Verletzten versorgen, weiß noch niemand genau, was wirklich passiert ist. Später heißt es, dass Raketen vermutlich durch eine umgestürzte Startrampe fehlgeleitet worden sein könnten. Mindestens ein Querschläger detonierte während des Feuerwerks knapp über der Menschenmenge. Die Bilanz des Abends: 19 teilweise schwer verletzte Menschen.

"Es ist ein schwarzer Tag für Düsseldorf", sagt Ammar Ghouzi.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Ersthelfer Ammar Ghouzi

Über dieses Thema berichten wir auch in der Aktuellen Stunde im WDR Fernsehen um 18.45 Uhr.

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