Trotz langfristige Krankschreibung, Lehrer macht bei Kochshows mit | Aktuelle Stunde
03:21 Min.. Verfügbar bis 27.10.2027.
Kochshows im TV statt Klassenzimmer: Verfahren gegen Lehrer aus NRW
Stand:
Ein Lehrer aus NRW tritt in Kochshows auf, obwohl er seit langer Zeit krankgeschrieben ist. Nun gibt es ein Disziplinarverfahren.
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Jetzt mitdiskutierenDer Mann soll während einer rund einjährigen krankheitsbedingten Auszeit in zwei Kochshows im Fernsehen aufgetreten sein. Das bestätigte die zuständige Bezirksregierung Köln der Deutschen Presse-Agentur. Gegen den Lehrer wurde inzwischen ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Genauere Angaben wollte die Bezirksregierung aber nicht machen, "da es sich bei Disziplinarangelegenheiten um streng vertrauliche Personalmaßnahmen handelt."
Lehrer antwortete Bezirksregierung fristgerecht
Lehrer unterrichtet in einem Klassenzimmer (Symbolbild).
Die Bezirksregierung hatte den Lehrer zunächst um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. So wollte man unter anderem klären, ob die Shows während der Krankschreibung ausgestrahlt oder tatsächlich aufgezeichnet worden waren. Der Lehrer antwortete nach Angaben der Bezirksregierung fristgerecht.
Disziplinarverfahren eingeleitet
Im Anschluss wurde dann das Disziplinarverfahren eingeleitet. Mit einem Disziplinarverfahren prüft der Staat, ob Beamte Dienstvergehen begangen haben. Wird das bejaht, drohen beamtenrechtliche Konsequenzen - wie etwa, dass Bezüge gekürzt werden. Das Verfahren kann aber auch eingestellt werden, wenn sich der Verdacht nicht erhärtet.
Was Beamte dürfen, wenn sie krankgeschrieben sind
Nach Paragraf 26 BeamtStG und Paragraf 33 LBG NRW sind Beamtinnen und Beamte dienstunfähig, wenn diese wegen ihres körperlichen Zustandes oder aus gesundheitlichen Gründen ihre Dienstpflicht dauerhaft nicht erfüllen können. Beamte müssen dann in der Regel zum Amtsarzt. Während der Krankschreibung dürfen sie alle Aktivitäten ausüben, die ihrer Genesung nicht schaden. Dazu gehören zum Beispiel Arztbesuche, Einkäufe und Spaziergänge. In bestimmten Fällen sind auch Reisen erlaubt - vorausgesetzt sie verzögern die Genesung nicht.
Lehrerin aus Duisburg war 16 Jahre lang krankgeschrieben
Das Berufskolleg in Wesel.
Der aktuelle Fall erinnert an eine Lehrerin aus Duisburg. Sie unterrichtete am Berufskolleg in Wesel. Seit 2009 war sie wegen psychischer Probleme krankgeschrieben. In den 16 Jahren erhielt sie die vollen Bezüge. Zum Amtsarzt musste sie in all den Jahren nie. Als sich das Anfang des Jahres durch einen Wechsel in der Sachbearbeitung änderte, klagte die Frau - wodurch der Fall überhaupt publik wurde. Und das ist kein Einzelfall: Auch in Bornheim sollen zwei Lehrkräfte einer Gesamtschule seit Jahren aufgrund von Krankheit mit vollen Bezügen fehlen.
FDP-Opposition fordert wirksamere Überprüfungen
FDP-Vizefraktionsvorsitzende im Landtag, Franziska Müller-Rech.
FDP-Vizefraktionschefin Franziska Müller-Rech fordert von der Landesregierung, diese Fälle nicht als Einzelfälle abzutun. "Was jetzt zählt ist, dass wir genau diese Fälle aufklären und vor allem zu verhindern, dass so etwas in Zukunft wieder vorkommt", sagte Müller-Rech im WDR.
Sie erwartet, dass die Landesregierung eine Strategie vorlegt, dass solche Fälle künftig vermieden und Dienstunfähigkeiten schneller geprüft werden. Müller-Rech kritisierte als bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion auch ein "großes Ungleichgewicht zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern, die Lohnfortzahlungen bis zum 42. Tag bekommen." Heißt, dass Tarifbeschäftigte im Lehramt nach sechs Wochen Krankheit keinen Lohn mehr bekommen. Stattdessen gibt es dann einen Krankengeldzuschuss.
Über tausend Beamte im schulischen Bereich länger krankgeschrieben
Die Zahl der Langzeiterkrankten ist hoch. Aus einem aktuellen "Lagebild zu Langzeiterkrankungen bei Landesbeamten" gehen diese Zahlen zur Dauer von Krankschreibungen im Geschäftsbereich des Schulministeriums hervor:
- 745 Beamte seit mehr als sechs Monaten
- 582 Beamte mehr als ein Jahr
- 47 Beamte länger als drei Jahre
- 14 seit mehr als fünf Jahren
Von diesen 1.388 Personen mussten laut Land bisher 772 zum Amtsarzt - also etwa 55 Prozent.
Schulministerium prüft Umgang mit Langzeiterkrankungen
Ein Sprecher des Schulministeriums sagte, die Landesregierung werde "die jüngsten Debatten zum Anlass nehmen, zu prüfen, inwieweit die Abläufe und Verfahrensweisen im Umgang mit langzeiterkrankten Beamtinnen und Beamten im Interesse aller Beteiligten optimiert werden können".
Unsere Quellen:
- Deutsche Presse-Agentur (dpa)
- WDR Recherche
- Info Beihilfe
- Verband Bildung und Erziehung - Landesverband NRW
16 Kommentare
Kommentar 16: Ötzi schreibt am 27.10.2025, 22:16 Uhr :
Da muß sich ja jeder, der ehrlich arbeitet ziemlich bescheuert vorkommen! Oder als Vorbild für Kinder und Jugendliche gelten! Bitte diesen Wildwuchs eindämmen!!
Kommentar 15: Ruhri schreibt am 27.10.2025, 10:39 Uhr :
Die Stadtbild-Debatte kann auf die Schule in der Stadt ausweiten. In der Brennpunktschule braucht man robuste Typen, sonst sind psychische Probleme dauerhaft vorprogrammiert. Weltverbesserer unter den Lehrern können nur in den reichen Stadtvierteln arbeiten, die gerne als Vorbild gezeigt werden. Es gibt aber zu wenig robuste Lehrer für Schulen mit größeren Problemen und Zwangsversetzung macht krank, innere Kündigung ist dann auch kein Ausweg auf Dauer. Anspruch und Wirklichkeit passen nicht. Symptome beklagen ohne Ursachen zu ergründen ist nur die halbe Arbeit. Ein Blick auf die Seiten der Lehrergewerkschaft GEW und GEW NRW hilft dabei auch nicht weiter.
Kommentar 14: Neti schreibt am 27.10.2025, 08:16 Uhr :
Die Personen, die eine nachweisliche Erkrankung haben, sind nicht das Problem. Warum sträubt sich die Dame, die seit 16 Jahren volle Bezüge erhält, gegen einen Besuch beim Amtsarzt? Lobenswert, dass durch Wechsel der Zuständigkeit dieser Fauxpas aufgedeckt wurde. Und ein Jahr nicht arbeiten zu können, sich dann aber dem Stress einer Kochsendung im TV aussetzen zu können. Gut & erforderlich, an dieser Stelle nachzuhaken. Vielleicht gibt es ja Erklärungen dafür?! Mich regt auf, dass im öff. Dienst soviel durchgewunken wird, während man in anderen Branchen sich abrackert für sein Geld.
Kommentar 13: Yvonne schreibt am 26.10.2025, 23:27 Uhr :
Es ist vor allem nicht so einfach, als Beamter in den Lehrberuf nach längerer Krankheit wiedereinzugliedern. Es gibt kein Recht auf stufenweise Wiedereingliederung. Und man muss auch aus einer Teilzeitstelle mit 12 Stunden teils eine Klasse als Klassenlehrer übernehmen. Eine Teilzeitstelle steht einem nur zu, wenn man Kinder unter 12 Jahren hat. Meist muss also eine volle Stelle angetreten werden und es droht als Beamter auch eine Verletzung, je nach Bedarf. Man kann neben dem Ruhestand auf Zeit auch arbeiten, wenn es nicht in einem ähnlichen Bereich ist wie als Lehrer. AU oder BU bzw. Dienstunfähigkeit besteht auch immer spezifisch bzgl. einer Tätigkeit, nicht generell.
Kommentar 12: Gilda schreibt am 26.10.2025, 20:56 Uhr :
Gottseidank sind nicht alle Lehrer verbeamtet . Sonst würden die Kinder ohne Lehrer dastehn . Wenn ich dann lese 16 Jahre krank , fleißig weiter Geld bekommen ohne zum Amtsarzt zu gehen ist schon ein starkes stück. . Da sollten mal Gelder zurück gezahlt werden . Den kleinen Mann hätten sie schon längst zur zurückzahlung aufgefordert oder ins Gefängnis gestoppt .
Kommentar 11: Peter schreibt am 26.10.2025, 18:08 Uhr :
Keine Lehrkräfte mehr zu Beamten befördern, dann legt diese Problematik von selbst. Gibt es in anderen Ländern auch nicht!
Kommentar 10: Baya schreibt am 26.10.2025, 17:52 Uhr :
Da sieht man doch ganz klar die Ungerechtigkeit Als nichtverbeamteter bekommt man 6 Wochen Lohnfortzahlung und anschliessend maximal 18 Monate Krankengeld in Höhe von 70% des normalen Lohnes. Anschliessend springt eventuell das Arbeitsamt ein. Hat man einen verdienenden Partner fällt auch das Amt aus und man bekommt nichts.
Kommentar 9: Rio Raven schreibt am 26.10.2025, 17:21 Uhr :
Bin kein kein Lehrer, kein Beamter, aber ich lasse mich nicht für BLÖD verkaufen, vom interessengeleitetem Polit-Medialem Komplex, der die Bevölkerung spalten will, um von der öbzönen Vermögensungleichheit im Land abzulenken. Die Milliardäre werden indessen immer zahlreicher, und von deren Profitgier wird mit solchen Neidkampagnen, innerhalb des unteren Sektors der Gesellschaft abgelenkt. Altes Spiel_Teile und herrsche!
Kommentar 8: Albert Schumacher schreibt am 26.10.2025, 17:21 Uhr :
Es ist aus meiner Sicht nicht so einfach zu beurteilen. Jedenfalls ist es eine sehr dumme Aktion des Lehrers gewesen. Wenn sich heraustellt, dass er auch diensttauglich gewesen wäre, ist dieser zu entlassen und seine Pensionsansprüche sind zu streichen.
Kommentar 7: W. Thelen schreibt am 26.10.2025, 17:14 Uhr :
Es ist traurig, wenn Lehrer ihr Beamtentum ausnützen. Unsere Kinder brauchen den Unterricht, haben immer mehr Ausfallstunden. Wenn man Beamter ist , ist man unkündbar und hat sämtliche Vorteile. Sie bekommen hohe Pensionen , da kann man schon mal auf Kosten des Staates leben. Es wird Zeit, dass das überprüft wird. 4
Kommentar 6: Michael schreibt am 26.10.2025, 17:06 Uhr :
Bei über 280.000 Beamten in NRW sind die knapp 1.400 Langzeiterkrankten gerade mal 0,5 %. Die krebsbedingte Sterberate lag im Landesdurchschnitt bei 289 Sterbefällen je 100.000 Einwohner (Stand 2020), also bei 0,3 %. Allerdings auch Rentner und Pensionäre eingerechnet. Auch wenn nicht alle langzeiterkrankten Beamten Krebs haben, so ist die Differenz von 0,3 % zu 0,5 % sicherlich kein Anlass, etwas zu skandalisieren. Der Weg zu mehr Gleichbehandlung zwischen allen Beschäftigtengruppen, der im Artikel als FDP-Votum beschrieben wurde, könnte aber trotzdem angegangen werden. Und nebenbei: Es bräuchte mehr Beschäftigte in der Prüfung derartiger Fälle, um zeitnäher eine Amtsarztbetrachtung einzufordern. Aber wer möchte schon mehr Personal im öffentlichen Dienst? Ich schon für hinreichende Kontrollfunktionen vom Gesundheitsamt über Brückenbau bis zu ....