Collage von unterschiedlichen Tankkunden

"Abzocke, Unverschämtheit": Tankkunden ärgern sich über hohe Spritpreise

Stand:

Die Sprit-Preise steigen weiter an. Viele Autofahrer müssen beim Tanken mehr als zwei Euro pro Liter bezahlen. Ein Stimmungsbild aus Köln.

"Ich hab tatsächlich gerade einen Schock bekommen", sagt Autofahrerin Mira, als sie an einer Kölner Tankstelle aus dem Auto steigt. Am liebsten hätte sie nicht getankt: "Aber ich muss, weil ich hab meinen Tank jetzt so leer gefahren, dass ich jetzt mit meinem Hund nicht mehr Gassi fahren kann".

Autofahrerin Mira aus Köln

Autofahrerin Mira hätte das Tanken lieber vermieden

Als sie vom Bezahlen zurückkommt, springt die Anzeigetafel gerade um. "Mist! Jetzt ist es wieder ein paar Cent günstiger geworden", ärgert sie sich. Erst tanken, wenn es nicht mehr anders geht - so scheinen es am Montag einige Kölner zu halten. Die meisten fahren an der Tankstelle vorbei, höchstens mal ein kurzer Blick auf die Preise, die keinen so richtig begeistern. Zwischenzeitlich liegen alle vier angebotenen Spritsorten bei mehr als zwei Euro pro Liter.

"Abzocke, Unverschämtheit": Tankkunden ärgern teure Spritpreise in Köln

WDR Studios NRW 10.03.2026 02:57 Min. Verfügbar bis 09.03.2028

Uber-Fahrer vergleichen Preise mit Apps

Uber Fahrer Heijrat Salarzei aus Köln

Uber-Fahrer Heijrat Salarzei vergleicht Preise mit einer App

Ein Uber-Fahrer rollt ganz langsam, offenbar noch unentschlossen auf das Tankstellen-Gelände. Ein paar Meter vor der Zapfsäule hält Heijrat Salarzei an und nimmt sein Smartphone in die Hand. Er vergleicht noch schnell die Preise mithilfe einer App. Eine Ansage seines Chefs: "Wir sollen jetzt immer gucken, wo man günstig tanken kann. Ansonsten ist er gezwungen, zwei, drei Autos von der Flotte abzumelden. Weil er keinen Gewinn, sondern Verlust macht".

Tankkunden sprechen von "Abzocke" und "Unverschämtheit"

In der Tankstelle hat die Mitarbeiterin an der Kasse Verständnis für den Ärger der Kunden: "Die sagen natürlich 'Abzocke', 'Unverschämtheit' und sie schimpfen. Aber ich schimpfe selber ja auch, ich muss ja auch tanken", beschwert sie sich.

Der Tankstellen-Interessenverband hat zuletzt betont, die Pächter würden an den "sprudelnden Gewinnen" der Ölkonzerne nicht beteiligt. Stattdessen bekomme man den Ärger der Verbraucher ab - und nur ein oder zwei Cent Provision je verkauftem Liter Sprit.

Gewinnmitnahme der Ölkonzerne?

Nirgendwo in Europa seien die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland, so der Verband in der "Rheinischen Post". Ein Sprecher vermutete, die Konzerne wüssten, dass sie von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) nichts zu befürchten hätten. Der Wirtschaftsverband "Fuels und Energie" hatte dagegen betont, von einer Gewinnmitnahme könne keine Rede sein.

Doch auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil warf den Mineralölkonzernen seit Ausbruch des Krieges "Preistreiberei" vor. Er halte das für "unanständig", sagte der SPD-Politiker. Hier dürfe die Politik nicht zuschauen. Es brauche deutlich mehr Transparenz, um Verbraucher zu schützen.

Allerdings ist die Politik auch mitverantwortlich dafür, dass die Spritpreise so hoch sind. Denn sie setzen sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Steuern und Abgaben können dabei mehr als die Hälfte des Preises ausmachen.

Das Bundeskartellamt hatte vor einigen Tagen erklärt, wenig gegen die stark steigenden Spritpreise tun zu können. Nach Forderungen zu einer genaueren Kontrolle betonte Kartellamtspräsident Andreas Mundt, es gebe "kein Instrumentarium gibt, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern."

Furcht vor weiter steigenden Spritpreisen

Autofahrer Thorsten Harth in Köln

Thorsten Harth rechnet mit noch höheren Preisen

Bei vielen Tankstellen-Kunden gibt es die Sorge, dass die Spritpreise weiter nach oben klettern könnten. Auch Thorsten Harth befürchtet, dass die Preise weiter steigen und "wir uns in Richtung 2,30 Euro pro Liter bewegen. Wir müssten uns mal mehr mit Elektromobilität auseinandersetzen, um einfach diese Abhängigkeiten zu vermeiden", findet er.

Weniger abhängig ist auch Kundin Ruth, die ohnehin so wenig wie möglich mit dem Auto fährt. Wenn möglich, ist sie mit ihren Kindern mit dem Lastenfahrrad unterwegs, erzählt sie, während sie den Preis an der Zapfsäule nicht aus den Augen lässt.

Azubi: "Ist alles zu teuer"

Autofahrerin Valentina in Köln

Valentina und ihre Tochter sind verzweifelt

Valentina kommt mit einem großen Auto auf das Tankstellengelände gefahren. Als Reinigungskraft arbeitet sie in verschiedenen Städten und fährt pro Tag oft knapp 100 Kilometer. Einige Jobs nimmt sie jetzt aber nicht mehr an, weil sich die Anfahrt nicht lohnt. Ein Großteil ihres Gehalts müsste sie in Benzin stecken, sagt sie, und deutet auf die Zapfsäule neben sich.

Im Wagen sitzen zwei ihrer vier Kinder. Die 19-jährige Agata steckt noch in der Ausbildung und will eigentlich bald ihren Führerschein machen, erzählt sie. Die steigenden Preise schrecken sie aber ab: "Man muss schon richtig gut verdienen, um sich das zu leisten. Deswegen würde ich es mir überlegen mit dem Führerschein und mit den Spritpreisen. Ist alles zu teuer".

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Interviews mit Autofahrern

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 10.03.2026, 06.00 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Rheinland

1 / 2