In Düsseldorf drohen Kürzungen bei vielen Sozialprojekten

Lokalzeit aus Düsseldorf 11.03.2026 02:27 Min. Verfügbar bis 11.03.2028 WDR

In Düsseldorf drohen Kürzungen bei vielen Sozialprojekten

Stand:

Die Stadt und die schwarz-grüne Ratsmehrheit wollen wegen der schlechten Finanzlage im Sozialen sparen. Viele Träger sind besorgt.

In Düsseldorf drohen wegen der angespannten Haushaltslage Kürzungen bei zahlreichen Sozialprojekten. Das sorgt bei vielen betroffenen Trägern und Initiativen für Unmut und Sorgen.

Auf die Kürzungen hat sich die Ratskoalition aus CDU und Grünen im Zuge der Haushaltsberatungen verständigt. Der Haushalt für dieses Jahr soll kommende Woche im Rat beschlossen werden.

"STAY" sieht Versorgung von Flüchtlingen gefährdet

"Mit Erschrecken" hat die Flüchtlingsinitiative "STAY!" erfahren, dass die Gelder für ihr Projekt "Medinetz" um 55.000 Euro gekürzt werden sollen. Dadurch sei die weitere medizinische Versorgung von Flüchtlingen gefährdet. "Schon jetzt müssen wir diskutieren, ob wir uns zum Beispiel die dringend notwendige Operation eines Patienten, der am grünen Star erkrankt ist, dann noch leisten können", erklärt Mitarbeiterin Katarina Lazarevic.

"Ohne Vorankündigung" müsse man notwendige Behandlungen reduzieren und könne auch viele notwendige Operationen nicht mehr finanzieren, heißt es von der Initiative weiter. Auch die Liga Wohlfahrt, in der viele Sozialverbände zusammengeschlossen sind, mahnte "Transparenz und eine sehr frühzeitige Einbindung in die Haushaltsgespräche" an.

Grüne: "Schwierig, immer gute Kompromisse zu finden"

Ein großer Ratssaal, in dem Menschen zwischen den Bänken herumlaufen

Der Düsseldorfer Rat entscheidet über die Sozialausgaben

Die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen verteidigte die Kürzungspläne. "Es war schwierig, immer gute Kompromisse zu finden. Die Gefahr der Haushaltssicherung schwebt über unseren Köpfen. Uns ist eine gute soziale Infrastruktur in der Stadt wichtig", betonte Frieda Niewald von den Grünen im Sozialausschuss.

Trotzdem müssen nun voraussichtlich viele soziale Projekte und Einrichtungen wohl mit weniger Geld auskommen: Von der Frauenberatungsstelle über das Frauenhaus der AWO bis zum Beratungsangebot für Transsexuelle. Das empört unter anderem die Linke: "Projekte für Menschen, die Unterstützung brauchen - das sind für CDU und Grüne ‘freiwillige Leistungen’ der Stadt, die man kürzen kann", ärgert sich Ratsherr Matthias Poczatek.

Wohlfahrtsliga: Förderanträge sind keine Wunschlisten

Liga-Wohlfahrt-Sprecherin Anna Gockel-Gerber im Porträt.

Liga-Wohlfahrt-Sprecherin Anna Gockel-Gerber

Die Liga Wohlfahrt betont, dass die gestellten Förderanträge keine Wunschlisten darstellten, sondern die tatsächlichen Bedarfe der Einrichtungen wiederspiegelten. 85 Förderanträge über insgesamt 13,5 Millionen Euro seien gestellt worden, das entspreche gerade einmal 0,3 Prozent des gesamten Düsseldorfer Haushalts, erklärte Liga-Sprecherin Anna Gockel-Gerber.

Eindringlich warnt sie vor möglichen Folgen der Kürzungen: "Das sind keine ausufernden Forderungen, das ist unabdingbar zur Sicherung der sozialen Grundstruktur unserer Stadt. Denn wo verlässliche Sozialstrukturen fehlen, entstehen Spannungen." Endgültig über die Sozialausgaben entscheiden wird der Rat in seiner Haushaltssitzung in der kommenden Woche. Die Stadt rechnet für dieses Jahr mit einem Defizit von fast 360 Millionen Euro.

In Düsseldorf drohen Kürzungen bei vielen Sozialprojekten

11.03.2026 00:44 Min. Verfügbar bis 10.03.2028

Unsere Quellen:

  • Haushaltsentwurf 2026 der Stadt Düsseldorf
  • Förderanträge der sozialen Träger
  • Düsseldorfer Ratsfraktionen
  • Liga Wohlfahrt Düsseldorf
  • Flüchtlingsinitiative "STAY!"

Sendung: WDR.de, In Düsseldorf drohen Kürzungen bei Sozialprojekten, 11.03.2026, 6.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 11.03.2026, 19:30 Uhr

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