Viele Postzusteller in und um Bonn dürften ihre Kollegen Joel-Jan Hoffmann und Thomas Rosin gerade beneiden. Bis zur Sperrung der Nordbrücke waren die beiden an ihren Arbeitstagen noch ähnlich lange unterwegs wie die Postautos, die durch Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis fahren.
Die Autos aber brauchen inzwischen wegen der vielen Staus zum Teil deutlich länger. Hoffmann und Rosin können dagegen jeden Tag auf dem Fahrradweg mit ihren Elektro-Lastenrädern und einem Lächeln im Gesicht an den stehenden Fahrzeugen einfach vorbeiziehen.
"Meine Kollegen kommen jeden Abend sehr genervt an, weil die wegen der Brücke zum Teil arge Probleme haben." Postzusteller Joel-Jan Hoffmann
Post reagiert auf das Verkehrschaos wegen der Nordbrücke
Drei elektrobetriebene "Rytle MovR-Lastenräder" waren bisher in der Bonner Innenstadt unterwegs. Jetzt kommen drei weitere dazu. Die hat die Bonner Post-Niederlassungsleiterin Juliane Thiemann direkt nach der Sperrung der Brücke bestellt und ist froh, dass sie schnell geliefert werden konnten.
Die Elektroräder hätten den deutlichen Vorteil, dass sie am Stau vorbeifahren könnten, so Thiemann. Sie sollen nun auch in der Bonner Altstadt für die Zustellung von Briefen und Paketen eingesetzt werden.
Postzusteller tauschen Arbeitsplätze
Das erste Mal stehen viele der rund 3.000 Zusteller der Niederlassung Bonn schon frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit im Stau. Deshalb versuche man jetzt auch, Zustellbezirke zu tauschen, berichtet Thiemann dem WDR. Wer zum Beispiel rechtsrheinisch wohnt, wie auch Joel-Jan Hoffmann aus Bad Honnef, soll auf Wunsch im besten Fall auch rechtsrheinisch arbeiten können - und umgekehrt. Seit feststeht, dass die Nordbrücke länger gesperrt bleibt, dürften die Anfragen für einen Arbeitsplatztausch wohl noch steigen.
Post setzt mehr Personal ein
Nach dem Stau zur Arbeit folgen die Staus während der Arbeit. Je nach Gebiet schaffen die Zusteller deshalb kaum noch die früher üblichen Mengen an Paketen und Briefen. Deshalb will Niederlassungsleiterin Thiemann jetzt an einigen Standorten mehr Personal einsetzen, um die Probleme abzufedern.
Liefer-Routen werden umgeplant
Auch die Routen der großen Lkw, mit denen Briefe und Pakete in die jeweiligen Niederlassungen gebracht werden, musste die Post wegen der Brücke schon mehrfach ändern. Früher sind die großen Fahrzeuge über die Nordbrücke gefahren. Nach dem Verbot für schwere Lkw im Februar hatte man auf kleinere Lastwagen bis 7,5 Tonnen gesetzt, die weiterhin über die Brücke durften.
Das bedeutete zwar mehr Personal, aber geringere Umwege. Jetzt werden wieder große Lkw eingesetzt, die von Köln aus sogar schon über die Rodenkirchener Brücke auf die andere Rheinseite fahren müssen. Das bedeutet größere Umwege.
Post bittet um Verständnis
Auch in den kommenden Wochen und Monaten werde man weiterhin versuchen, zu optimieren, heißt es von der Post. Zum Beispiel werden die Briefe schon früher sortiert, damit die Lkw möglichst früher loskommen und so die Zeitverluste durch Staus etwas ausgleichen können.
Trotzdem werde es nicht ausbleiben, dass es bei Briefen und Paketen vor allem im Postleitzahlbereich 53 zu Verspätungen kommen kann. "Wir hoffen da auch auf Nachsicht bei den Kundinnen und Kunden", sagt Niederlassungsleiterin Thiemann.
Post hat Probleme bei der Zustellung
WDR. 21.06.2026. 00:52 Min.. Verfügbar bis 21.06.2028.
Unsere Quellen:
- Mitteilung Deutsche Post
- Interview mit Juliane Thiemann, Post-Niederlassungsleiterin Bonn
- Interview mit Joel-Jan Hoffmann, Post-Zusteller
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 22.06.2026, 19:30 Uhr.
Sendung: WDR.de, Post hat Probleme bei der Zustellung, 22.06.2026, 5:02 Uhr.