Rettungskräfte vor dem Haus

Prozess um mutmaßlich eingesperrtes Mädchen: Mutter versucht Suizid

Stand:

Der Prozess um ein eingesperrtes Mädchen in Attendorn wurde erneut unterbrochen. Die angeklagte Mutter hatte versucht, sich das Leben zu nehmen. Das hat das Landgericht Siegen bestätigt.

Eigentlich hätte die Verhandlung am Donnerstagvormittag beginnen sollen. Doch die drei Angeklagten waren nicht da. Die Mutter und die Großeltern fehlten unentschuldigt. Daraufhin fuhr die Polizei zur Wohnung der Familie in Attendorn, um sie zum Prozess im Siegener Landgericht zu bringen.

Mutter des eingesperrten Mädchens begeht Suizidversuch

Wenig später gab die Vorsitzende Richterin bekannt, dass die Mutter des eingesperrten Kindes am Vormittag versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Ihr Zustand sei lebensbedrohlich. Sie werde im Moment im Krankenhaus behandelt. Auf eine Vorladung der mitangeklagten Großeltern des Kindes verzichtete die Richterin.

Prozess um mutmaßlich eingesperrtes Mädchen: Mutter versucht Suizid

WDR Studios NRW 15.01.2026 00:47 Min. Verfügbar bis 15.01.2028 WDR Online

Mädchen soll fast ihr gesamtes Leben eingesperrt gewesen sein

In dem Prozess vor dem Siegener Landgericht geht es um ein heute zwölf Jahre altes Mädchen aus Attendorn, das fast ihr gesamtes Leben eingesperrt gewesen sein soll. Laut der Staatsanwaltschaft hat es keinen Kindergarten oder eine Schule besucht und keinen Kontakt zu Gleichaltrigen gehabt.

Im Herbst 2022 wurde die damals Achtjährige von den Behörden aus dem Haus der Großeltern befreit. Dort soll sie mit ihrer Mutter über sieben Jahre isoliert gelebt haben. Dadurch hat das Kind soziale und motorische Entwicklungsstörungen entwickelt. Das zeigen ärztliche Untersuchungen.

Mutter und Großeltern angeklagt

Im Mittelpunkt der Anklage steht die Mutter des eingesperrten Mädchens. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr eine Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie Freiheitsberaubung, die Entziehung Minderjähriger, Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor.

Die Großeltern des Mädchens müssen sich wegen Beihilfe vor Gericht verantworten. Sie sollen ihrer Tochter das Haus zur Verfügung gestellt, Besorgungen für diese erledigt und die Lüge, die Tochter halte sich in Italien auf, verbreitet haben.

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt

Das Hilfetelefon ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr unter 08000 116 016 erreichbar.

Der Weiße Ring bietet ebenfalls einen anonymen Telefondienst unter 116 006 sowie eine Online-Beratung.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Verhandlung schon einmal verschoben

Der Prozess wurde zuletzt schon einmal verschoben, weil der Großvater des Kindes unentschuldigt gefehlt hatte. Laut seinen Verteidigern, weil er seit Neujahr im Krankenhaus war. Ein ärztliches Attest lag nicht vor.

Ein weiterer Verhandlungstermin wurde wegen Glatteis abgesagt. Nach dem Selbstmordversuch der Mutter soll der Prozess jetzt Anfang Februar weitergehen.

Unsere Quellen:

  • Landgericht Siegen
  • Staatsanwaltschaft Siegen
  • Feuerwehr Attendorn

Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 15.01.2025, 12:31 Uhr

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