Blick durch Gebüsch auf ein Einfamilienhaus.

Prozess um mutmaßlich eingesperrtes Mädchen aus Attendorn geht weiter

Stand:

Im Prozess um ein mutmaßlich sieben Jahre lang eingesperrtes Mädchen aus Attendorn könnten am Donnerstagvormittag die drei Angeklagten aussagen. Das teilte der Verteidiger der Hauptangeklagten mit. Angeklagt sind die Mutter des heute zwölfjährigen Mädchens sowie die Großeltern.

Der Mutter wird unter anderem Freiheitsberaubung und Körperverletzung vorgeworfen, den Großeltern Beihilfe dazu. Nachdem die drei Angeklagten zu mehreren Verhandlungsterminen nicht erschienen waren, war der Prozess in der vergangenen Woche neu gestartet worden. Die Öffentlichkeit ist vom Prozess ausgeschlossen.

Sorgerechtsstreit offenbar Auslöser

Offenbar war ein Sorgerechtsstreit Auslöser der Tragödie. Dabei wird einer Frau aus Attendorn vorgeworfen, ihr Kind sieben Jahre lang eingesperrt und vor der Öffentlichkeit versteckt zu haben.

Keine sozialen Kontake

Konkret bedeutet das keine Kita, keine Schule, kein Kontakt zu Gleichaltrigen. Die Großeltern des Kindes sollen sie dabei unterstützt haben. Darum sind auch sie angeklagt.

Laut Staatsanwaltschaft hatte die Mutter nach der Geburt des Kindes 2013 dem getrennt lebenden Vater zunächst sechs Monate lang noch ein Umgangsgrecht erlaubt, danach aber nicht mehr. Im anschließenden Sorgerechtsstreit erhielten beide Eltern das Sorgerecht - das aber wollte die Mutter wohl nicht akzeptieren.

In Attendorn untergetaucht

Draufhin teilte sie den Behörden mit, mit dem Kind nach Italien ausgewandert zu sein. In Wirklichkeit soll sie aber unerkannt mit ihrer Tochter im Haus der Großeltern gelebt haben - ohne Kontakt zur Außenwelt.

Erst durch anonyme Hinweise wurden Jugendamt und Polizei auf die Situation aufmerksam und befreiten das Kind 2022 aus seiner Gefangenschaft. Nach Angaben eines medizinischen Gutachters befand es sich in einem schlechten körperlichen und psychischen Zustand.

Kind mit Entwicklungsverzögerungen

So litt es unter Entwicklungsverzögerungen, Vitamin D-Mangel, zahlreichen Ängsten, und konnte nur nur auf den Zehenspitzen gehen. Durch eine Essstörung nahm es zehn Kilogramm ab.

Beim letzten Verhandlungstag waren alle drei Angeklagten nicht vor Gericht erschienen. Wie sich später herausstellte, hatte die Mutter einen Suizidversuch begangen. Das war einer der Haupgründe, warum das Gericht die Öffentlichkeit vom Rest des Verfahrens ausschloss.

Jetzt hat das Gericht das Verfahren komplett neu gestartet. Das inwischen 12-jährige Mädchen lebt heute bei Pflegeeltern. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft leidet sie immer noch unter den Folgen der Isolation.

Prozess um mutmaßlich eingesperrtes Mädchen aus Attendorn geht weiter

WDR Studios NRW 19.02.2026 00:21 Min. Verfügbar bis 19.02.2028 WDR Online

Hier gibt es Hilfe bei Suizidgedanken

  • Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Die Telefonseelsorge auch einen Chat und eine E-Mail-Beratung an, ebenfalls anonym.
  • Das muslimische Seelsorgetelefon ist kostenfrei und anonym unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 rund um die Uhr erreichbar.
  • Das Hilfetelefon Opfer von häuslicher Gewalt ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr unter 08000 116 016 erreichbar.
  • Der Weiße Ring bietet ebenfalls einen anonymen Telefondienst unter 116 006 sowie eine Online-Beratung.
  • Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten.

Unsere Quellen:

  • Staatsanwaltschaft Siegen

Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 19.02.2026, 06.31 Uhr

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