Deutschlandflaggen hängen von der Decke, schwarz-rot-goldene Girlanden ziehen sich durch die Kneipe. Hinter dem Tresen werden die ersten Biere gezapft. Auf mehreren Bildschirmen laufen die WM-Spiele.
In der "Globetrotter Bar" in der Paderborner Innenstadt ist an diesem Samstagabend alles bereit für einen langen Fußballabend. Das Fazit vieler Gastronomen nach der ersten WM-Woche fällt bislang eher gemischt aus.
Katrin Hering, Geschäftsführerin "Globetrotter Bar"
"So richtig ist der Funke noch nicht übergesprungen." Katrin Hering, Geschäftsführerin "Globetrotter Bar"
Das merkt auch Thomas Schroedter, Geschäftsführer der "AKKA" Kneipe in Paderborn. Gegenüber früheren Weltmeisterschaften sei das Interesse bislang deutlich geringer.
Thomas Schroedter, Geschäftsführer "AKKA Kneipe"
Späte Anstoßzeiten und wechselhaftes Wetter
Ein Grund dafür könnten auch die ungewöhnlichen Anstoßzeiten der Spiele sein. Da die WM in diesem Jahr in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet, laufen viele Spiele erst spät am Abend oder tief in der Nacht. Dazu kam das wechselhafte Wetter.
Kritik an Gebühren für Außenübertragungen
Zusätzlich sorgt eine Regelung der Stadt Paderborn für Diskussionen. Wer die Spiele im Außenbereich zeigen möchte, braucht eine Ausnahmegenehmigung. Ursprünglich sollten Gastronomen dafür 400 Euro zahlen, nach Kritik wurde die Gebühr auf 200 Euro gesenkt, unabhänig von der Betriebsgröße.
Bei vielen Wirten sorgt das für Unverständnis. Martin Niggemann, Betreiber der Gaststätte "Zum Ölberg", kritisiert, dass kleine Kneipen dieselbe Summe zahlen sollen wie die großen Betriebe.
Bernie Queren von der Kneipe "Bei Bernie" zeigt deshalb keine Spiele draußen.
Bernie Queren, Inhaber der Kneipe "Bei Bernie"
"Ich bin nicht bereit genauso viel zu zahlen." Bernie Queren, Inhaber der Kneipe "Bei Bernie"
Auch Thomas Schroedter von der Kneipe "AKKA" hat seinen Antrag zurückgezogen.
Martin Niggemann hat eine andere Lösung gefunden: Sein Fernseher bleibt drinnen, ist aber so ausgerichtet, dass Gäste die Spiele trotzdem von draußen verfolgen können.
Inhaber Martin Niggemann und sein Mitarbeiter Elias (v.l.n.r.)
Katrin Hering beantragte die Genehmigung erst, nachdem die Gebühr halbiert wurde.
Paderborn verlangt im NRW-Vergleich hohe Gebühren
Viele Städte wie Köln, Münster, Aachen, Kleve, Düsseldorf oder Dortmund verlangen keine zusätzlichen Gebühren. Eine Genehmigung in Siegen kostet 75 Euro und in Gütersloh 25 Euro. Bonn verlangt - wie Paderborn - ebenfalls 200 Euro.
Hoffnung liegt auf der deutschen Mannschaft
Trotz des eher verhaltenen Starts und der Diskussion um die Gebühren für die Außnahmegenehmigungen blicken die Gastronomen optimistisch auf die kommenden Wochen.
Wie groß die Nachfrage auf WM-Feeling im Freien ist zeigte sich beim Spiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste im Brauhaus. Der Biergarten mit rund 350 Plätzen war zeitweise komplett voll.
Unsere Quellen:
- Recherche vor Ort
- Pressemitteilungen
- Gespräche mit Gastronomen aus Paderborn
- Anfragen an Pressestellen
Sendung: WDR.de, Paderborner Wirte ziehen gemischtes Fazit nach erster WM-Woche, 21.06.2026, 12:52 Uhr