Die Betroffenen sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn haben ein wichtiges Etappenziel bei der Aufarbeitung ihrer Schicksale erreicht. Nun steht in der Brigidenkapelle des Hohen Doms zu Paderborn ein Mahn- und Denkmal. Es ist ein sichtbares Schuldanerkenntnis der katholischen Kirche.
Erzbistum Paderborn: Mahnmal zur sexualisierten Gewalt eingeweiht
Lokalzeit OWL. 02.03.2026. 03:15 Min.. Verfügbar bis 02.03.2028. WDR. Von Oliver Köhler.
Eine Art Memoryspiel
Bei dem Mahnmal handelt es sich um einen etwa 2x2 Meter großen Stahltisch mit dem Namen "Memory". Er besteht aus 25 umdrehbaren, quadratischen Tafeln. Auf den verdeckten Seiten sind Texte und Bilder aufgedruckt. Gestaltet von Betroffenen. Die Idee: Werden die Tafeln umgedreht gelangen ihre Geschichten ans Licht.
Betroffene wirkten mit
Aufdecken und erinnern - das will der Münchener Künstler Christoph Brech mit seinem "Memorytisch". Er habe kein Mahnmal über, sondern mit den Betroffenen schaffen wollen, sagt er im Gespräch mit dem WDR. Ihre Beteiligung sei von entscheidender Bedeutung. Auch in Zukunft. Denn die Tafeln sind so konstruiert, dass Texte und Bilder regelmäßig ausgetauscht werden können.
Aufarbeitung ist eine Kraftanstrengung
Das Mahnmal in den Paderborner Dom zu bekommen war mühsam, erzählt Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenen im Erzbistum. Immerhin wiegt es rund 600 Kilo. Aber es sei vor allem im übertragenen Sinn anstrengend gewesen. Die Betroffenen haben lange dafür gekämpft. Und auch persönlich ist das Thema für den 70-jährigen Harnisch eine Herausforderung. 55 Jahre lang habe er seine Erlebnisse verdrängt. Erst spät traute er sich seiner Frau und seiner Tochter davon zu erzählen. Reinhold Harnisch war in den 1960er Jahren vom Leiter des Paderborner Domchors missbraucht worden.
Kirche will Aufarbeitung
Das Erzbistum Paderborn hat eine unabhängige Studie bei der Universität Paderborn in Auftrag gegeben. 160 mutmaßliche Täter, überwiegend Priester, sind mittlerweile identifiziert, 240 Betroffene registriert. Das Gesamtergebnis der wissenschaftlichen Arbeit soll am 12.03.2026 vorgestellt werden. Generalvikar Michael Bredeck sagte dem WDR, dass sich das Erzbistum Paderborn zu seiner Schuld bekenne. Nämlich in der Vergangenheit Täter geschützt und Betroffenen nicht geglaubt zu haben. Doch die Zeit des Verschweigens und Vertuschens sei vorbei.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Künstler Christoph Brech
- Gespräch mit dem Betroffenen Reinhold Harnisch
- Gespräch mit Generalvikar Dr. Michael Bredeck
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 02.03.2026, 19.30 Uhr
