Erzbistum Paderborn: Missbrauchsopfern Stimme geben
Lokalzeit OWL. 18.11.2025. 04:56 Min.. Verfügbar bis 18.11.2027. WDR.
Das Erzbistum Paderborn will Betroffenen von sexualisierter Gewalt Mut machen, ihre eigenen Erfahrungen mitzuteilen. Niemand müsse den Weg allein gehen, heißt es in einer Mitteilung.
Rund um den Gedenktag für Betroffene am 18. November gibt es mehrere Veranstaltungen, bei denen sich Menschen über ihre Leiderfahrungen austauschen können.
Neue Anlaufstelle in Paderborn
Das Erzbistum hat in der Paderborner Innenstadt eine neue Anlaufstelle geschaffen. Dazu wurden unweit des Doms eigens Büroräume angemietet. Die Adresse lautet: An der Synagoge 6, 33098 Paderborn.
Hier finden sich ab sofort Ansprechpartner der Betroffenenvertretung. Das Dunkelfeld ist noch immer groß. Die Anlaufstelle ist ein zusätzliches Angebot für Betroffene. Auch, um Hilfe zu erhalten.
"Wir hoffen darauf, dass mehr Menschen den Mut finden sich zu melden." Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn
Erzbischof startet Initiative
Paderborns Erzbischof Udo Markus Bentz kündigte während einer Online-Podiumsdiskussion am 17.11.2025 eine neue Initiative an. Die solle das Umfeld von Betroffenen sexualisierter Gewalt im Fokus haben.
Er werde sich um die so genannten sekundär Betroffenen kümmern. Aus Sicht der Betroffenvertretung ist diese Ankündigung ein Novum. Reinhold Harnisch, Sprecher der Vertretung, begrüßte die Aussage des Erzbischofs und lobte ihn im Gespräch mit dem WDR dafür.
Kirche will Familien helfen
Das Erzbistum Paderborn bestätigte dem WDR, dass ein erstes Projekt bereits angelaufen ist. Es richte sich speziell an Ehepartner von Betroffenen. Es geht u.a. um psychologische Hilfen. Weitere Angebote seien in Planung.
Unter sekundär Betroffenen werden in diesem Kontext nicht nur Partner und Familienangehörige verstanden, sondern beispielsweise auch Haushälterinnen von ehemaligen Pfarrern oder auch Seelsorger, sagte Heike Meyer, Sprecherin des Erzbistums Paderborn.
Sie könnten heute Schuldgefühle entwickelt haben, weil sie damals von Missbrauchsfällen gewusst oder zumindest eine Ahnung gehabt haben könnten, dies aber niemanden erzählten.
Sexualisierte Gewalt ans Licht holen
Alle Gemeinden im Erzbistum Paderborn sind aufgerufen, in diesen Tagen Kerzen zu entzünden. Damit solle das Dunkelfeld symbolisch erhellt und gleichzeitig die Solidarität mit Betroffenen ausgedrückt werden. Das Schweigen müsse gebrochen und das Leid der Betroffenen anerkannt werden, teilte das Erzbistum mit.
Unsere Quellen:
- Mitteilung Erzebistum Paderborn
- Gespräch mit Heike Meyer, Sprecherin Erzbistum Paderborn
- Gespräch mit Reinhold Harnisch, Sprecher Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn
