Stadt Paderborn baut Kardinal-Degenhardt-Gedenktafel ab
WDR. 01:11 Min.. Verfügbar bis 29.04.2028.
Zwei Handgriffe und schon gibt es einen Ort weniger, der die Betroffenen an ihre Missbrauchs-Erfahrungen erinnert. Die Stadt Paderborn hat heute die Gedenktafel, die zu Ehren von Kardinal Johannes Joachim Degenhardt aufgestellt wurde, entfernt.
Einige Menschen blieben stehen, um sich das anzusehen und viele sind sich einig: Eine richtige Entscheidung. "Wir sind froh, dass ein so wichtiger Schritt hier gegangen wird", sagt Reinhold Harnisch, Betroffenenvertreter für das Erzbistum Paderborn. Und weiter: "Dieses vertuschen oder abwarten, das ist vorbei."
Rat streicht ehemaligen Kardinal von Ehrenbürgerliste
Der ehemalige Paderborner Erzbischof Degenhardt war laut der Missbrauchsstudie, die Mitte März vorgestellt worden war, bei der Vertuschung von Missbrauchsfällen im Erzbistum maßgeblich beteiligt.
Auf Antrag von Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU) hatte der Paderborner Stadtrat entschieden, dass der Kardinal-Degenhardt-Platz umbenannt werden soll und der ehemalige Kardinal von der Liste der Ehrenbürger gestrichen wird. Auch die Kardinal-Jaeger-Straße soll umbenannt werden.
Ein historischer Schritt für die Opfer
Kurz bevor die Platte abgebaut wird, hält Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU) noch eine kurze Rede: "Mir persönlich war es auch sehr, sehr wichtig diese Umsetzung jetzt zeitnah zu machen und dabei zu sein, weil ich glaube es ist schon ein wichtiger aber auch emotionaler Schritt, den wir gegangen sind."
"Es ist eben auch das Bekenntnis, dass diese Menschen, denen man bisher Ehre gewürdigt hat, eben keine Ehrenleute waren." Reinhold Harnisch, Betroffenenvertretung
Auch Thomas Wendland, Interventionsbeauftragter des Erzbistums, war dabei. Er sagt, das Erzbistum unterstütze diesen Schritt. Es habe sich viel getan, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Er sagt, "dass Priester aus dem Dienst genommen werden sobald Beschuldigungen da sind und dass keine Versetzungen stattfinden." Und auch die Aufarbeitung sei noch nicht am Ende.
Bauausschuss entscheidet über Umbenennung
Im Mai entscheidet der Bauausschuss über die Umbenennung des Platzes.
Ein erster Schritt ist gemacht. Als nächstes wird der Bauausschuss im Mai über die Umbenennung der Straßen entscheiden.
Die Platte wird erst einmal im Stadtarchiv aufbewahrt, denn sie bleibt ein Teil der Stadtgeschichte. Dass sie jetzt keinen Platz mehr mitten in der Innenstadt hat, zeigt aber auch, dass sich Stadtgeschichte ändert.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Stadt Paderborn
- Reinhold Harnisch, Betroffenenvertretung für das Erzbistum Paderborn
- Thomas Wendland, Interventionsbeauftrager Erzbistum Paderborn
Sendung: WDR2, Lokalzeit Ostwestfalen-Lippe, 29.04.2026, 7:31 Uhr
