Vier Menschen sitzen auf Barhockern in einer Kirche und diskutieren.

Moderatorin Judith Schulte-Loh, Ulrich Weber (Kirchenvorstand), Claudia Auffenberg (Gemeindemitglied), Daniel Schröter (Erzbistum Paderborn)

Sparzwang im Erzbistum - welche Kirchen lassen wir im "Dorf"?

Stand:

In Paderborn hat die Gemeinde St. Julian gleich drei Kirchen und somit ein Problem: Nur eine kann bleiben. Aber was passiert mit den anderen? Wie die Zukunft der Kirchen im Erzbistum aussehen könnte und was die Menschen mit ihren Kirchen verbinden, darüber haben wir im WDR Lokalzeit Stadtgespräch am Donnerstag diskutiert.

Von Christina Joswig

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Die Bänke der St. Meinolf Kirche waren voll mit Interessierten - nicht für den Gottesdienst, sondern um über die Zukunft ihrer Kirche zu sprechen. Was schnell deutlich wird: Niemand möchte seine Kirche abgeben, obwohl alle einsehen, dass drei Kirchen für eine Gemeinde zu viel sind.

Kirchen sind Heimat

Menschen sitzen in einer Kirche

Stadtgespräch-Moderatorin Elke Vieth spricht mit Gemeindemitgliedern.

Die St. Meinolf Kirche soll geschlossen werden, die Entscheidung ist bereits vom Kirchenvorstand gefallen. Die Gemeinde St. Julian kann sich nur noch eins der drei Gotteshäuser leisten.

Für viele ist ihre Kirche aber ein Symbol ihrer Heimat: Kinder wurden in ihr getauft, Ehen geschlossen, Verstorbene aufgebahrt. "Ich würde um kein Gebäude in meinem Leben so trauern", sagt Claudia Auffenberg. Sie ist Gemeindemitglied der Kirche St. Kilian und hofft, dass ihre Kirche wenigstens als Kulturort erhalten bleibt.

Stadtgespräch aus Paderborn: Welche Kirche lassen wir im "Dorf"?

Lokalzeit Stadtgespräch 04.12.2025 57:12 Min. Verfügbar bis 04.12.2027 WDR 5

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20-30 Prozent der Gebäude müssen weg

Ein Mann spricht in ein Mikrofon

Ulrich Weber spricht für den Kirchenvorstand der Gemeinde.

"Egal was wir tun, wir werden irgendwem die Heimat nehmen", sagt Ulrich Weber, vom Kirchenvorstand der Gemeinde. Doch mit den jetzigen finanziellen Mitteln können schlichtweg nicht alle Gebäude gehalten werden. Sie seien renovierungsbedürftig und genutzt würden ohnehin nur wenige Räume.

Kirchen im ganzen Land fehlen die Mitglieder

Betrachtet man NRW, dann ist das Erzbistum Paderborn spät dran mit der Immobilienstrategie. Im Erzbistum Essen werden schon viele Kirchen anders genutzt. Das große Problem ist überall im Land gleich: Katholische Kirchengemeinden sind derzeit noch nach einem Konzept aus den 1970er Jahre aufgestellt - jede mit mindestens einem Pfarrheim, einem Pfarrhaus als Orte des Gemeindelebens und einer Kirche.

Heute hingegen gibt es weniger Treffen und die Zahl der Kirchenmitglieder geht zurück. Darauf müsse man reagieren, sagt Daniel Schröter, Prozessverantwortlicher vom Erzbistum Paderborn.

Zu wenig Mitbestimmung?

Die Gemeinde sei in den Entscheidungsprozess nicht genug eingebunden worden, kritisieren einige der Anwesenden. Franz-Josef Wind fürchtet, dass Kirche immer unpersönlicher werden könnte, wenn die Pfarrräume größer werden. Dadurch könne man die Bindung besonders zu jungen Menschen weiter verlieren.

"Wir sollten nicht an Steinen kleben." Christin Johannimloh, Gemeindemitglied
Eine Frau sitzt in einer Kirchenbank und spricht in ein Mikrofon.

Christin Johannimloh möchte nicht in einer leeren Kirche sitzen.

Für Christin Johannimloh ist es ein Dilemma: "Wenn wir hier sonntags mit 20 Leuten im Gottesdienst sitzen, ist das auch nicht schön, aber es ist die Zukunft." Wenn die Mitglieder fehlen, müsse eben verkleinert werden, damit Gemeinschaft wieder gelebt werden kann.

Weiternutzung der Gebäude in Diskussion

Wie es mit den Gebäuden weitergeht, dürfen die Gemeinden selbst entscheiden. Das Erzbistum Paderborn will dabei so gut es geht unterstützen - auch finanziell. "Es ist ja heute nicht das Ende, es ist ein Anfang", sagte Daniel Schröter, Immobilienstratege im Erzbistum. Es sei wichtig, dass die Gebäude in gute Hände kommen.

Antje Huißmann spricht als eine der Kulturschaffenden in Paderborn. Es gebe einen großen Mangel an kulturellen Räumen, daher könne sie sich vorstellen, die Kirchen für Kunstprojekte und Ausstellungen zu nutzen.

Dass immer mehr Kirchen leer bleiben werden, ist unaufhaltsam. Nun liegt es weiter an den Gemeinden, Pläne für eine Nachnutzung zu machen. Und neue Räume für die Gemeindemitglieder zuschaffen, die ihre geliebte Kirche, ihre Heimat, verlieren.

Sparzwang im Erzbistum - welche Kirchen lassen wir im "Dorf"? - Was denkt ihr darüber?

Lokalzeit OWL 03.12.2025 03:15 Min. Verfügbar bis 03.12.2027 WDR Von Stefan Leiwen

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Gemeinden St. Julian
  • Erzbistum Paderborn

Sendung: WDR.de, Sparzwang im Erzbistum - welche Kirchen lassen wir im "Dorf"?, 04.12.2025, 22:21 Uhr 
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 03.12.2025, 19:30 Uhr

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Gabriele Tick 04.12.2025, 16:08 Uhr

    Die katholische Kirche Maria, König des Friedens in Augustdorf steht bereits unter Denkmalschutz und wird seit Jahren vom Pastoralverbund Detmold und dem Erzbistum Paderborn vernachlässigt. Seit rd. 3-4 Jahren ist der Turm an dem Gotteshaus sanierungsbedürftig. Steine bröckeln vom Turm und Unfallgefahr besteht. Die Außenanlage befindet sich in einem heruntergekommenen Zustand. Das gesamte Jahr 2025 musste ich im Pastoralverbund Detmold vorsprechen um wenigstens zur Rasenpflege anregen. Man hat vor Jahren einen Bauzaun am Turm zu Absperrung aufgestellt und das wars! Wohlwissend, dass der rund 60 m hohe Turm unmittelbar am Eingang zur Kirche und neben einem öffentlichen Gehweg sowie einer viel befahrenen Straßenführung sich befindet. Zuständiger Erzbischof Dr. Bentz schweigt zu dem Skandal. Das Erzbistum Paderborn hat in 2025, 83 Mio. Euro als Überschuss zu verzeichnen, womit der Turm locker in Stand gesetzt werden könnte. Stattdessen wird nur ausgesessen und geschwiegen!

  • 3 Peter Maurer 04.12.2025, 04:07 Uhr

    Was hat denn die Story mit Ihrem Kommentar zu tun? Würden Sie das bitte erläutern? Und Gottes Schöpfung zu bewahren statt zu zerstören, ist doch ein urchristlicher Gedanke.Oder sehen Sie das nicht so?

  • 2 03.12.2025, 11:14 Uhr

    Name und Kommentar wg. Netiquette-Verstoßes gesperrt. (die Redaktion)

  • 1 Peter Berger 03.12.2025, 11:09 Uhr

    Wenn kümmert's - die neuen anerkannten Religionen sind Klima, Gender, Multikulti u.s.w. Christentum ist aus vielen Gründen auf dem Rückzug. Viele werden das erst bemerken, wenn Weihnachten aus Gleichstellungsgründen abgeschaftt wird.

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